Slowakei - Schreck ohne Stürmer

Porträts EURO 2016

Slowakei - Schreck ohne Stürmer

Zum ersten Mal dabei und keine Lust auf Underdog - die Slowaken wollen ein "harter Gegner" werden. Dafür fehlt allerdings ein echter Torjäger.

Der Weg nach Frankreich: Die Slowaken setzten sich in ihrer Qualifikationsgruppe hinter Spanien und vor der Ukraine, Weißrussland, Luxemburg und Mazedonien durch. Zum Start gelangen sechs Siege in Serie, Höhepunkte waren der 1:0-Auswärtssieg in Kiew gegen die Ukraine und ein 2:1-Heimsieg gegen die Spanier - der einzige Punktverlust des amtierenden Europameisters in der Qualifikation. In der Folge hatte das slowakische Team einen Durchhänger und kassierte gegen Weißrussland zuhause eine 0:1-Niederlage. Durch einen Auswärtssieg in Luxemburg wurden letzte Zweifel an der erfolgreichen EM-Qualifikation dann aber ausgeräumt.

Schlüsselspieler: Klarer Fall - Marek Hamsík. Der für den SSC Neapel spielende Mittelfeldmann mit der auffälligen Frisur war mit fünf Toren der Toptorschütze der Slowakei in der Qualifikation und wird auch bei der EM die entscheidende Figur sein. Bereits seit zwölf Jahren spielt er in der Serie A auf konstant hohem Niveau. Hamsik ist Torschütze, Vorbereiter, Kreativspieler und "aggressive leader" in einer Person. Gemeinsam mit dem anderen internationalen Top-Spieler Martin Skrtel vom FC Liverpool dürfte Hamsik derjenige sein, der sein Team zu einer Überraschung führen könnte.

Trainer: Jan Kozak trainierte mehrere Jahre lang den slowakischen Erstligisten MFK Kosice, ehe er 2013 zum Nationaltrainer der Slowakei ernannt wurde. "Underdogs? Das glaube ich nicht", sagt er auf die Chancen seines Teams angesprochen. "Ich erwarte und hoffe, dass wir ein harter Gegner sein werden."

Historie: Die EM 2016 ist das erste kontinentale Turnier, für das sich die Slowakei qualifizieren konnte. Seit der Unabhängigkeit 1993 waren die Slowaken zuvor fünf Mal in der Qualifikation gescheitert.

Aussichten: Inwiefern der Sieg gegen die deutsche "B-Mannschaft" bei der Regenschlacht von Augsburg als Ausweis der slowakischen Stärke gilt, ist unklar. Trotz der drei Tore plagt die Slowaken ein Problem an vorderster Front: Einen echten Torjäger haben sie nicht. Zudem haben sie Probleme, wenn sie das Spiel machen müssen. Das könnte gegen Wales zum Auftakt problematischer werden als danach gegen die Favoriten aus England oder Russland. Sind Hamsik und Skrtel in Topform und findet sich doch noch ein Torjäger, könnte der Debütant durchaus für eine Überraschung sorgen und die Gruppenphase überstehen. Dass sie für Überraschungen gut sind, zeigten die Slowaken bereits bei der WM 2010, als sie in der Gruppenphase Italien 3:2 schlugen.

ds | Stand: 31.05.2016, 10:31

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