Russland - Erfahrene Spätzünder

Leonid Sluzki

Porträts EURO 2016

Russland - Erfahrene Spätzünder

Die Russen gehören zu den erfolgreichsten Teams der EM-Geschichte und reisen mit viel Erfahrung in ihren Reihen an - ein Vorteil gegenüber der unerfahrenen Gruppengegnern?

Der Weg nach Frankreich: Die Russen qualifizierten sich hinter Österreich und vor Schweden, Montenegro, Liechtenstein und Moldawien. Der Weg dahin war uneben: Nach sechs Spieltagen standen zwei Niederlagen gegen Österreich und zwei Unentschieden in Schweden und zuhause gegen den abgeschlagenen Gruppenletzten Moldawien zu Buche - so lagen die Russen vier Punkte hinter Rang zwei. Also wurde der Italiener Fabio Capello gefeuert, Leonid Sluzki übernahm den Trainerposten. Mit Erfolg: Vier Siege in vier Spielen sicherten die direkte Qualifikation.

Schlüsselspieler: Unter Capello kaum aufgeboten, unter Sluzki Schlüsselspieler: Artem Dzyuba. Acht Tore erzielte der Mann von Zenit St. Petersburg in der Qualifikation, unter anderem das wohl wichtigste beim 1:0-Sieg gegen den direkten Konkurrenten aus Schweden. Dzyuba könnte man als klassischen Mittelstürmer bezeichnen, mit starkem Kopfballspiel und gutem rechten Fuß. Auch Roman Schirokow (ZSKA Moskau) kann den Unterschied zu Gunsten der "Sbornaja" ausmachen - unter seinem Vereinstrainer Sluzki zeigte auch er in der Nationalmannschaft aufsteigende Form.

Trainer: Leonid Wiktorowitsch Sluzki war früher Torhüter, er musste allerdings wegen einer schweren Verletzung früh seinen Traum vom Profi-Fußball aufgeben. Bereits mit Anfang 30 wurde er Trainer in der Premjer Liga. 2009 übernahm er ZSKA Moskau und führte die Mannschaft ins Viertelfinale der Champions League. In Moskau ist er immer noch als Trainer beschäftigt - die Nationalmannschaft ist sein Zweitjob. Nach der EM wollen sich der russische Fußballverband und ZSKA zusammensetzen und über die Zukunft beratschlagen.

Historie: Nimmt man die Vergangenheit als Sowjetunion dazu, sind die Russen eines der erfolgreichsten Teams der EM-Geschichte. Zehn Mal waren sie dabei. Bei der Premiere 1960 siegte die Sowjetunion in Frankreich, im Halbfinale 1968 schied man nach Losentscheid gegen Italien aus, 1972 unterlag die "Sbornaja" im Finale einer an diesem Tag überragenden DFB-Elf. Nach 16-jähriger Durststrecke reichte es bei der nächsten Teilnahme 1988 wieder für den Finaleinzug, wo die Niederlande die Oberhand behielten. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war Russland dann ab 1992 mit Ausnahme der Euro 2000 immer dabei - der größte Erfolg war der Halbfinaleinzug 2008. 2012 in der Ukraine/Polen mussten sich die Russen schon nach der Gruppenphase verabschieden.

Aussichten: Trotz der erfolgreichen Qualifikation - ansehnlich war es nicht, was die Russen zeigten. Auch unter dem neuen Erfolgscoach Sluzki nicht. Die Vorbereitungsspiele fielen ebenfalls bescheiden aus - gegen Frankreich waren die Russen letztlich chancenlos. Die große Erfahrung des Teams, bei dem Stützen wie die Beresutski-Brüder in der Defensive, Denissow im defensiven Mittelfeld oder Schirokow auf der Spielmacherposition die 30 bereits überschritten haben, könnte gegen die EM-unerfahrenen Waliser und Slowaken aber zum Vorteil gereichen.

ds | Stand: 31.05.2016, 10:30

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