Island - Bereit für neue Heldenstücke

Porträts EURO 2016

Island - Bereit für neue Heldenstücke

Zum ersten Mal schafften es die Isländer in eine Endrunde - in einer überzeugenden Qualifikation schlugen sie unter anderem die Niederlande. Großen Anteil an diesem Erfolg hat vor allem das Trainerduo.

Der Weg nach Frankreich: Als Zweiter der Qualifikationsgruppe A hinter Tschechien buchte Island das EM-Ticket nach Frankreich und qualifizierte sich erstmals für eine Euro. "Als ich anfing, Fußball zu spielen, habe ich so etwas nicht zu träumen gewagt. Es ist unglaublich, es ist ein Schock", sagte Kapitän Aron Gunnarsson. Schockiert hatten die Kicker von der größten Vulkaninsel der Erde zuvor nur ihre Gruppengegner: Die Türkei wurde daheim 3:0 abgefertigt, Tschechien mit 2:1. Und die Niederlande lehrten sie gleich zweimal das Fürchten - beim 2:0 vor eigenem Publikum und beim 1:0 in Amsterdam.

Schlüsselspieler: Dreh- und Angelpunkt in der Nationalmannschaft ist Gylfi Sigurdsson, deutschen Fußballfans aus seiner Zeit bei 1899 Hoffenheim bekannt. Er zieht im offensiven Mittelfeld die Fäden, ist auch auf den Außenbahnen einsetzbar. Im Blick haben muss man auch Kapitän Eidur Gudjohnsen. Der 37-Jährige war 2013 nach der verpassten WM-Qualifikation schon einmal zurückgetreten und ist mit 25 Treffern Islands Rekordtorschütze. Geschichte schrieb er schon 1996, als er bei seinem Nationalelf-Debüt für seinen Vater Arnór eingewechselt wurde. Es war das erste Mal, dass ein Vater und dessen Sohn am selben Länderspiel teilnahmen.

Trainer: Seit 2011 coachen der Schwede Lars Lagerbäck und der Isländer Heimir Hallgrimsson die Nationalmannschaft. Lagerbäck betreute von 2000 bis 2009 auch die Auswahl seines Heimatlandes, brachte es als Aktiver aber nur bis zur dritten schwedischen Liga. Den Isländern verpasste er ein 4-4-2-System mit klarer Ordnung und ohne jede Schönspielerei oder Ballbesitz-Phantastereien. In seiner Ägide verbesserte sich das Team in der FIFA-Weltrangliste vom 112. auf den 23. Platz. Lagerbäcks Erfolge auf der Vulkaninsel mögen manchem Einwohner magisch vorkommen, ihm selbst nicht: "Manche Leute sagen, das ist ein Traum. Vielleicht ist das wahr, aber unser Erfolg ist das Ergebnis harter Arbeit." Hallgrimsson war zunächst Lagerbäcks Assistent, wurde dann 2013 mit einem neuen Vertrag ausgestattet und arbeitet seitdem als gleichberechtigter Partner. Nach der EURO 2016 tritt Lagerbäck ab, Hallgrimsson macht dann alleine weiter.

Historie: Nach elf vergeblichen Versuchen hat sich Island zum ersten Mal für eine Europameisterschaft und überhaupt für ein großes Turnier qualifiziert. Einst hatte man sich schon über einen dritten Platz bei der Qualifikation zur EM 2004 gefreut. So etwas wie eine Initialzündung waren für die Isländer die Playoffs zur WM 2014. Einem 0:0 daheim gegen Kroatien folgte ein 0:2 auswärts. Der WM-Traum war zwar geplatzt, doch das Lagerbäck-Team hatte erfahren, dass es das Zeug zu Größerem hat. Trainer Hallgrimsson brachte diese Entwicklung mit folgenden Sätzen auf den Punkt: "Als Lars und ich hier anfingen, hat er mir gesagt, dass er das Team für stark genug hält, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Damals dachte ich, er ist verrückt, aber dann hätten wir es tatsächlich fast geschafft." 

Aussichten: Nach beeindruckenden Siegen gegen gestandene Fußball-Nationen in der Qualifikation gehen die Isländer nicht unbedingt als krassester Außenseiter aller Zeiten in die Spiele der Gruppe F, aber schon als Underdog. Doch warum sollten sie sich auch nicht gegen Portugal, Österreich und Ungarn etwas ausrechnen? Zu verlieren haben sie nichts, sie können nur gewinnen, jedes Spiel ist ein Festspieltag. Eine traumhafte Ausgangssituation für neue Heldenstücke.

Stand: 30.05.2016, 14:35

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