England - Der Traum vom großen Wurf

Porträts EURO 2016

England - Der Traum vom großen Wurf

Der Umbruch nach der Generation Lampard und Gerrard hat funktioniert: Nach der lupenreinen Qualifikation träumen die Engländer nun von einem erfolgreichen Turnier in Frankreich.

Der Weg nach Frankreich: Nur den "Three Lions" gelang es, die volle Punktzahl in der EM-Qualifikation einzufahren: Aus zehn Spielen holten sie zehn Siege, schossen 31 Tore und kassierten nur drei Gegentreffer (davon ein Eigentor). So qualifizierten sie sich als erste Mannschaft schon nach sieben Spieltagen für die EM. Gegen den Gruppenzweiten, die Schweiz, gewannen sie zweimal souverän mit 2:0.

Schlüsselspieler: Die Zeit nach der Generation Lampard und Gerrard bedeutete für England einen Umbruch. England wird mit der zweitjüngsten Mannschaft der EM antreten - lediglich Wayne Rooney (Manchester United) bleibt als Leitwolf erhalten. Während der Qualifikation überzeugte die stabile Abwehr um Gary Cahill (Chelsea). Bitter sind die verletzungsbedingten Ausfälle von Alex Oxlade-Chamberlain und Danny Welbeck (beide Arsenal), die in der Qualifikation wichtige Bestandteile der Offensive darstellten. Trotzdem ist der Angriff variabel aufgestellt, große Hoffnungen ruhen vor allem auf den Shootingstars Harry Kane (Tottenham Hotspur) und Jamie Vardy von Überraschungsmeister Leicester FC, die mit ihren Toren maßgeblichen Anteil am Erfolg ihrer beiden Teams in der Premier League hatten.

Trainer: Roy Hodgson ist seit vier Jahren Trainer der Engländer, sein Vertrag läuft nach der Europameisterschaft aus. Er selbst hat kürzlich offengelegt, dass er auch nach dem Turnier in Frankreich Trainer bleiben will - doch die Entscheidung über seine Zukunft wird vor allem davon abhängen, wie er mit seiner Mannschaft bei diesem abschneidet. Der englische Fußballverband nahm die gelungene Qualifikation zum Anlass, um das Ziel Halbfinale zu formulieren. Sollte dieses nicht erreicht werden, könnte es für den Coach eng werden, das ist auch ihm bewusst: "Ich werde nicht bis aufs Äußerste an dem Job hängen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht erwünscht bin."

Historie: Zu Buche steht eine sehr durchwachsene Bilanz: Fünfmal qualifizierten sich die Engländer gar nicht, zuletzt 2008, erst vier Mal schafften sie es über die Vorrunde hinaus. Der größte Erfolg ist Platz drei bei der EM 1968. Ihre letzten beiden Viertelfinal-Teilnahmen, 2004 in Portugal und 2012 in Polen und der Ukraine, verloren sie jeweils im Elfmeterschießen. Die wohl bitterste Niederlage kassierte England 1996 im eigenen Land gegen Deutschland, ebenfalls im Elfmeterschießen. Andreas Möllers stolzgeschwellte Pose dürfte bei so manchem Fan noch immer Schnappatmung auslösen.  

Aussichten: Zehn Siege aus zehn Spielen in der Qualifikation, dazu die jüngsten Testspiel-Erfolge gegen die Türkei und Australien - das weckt natürlich Hoffnungen bei der englischen Presse und den Fans. In der Vorrunde geht es gegen Russland, die Slowakei und Wales - das Erreichen des Viertelfinals sollte Pflicht sein, auch wenn die Engländer nicht gerade als Turniermannschaft bekannt sind.

ds | Stand: 31.05.2016, 10:11

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