Albanien - Außenseiter in der Diaspora

Porträts EURO 2016

Albanien - Außenseiter in der Diaspora

Mit jeder Menge Exil-Albaner schafften die Südeuropäer erstmals die Qualifikation zur EM-Endrunde. Das Erreichen des Achtelfinales wäre ein riesiger Erfolg für das 2,8-Millionen-Einwohner-Land.

Der Weg nach Frankreich: Die EURO-Debütanten setzten sich in der Gruppe I als Gruppenzweiter vor Dänemark und Serbien durch. Unter anderem siegten die Albaner bei Gruppensieger Portugal. In Erinnerung geblieben ist aber vor allem das Spiel gegen Serbien im November 2015. Kurz vor der Halbzeit flog eine Drohne mit einer Nationalflagge, auf der die Umrisse eines großalbanischen Reiches zu sehen waren, über den Rasen - es kam zu Krawallen, das Spiel wurde abgebrochen. Der Internationale Sportgerichtshof CAS wertete die Partie mit 3:0 für Albanien.

Schlüsselspieler: Der Erfolg der Albaner ist auch ein Erfolg der albanischen Diaspora in Europa. Rekord-Nationalspieler und Kapitän Lorik Cana wuchs in der Schweiz auf und wechselte als 16-Jähriger nach Frankreich, auch der torgefährliche Mittelfeldspieler Shkelzen Gashi und Granit Xhakas Bruder Taulant (beide FC Basel) sind sogenannte "Secondos" aus der Schweiz. Pikanterweise treffen beide Teams bei der EURO aufeinander. Ein interessanter Mann mit Perspektive ist Außenverteidiger Elseid Hysaj, mit 22 Jahren unumstrittener Stammspieler beim italienischen Vizemeister SSC Neapel und angeblich auch schon mal im Visier des FC Bayern München gewesen.

Trainer: Coach Giovanni De Biasi spielte als Spieler hauptsächlich in der 2. Italienischen Liga. Erstmals als Trainer auf sich aufmerksam machte er mit dem FC Modena, den er aus der dritten Liga in die Serie A führte. Abgesehen von einem erfolglosen Gastspiel bei UD Levante in Spanien blieb er Italien treu. 2011 dann übernahm der die albanische Nationalmannschaft. De Biasi, der 2015 die albanische Staatsbürgerschaft verliehen bekam, gilt als großer Motivator.

Historie: Die Rot-Schwarzen scheiterten bislang jedes Mal in der Euro-Qualifikation. Bei der Europameisterschaft 1964 überstanden die Albaner die erste Runde der damals noch im K.O.-System ausgetragenen Qualifikation - Griechenland weigerte sich damals, gegen Albanien anzutreten, da sich beide Länder zu jener Zeit noch im Kriegszustand befanden. Im Achtelfinale unterlagen die Albaner dann chancenlos Dänemark.

Aussichten: Keine Frage - die Albaner gehen als große Außenseiter nicht nur in die Gruppe A, sondern ins gesamte Turnier. Daran ändert auch der jüngste Testspielerfolg gegen Katar (3:1) nichts. Das Achtelfinale wäre ein riesiger Erfolg für das 2,8-Millionen-Einwohner-Land. Größtes Manko ist das Fehlen eines echten Torjägers, in der Qualifikation erzielte kein Akteur mehr als einen Treffer.

Stand: 30.05.2016, 12:17

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