2012 - Die Wiedergeburt der falschen Neun

2012 - Die Wiedergeburt der falschen Neun

Nach jahrelanger Dominanz schien sich die Konkurrenz auf das "Tiqui-taca" eingestellt zu haben, doch Vincente del Bosque hatte noch mehr Tricks auf Lager. Deutschland bekam es stattdessen mit dem Angstgegner zu tun.

Europameister: Als Weltmeister und Titelverteidiger war Spanien auch vor dem Turnier in Polen und der Ukraine der große Favorit. Allerdings mussten die Iberer den Ausfall ihres Torjägers David Villa hinnehmen. Trainer Vicente del Bosque spielte daraufhin meist ein System ohne klassischen Mittelstürmer und beorderte Mittelfeldmann Cesc Fàbregas einfach weiter nach vorne. Es war die Wiedergeburt der so genannten "Falschen Neun".

In den Jahren zuvor hatten die Spanier ihre Gegner regelrecht an die Wand gespielt. Zwar war 2012 auch noch jede Menge Tempo im Spiel und das Passspiel war präzise, doch irgendwie war alles weniger spektakulär.

So waren die Gruppenspiele gegen Italien (1:1) und Kroatien (1:0) hart umkämpft. Im Halbfinale gegen Portugal kam das Team nach 120 Minuten nur zu einem 0:0 und setzte sich am Ende im Elfmeterschießen durch. Erst im Finale blitzte die ganze Klasse der Spanier auf. Angetrieben vom kongenialen Duo Xavi und Andrés Iniesta feierte die Mannschaft einen klaren 4:0-Sieg gegen Italien. Spanien konnte somit als erster Europameister seinen Titel verteidigen.

Spieler des Turniers:  Es war das Bild des Endspiels: Andrés Iniesta umringt von fünf Italienern, die ihm den Ball abnehmen wollen. Doch der Spanier befreit sich mit einer einfachen Drehung aus der Situation und  spielt das Leder lässig aus der Gefahrenzone. Der Spieler des FC Barcelona war der überragende Mann auf dem Platz beim 4:0-Finalsieg des Titelverteidigers und stach dabei sein Gegenüber Andrea Pirlo aus. Nicht nur deshalb  wählte ihn die Technische Kommission der UEFA zum "Spieler des Turniers".

"In vielerlei Hinsicht symbolisierte er dieses Turnier – ein kreativer, effektiver Dauerläufer, egal, ob mit oder ohne Ball", sagte Andy Roxburgh, der Technische Direktor der UEFA.

Deutsche Mannschaft im Turnier: Es war die "Todesgruppe", und nicht wenige sahen das Aus schon in der Vorrunde kommen. In Gruppe B musste Deutschland gegen Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo, Vize-Weltmeister Niederlande und Dänemark ran. Doch am Ende war alles halb so wild. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw gewann alle drei Partien und zog souverän als Gruppensieger ins Viertelfinale ein. Dort schrieb Deutschland Geschichte. Der Sieg gegen Griechenland war der 15. Pflichtspiel-Erfolg in Serie – Rekord.

Doch dann – Italien. Wie schon bei den Weltmeisterschaften 1970 und 2006 traf Deutschland in einem Halbfinale auf den „Angstgegner“. Und der machte seinem Namen alle Ehre. Schon zur Pause hieß es durch zwei Tore von Mario Balotelli 2:0 für die Azzurri, Mesut Özil gelang erst in der Nachspielzeit der Anschlusstreffer. Unvergessen ist Balotellis Jubel nach dem 2:0. Der Muskelmann posiert regungslos mit nacktem Oberkörper neben dem zeternden Phillip Lahm.

Aufreger des Turniers: Vor dem Turnier hatte UEFA-Präsident Michel Platini die Torrichter in höchsten Tönen gelobt und die Torlinientechnik erneut vehement verteufelt. Ausgerechnet Mit-Gastgeber Ukraine wurde dann im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen England um ein reguläres Tor gebracht. John Terry erwischte in der 62. Minute den Ball nach einem Schuss von Marko Dević erst klar hinter der Linie. Das fingen die TV-Kameras ein, und das sahen auch die meisten Fans im Stadion. Nur der Torlinienrichter, der genau daneben stand, der sah es nicht.

Stand: 17.04.2016, 21:00

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