EM 2004 - Griechischer Triumph

EM 2004 - Otto Rehhagel jubelt über den Titel

EM 2004 - Griechischer Triumph

"König Otto Rehhakles" - nach der Euro 2004 war Otto Rehhagel ein Nationalheld in Griechenland. Er hatte die Defensive perfektioniert und Portugal in ein Tränenmeer gestürzt.

Europameister: Der überraschendste Titelträger aller Zeiten war auch der minimalistischste: Die Vorrunde hatte Griechenland mit vier Punkten aus drei Spielen überstanden, danach dreimal 1:0 gewonnen – und dann waren sie plötzlich Europameister. Um das Ausmaß der Sensation zu begreifen, hilft ein Blick in die Historie: Es war das zweite Mal, dass sich Griechenland überhaupt für eine EM qualifizieren konnte. Beim ersten Mal, 1980 in Italien, war nach der Vorrunde Schluss. Das 2:1 gegen Gastgeber Portugal in der Vorrunde war der erste EM-Sieg einer griechischen Nationalmannschaft überhaupt.

Der Titel war auch die Krönung von "König" Otto Rehhagel. Der deutsche Trainer verordnete Griechenland eine konsequente Defensivtaktik, mit Traianos Dellas als Libero und klassischer Manndeckung. Schön war das nicht, Rehhagel musste sich für seine Retro-Taktik oft rechtfertigen. Aber wer am Ende Griechenland zum EM-Titel führt, kann alle Kritiker einfach weglächeln.

Das Finale war symptomatisch für das gesamte Turnier - Griechenland hielt den Kasten gegen Portugal hinten sauber und nutzte vorne die erste Chance. Angelos Charisteas traf per Kopf nach einem Eckball. Das reichte.

Spieler des Turniers: Genauso überraschend wie der Europameister. Zum besten Spieler wurde nicht Portugals Legende Luis Figo gewählt, auch nicht Jungstar Cristiano Ronaldo - sondern Theodoros Zagorakis. Vor dem Turnier war der Mittelfeldspieler von AEK Athen nur Insidern ein Begriff. Aber dann war er als Kapitän Herzstück dieser namenlosen griechischen Mannschaft, die sich so bewundernswert von Sieg zu Sieg kämpfte. Zagorakis‘ Torausbeute im Turnier passt ins Bild: null.

Deutsche Mannschaft im Turnier: Die Erwartungen waren groß, schließlich war Deutschland zwei Jahre zuvor Vize-Weltmeister geworden. Auch der Auftakt machte Mut: Michael Ballack und Co. führten lange gegen die Niederlande, bevor Ruud van Nistelrooy doch noch ausglich. Allerdings folgten ein trostloses 0:0 gegen Lettland und eine 1:2-Niederlage gegen Tschechien – Aus in der Vorrunde. Fredi Bobic, Kevin Kuranyi sowie die Joker Miroslav Klose und Lukas Podolski - alle eingesetzten Stürmer fuhren ohne Tor nach Hause. Rudi Völler trat als Bundestrainer zurück und die Stimmung war zwei Jahre vor der Heim-WM im Keller.

Aufreger des Turniers:  Zum ersten und einzigen Mal kam das Silver Goal bei einer EM zum Einsatz - eine der seltsamsten Erfindungen der Fußballgeschichte. Das Silver Goal löste das Golden Goal ab, bei dem wenigstens noch Klarheit geherrscht hatte: Wer in der Verlängerung ein Tor schießt, gewinnt das Spiel, es wird sofort abgepfiffen.

Das Silver Goal dagegen besagte, dass eine Verlängerung nach 15 Minuten abgepfiffen wird, wenn zu diesem Zeitpunkt eine Mannschaft führt. Steht es nach 15 Minuten immer noch (oder schon wieder) unentschieden, wird um weitere 15 Minuten verlängert. Verständlicherweise überlebte die Regel nur kurz. Und so ist der Grieche Traianos Dellas der einzige Silvergoal-Schütze der EM-Geschichte - mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg gegen Tschechien im Halbfinale.

Stand: 17.04.2016, 21:00

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