EM 2008 - Der Beginn einer Ära

EM 2008 - Der Beginn einer Ära

Ballbesitz mit "Tiqui-taca" - bei der EM 2008 begann eine Dominanz der spanischen Mannschaft, wie es sie nie zuvor gegeben hat. Spielerische Genies prägen das Spiel des Europameisters.

Europameister: Jahrzehntelang waren die Spanier zumeist tragisch gescheitert. Seit dem Einzug ins EM-Finale von 1984 hatte Spanien nie wieder auch nur das Halbfinale einer Europameisterschaft erreicht. 2008 aber formte Trainer Luis Aragones eine Mannschaft, die diesen Mythos spielerisch zerstörte. Seine Mannschaft brillierte mit Tempofußball, präzisem Passspiel und körperlicher Fitness und sicherte sich unangefochten den ersten Titel seit der EM 1964.

Aragones hatte Stars wie Raúl aussortiert und setzt auf spielerische Feingeister wie Andres Iniesta, Xavi oder Cesc Fàbregas. Mit Erfolg: Gegen das Kurzpassspiel der Spanier war die hochgehandelte russische Mannschaft in der Vorrunde wie im Halbfinale genauso chancenlos wie die deutsche Mannschaft im Endspiel. "Ballbesitz ist die beste Verteidigung", sagte Iniesta während des Turniers, "solange Du den Ball hast, kann Dir niemand etwas tun."

Spieler des Turniers:  Spaniens Triumph hatte viele Väter auf dem Feld. Torwart Iker Casillas, oder die Stürmer David Villa und Fernando Torres. Prägendster Spieler des Turniers war allerdings ein anderer: Xavi verkörperte wie kaum ein Zweiter einen Paradigmenwechsel im Fußball – hin zum unaufgeregten Ballbesitzfußball, der die Spanier in den kommenden Jahren noch zwei Mal (bei der WM 2010 und der EM 2012) triumphieren ließ. Seine Passgenauigkeit und hervorragende Spielübersicht machten ihn zu einem wichtigen Bestandteil von Spaniens Triumph.

Deutsche Mannschaft im Turnier: Nach dem als „Sommermärchen“ verklärten Turnier 2006 waren die Erwartungen groß. Mit einem derart intensiven und von Auf und Abs geprägten Turnierverlauf hätte aber wohl kein Fan der DFB-Elf gerechnet. In der Gruppe gab es einen Sieg gegen Polen, eine Niederlage gegen Kroatien und schließlich den wichtigen 1:0-Erfolg gegen Gastgeber Österreich durch Michael Ballacks Freistoß des Willens, der das Weiterkommen sicherte.

In der Vorschlussrunde wurde es dann endgültig kunterbunt: Gegen Portugal und die Türkei hieß es am Ende zwei Mal 3:2 – vor allem die Partie gegen die Stehaufmännchen aus der Türkei gehörte zum spannendsten, was dieses Turnier zu bieten hatte. Die Türken waren in Basel in Führung gegangen. Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose hatten daraus ein 2:1 für die deutsche Mannschaft gemacht, ehe Semih vier Minuten vor dem Ende das 2:2 gelang.

In der 90. Minute rief Philipp Lahm „Leo!“, Schweinsteiger hüpfte zur Seite und ermöglichte Lahm das wichtigste Tor seiner Karriere in der DFB-Elf. Im Finale gegen Spanien ließ dann eben jener Lahm Fernando Torres im entscheidenden Laufduell davoneilen.

Aufreger des Turniers: Beim letzten Gruppenspiel um den Einzug ins Viertelfinale ging es heiß her. Ein wenig zu heiß für den Geschmack von Schiesdrichter Manuel Mejuto González. Noch vor der Pause schickte er Bundestrainer Joachim Löw und sein österreichisches Pendant Josef Hickersberger auf die Tribüne. "I hab mit dem Jogi kaan Wickel ghobt", versuchte Hickersberger seinen Kollegen Löw und sich selbst zu entlasten. Vergeblich - ein Spiel Sperre durch die UEFA war die Folge für beide Trainer.

Stand: 17.04.2016, 21:00

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