EM 1996 - Bierhoffs Golden Goal

EM 1996 - Bierhoffs Golden Goal

Der heutige Teammanager der Nationalmannschaft hatte 1996 seinen großen Auftritt. Im Finale gegen Tschechien schoss Oliver Bierhoff das erste Golden Goal der Geschichte.

Europameister: Erstmals wird die Europameisterschaft mit 16 statt acht Teams ausgetragen – und der Ort für diese Aufstockung, er hätte passender nicht sein können: England, das Mutterland des Fußballs. Auch der Europameister hätte passender nicht sein können: Deutschland, der ewige Rivale Englands.

Bei diesem Finale schlossen sich gleich mehrere Kreise: Im Halbfinale besiegte die DFB-Elf 30 Jahre nach der WM 1966 und dem berühmten Wembley-Tor England im Elfmeterschießen, und im Finale waren die Tschechen an der Reihe. 20 Jahre zuvor hatte die DFB-Elf im EM-Finale gegen die damalige Tschechoslowakei im Elfmeterschießen durch Uli Hoeneß‘ legendären Fehlschuss Antonin Panenkas frechen Lupfer noch verloren – verspätet revanchierten sie sich nun.

Spieler des Turniers: Oliver Bierhoffs Karriere verlief nicht eben geradlinig. Der Stürmer wurde einst beim Hamburger SV aussortiert und fand erst über den Umweg Österreich und die italienische Serie A und wenige Wochen vor der Europameisterschaft den Weg in die Nationalmannschaft gelandet. Im Finale gegen Tschechien schlug dann seine große Stunde. Vier Minuten nach seiner Einwechslung schaffte Bierhoff den Ausgleich (73.).

In der Verlängerung wurde er dann zum Helden: Mit einem abgefälschten Schuss aus der Drehung erzielte er in der 95. Minute sein zweites Tor. Mit freundlicher Unterstützung des tschechichen Torhüters Petr Kouba wurde Deutschland zum dritten Mal Europameister – durch das erste Golden Goal der Geschichte. Die Regel ist längst wieder abgeschafft, aber die Erinnerung an den Schützen des ersten goldenen Tores ist nicht verblasst

Deutsche Mannschaft im Turnier: Deutschland startete mit einem relativ ungefährdeten 2:0 gegen den späteren Finalgegner Tschechen ins Turnier. Nach einem souveränen 3:0 gegen Russland und einem torlosen Remis gegen Italien zog man als Gruppensieger ins Viertelfinale ein. Dort wurde Kroatien durch einen Treffer von Libero Matthias Sammer bezwungen. Im Halbfinale dann der Elfmeterkrimi gegen England, im altehrwürdigen Wembley-Stadion. Nach 120 Minuten stand es durch Tore von Alan Shearer (3.) und Stefan Kuntz (16.) 1:1. Im Elfmeterschießen hielt Andreas Köpke gegen Gareth Southgate. Anschließend sorgte Andreas Möller für die Entscheidung.

Im Finale liegen die stark ersatzgeschwächten Deutschen – Andy Möller und Stefan Reuter sind gesperrt, Jürgen Kohler, Mario Basler, Fredi Bobic und Steffen Freund verletzt – zunächst hinten. Bis Oliver Bierhoff kommt und sich einen Platz in den ewigen Jagdgründen der EM sichert.

Aufreger des Turniers: Der türkische Innenverteidiger Alpay Özalan wurde mit einem Fair-Play-Preis der UEFA ausgezeichnet, weil er im Spiel gegen Kroatien als letzter Mann in der Abwehr Goran Vlaovic gewähren ließ und nicht die Notbremse zog. Vlaović erzielte daraufhin das einzige und siegbringende Tor für Kroatien.

"Fairplayer" Özalan wurde danach in türkischen Medien stark kritisiert - nach deren Ansicht wäre ein Foul und die damit verbundene Verhinderung der Torchance besser gewesen.

Stand: 17.04.2016, 21:00

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