Christoph Daum neuer Nationaltrainer Rumäniens

Iordanescu-Nachfolger

Christoph Daum neuer Nationaltrainer Rumäniens

Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM hat Rumäniens Fußballverband Christoph Daum als neuen Nationaltrainer mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet. Dessen Verpflichtung sorgt nicht nur für Beifall.

Christoph Daum kehrt auf die große Fußball-Bühne zurück. Nach zweieinhalb Jahren ohne Trainer-Job heuert der 62-Jährige als Nationalcoach in Rumänien an. Der einstige Meistermacher des VfB Stuttgart wurde am Donnerstagabend (07.07.2016) in Bukarest vorgestellt. "Es ist eine Ehre, das Beste für den rumänischen Fußball zu geben", sagte Daum.

Daum tritt die Nachfolge des mit seiner Auswahl sang- und klanglos in der EM-Vorrunde in Frankreich gescheiterten Anghel Iordanescu an. Die neue Aufgabe des Deutschen ist klar umrissen: Daum soll Rumänien zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland führen - es wäre die erste WM-Teilnahme des Landes seit 20 Jahren. "Das Einzige, was zählt, ist der Erfolg des rumänischen Fußballs. Ich erwarte, das jeder das Optimum aus sich herausholt", sagte Daum.

Lob von Löw und Klinsmann

"Es ist eine gute Entscheidung für Christoph Daum und eine gute Entscheidung für Rumänien", sagte Bundestrainer Joachim Löw wenige Stunden vor dem deutschen EM-Halbfinale gegen Frankreich. Und lobte seinen Landsmann: "Er ist ein Trainer, der jeder Mannschaft ungeahnte Energien geben kann. Zwischen uns gibt es eine besondere Beziehung, weil ich oft für die gleiche Mannschaft wie er gearbeitet habe, zum Beispiel VfB Stuttgart oder Austria Wien."

Auch der deutsche US-Coach Jürgen Klinsmann sieht den Schritt positiv: "Er ist ein Trainer, den ich immer bewundert habe. Er hat ein großes Wissen, ist sehr erfahren und innovativ. Er ist immer offen für neue Herausforderungen."

Letzte Erfolge liegen etwas zurück

Der Deutsche, der seit gut einer Woche mit der rumänischen Verbandsspitze verhandelt hatte, ist der Wunschtrainer von Verbandschef Razvan Burleanu. Nachdem das 14-köpfige FRF-Exekutivkomitee Daum am Donnerstag als neuen Auswahltrainer vorgeschlagen hatte, folgte ihm der Vorstand. Sein Debüt wird Daum am 4. September gegen Montenegro in der WM-Qualifikation feiern und feiert dann auch eine generelle Premiere: Noch nie war er trotz seiner langen Karriere Trainer einer Nationalmannschaft.

Denn Daums Erfolge als Vereinscoach liegen schon etwas zurück: 1992 führte er den VfB Stuttgart zur deutschen Meisterschaft. Mit Besiktas Istanbul wurde er Meister (1995) und Pokalsieger (1994) in der Türkei, mit Austria Wien holte er 2003 ebenfalls diese beiden Trophäen (beide 2003). Fenerbahce Istanbul führte er 2004 und 2005 zu Meisterehren. Bei seinen letzten und kurzen Stationen (Eintracht Frankfurt, FC Brügge, Bursaspor) blieb er allerdings erfolglos.

Camataru: "Nicht der Richtige"

Doch Daum hat nicht nur Fürsprecher. Rumäniens ehemaliger Starspieler Adrian Mutu sagte: "Er wird es schwer haben. Ich will gar nicht daran denken, was nach dem ersten verlorenen Spiel passiert." Ex-Nationalspieler Rodion Camataru ergänzte: "Er ist derzeit nicht der Richtige. Wir hätten einen Trainer gebraucht, der Rumäniens Fußball gut kennt." Dieselbe Ansicht vertritt Ex-Stürmer Claudiu Vaiscovici: "Wenn er keine neun Punkte in den ersten drei Spielen schafft, erlebt er das Frühjahr nicht mehr bei uns, denn die ersten drei Partien sind leicht."

Fehlende Erfahrung als Handicap?

Auch Daums fehlende Erfahrung als Auswahltrainer wird kritisch gesehen. Der frühere Nationalspieler und heutige Liga-Trainer Cornel Dinu monierte, der Deutsche verstehe nichts vom Training eines Nationalteams. Und ein "spezielles Handicap" sei, dass er sich nicht mit den "tristen Realitäten im rumänischen Fußball" auskenne. "Meiner Meinung nach wird es sehr schwer sein, fast unmöglich, dass ihm (Daum) die WM-Qualifikation gelingt", sagte Dinu. Als größte Rivalen muss sich Rumänien in der WM-Qualifikation mit EM-Viertelfinalist Polen und Ex-Europameister Dänemark auseinandersetzen.

Stand: 08.07.2016, 12:00

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