Wales rumpelt sich ins Viertelfinale

UEFA Euro 2016, Achtelfinale: Wales - Nordirland 1:0

Wales rumpelt sich ins Viertelfinale

Von Olaf Jansen

Fußballerisch war's mäßig, am Ende aber erfolgreich: Wales hat sich mit einem echten Arbeitssieg ins Viertelfinale der EM vorgekämpft. Die Entscheidung brachte bezeichnenderweise ein Eigentor.

Wales ist mit einem glücklichen Arbeitssieg der größte Triumph in der Fußballgeschichte des Landes gelungen. Die Waliser besiegten Nordirland im zweiten EM-Achtelfinale in Paris mit 1:0 (0:0) und zogen somit ins Viertelfinale des Turniers ein. Allerdings zeigten beide Teams in ihrem K.o.-Spiel derart wenig ansehnlichen Fußball, dass die Kritik am EM-Modus und der Aufstockung der Teilnehmerteams wohl kaum verstummen wird.

"Wir können das, was wir erreicht haben, sehr genießen", sagte Wales-Trainer Chris Coleman, der unmittelbar nach dem Spiel seinem Kollegen Michael O'Neill ein paar tröstende Worte zusprach. Auch Gareth Bale war überglücklich: "Wir wussten, dass es ein hässliches Spiel werden würde, aber jetzt sind wir eine Runde weiter. Wir können es noch gar nicht realisieren." Der nordirische Kapitän Steven Davis war dagegen "platt und traurig". Die EM-Teilnahme sei aber trotzdem eine großartige Erfahrung gewesen.

Viele Mängel bei beiden Teams

Die Partie zwischen den beiden Überraschungs-Achtelfinalisten begann vor 44.000 Zuschauern im Pariser Prinzenpark auf niedrigem Niveau. Wales um Superstar Gareth Bale war zwar um Spielkontrolle bemüht, hatte aber sichtlich Probleme, die tief stehenden Nordiren auseinander zu spielen. Zu ungenau, zuweilen schlampig liefen die Pässe im letzten Viertel, so dass die kantigen nordirischen Abwehrspieler immer wieder einen Fuß dazwischen bekamen.

Damit nicht genug: Die Waliser, die sich in ihrer Vorrundengruppe als Erster immerhin vor England platziert hatten, erwiesen sich in der eigenen Defensive alles andere als sattelfest und mussten sogar die erste Chance des Spiels dem Gegner überlassen: In der 10. Minute wurde Stuart Dallas auf halblinker Position 14 Meter vor dem Tor freigespielt, scheiterte mit seinem Linksschuss aber an Keeper Wayne Hennessey.

Wales - nicht ausreichend technische Mittel

Den Walisern fehlten sichtlich die technischen und spielerischen Mittel, um die im Alltag meist in unterklassigen Ligen agierenden Nordiren so richtig zu bedrängen. So musste ein Standard her, um erstmals für Gefahr zu sorgen: Nach Kopfballvorlage von Sam Vokes drückte Aaron Ramsey die Kugel in der 19. Minute über die Linie des nordirischen Kastens - Schiri Martin Atkinson aus England hatte aber zurecht auf Abseits entschieden.

Auf der anderen Seite sendete Jamie Ward nochmal einen satten Fernschuss in Richtung walisisches Tor, zielte aber ein wenig zu hoch. Das war's schon mit Torszenen im ersten Abschnitt, der mit zunehmender Dauer immer langweiliger, weil aktionsarmer wurde. Zuweilen klang von den Tribünen der nordirische Kultsong "Will Grigg is on fire" beinahe verzweifelt - wohl auf der Suche nach irgendeinem Stimmungsfaktor.

Bale kommt nicht in Schwung

Als nach Wiederanpfiff zunächst alles danach aussah, als sollte das Niveau der Partie nochmals sinken, schlug Wales' blondierter Stürmer Ramsey einen schönen Diagonalball in den Lauf von Vokes, den dieser aus 14 Metern nur knapp am Kasten der Nordiren vorbei setzte (53.).

Rätselhaft blieb aber der sehr schwache Auftritt von Real-Madrid-Star Bale, der auch im zweiten Abschnitt zunächst kein Faktor wurde. Bale fehlte gegen die engmaschige gegnerische Abwehr sicherlich der Raum für seine Läufe, doch dass er so gar nicht auffällig wurde - erstaunlich. Also musste ein Fehler von Schiri Atkinson her, der 27 Meter vor dem Tor auf eine Schwalbe von Bale hereinfiel, um dem Linksfuß die erste Torchance zu ermöglichen. Tatsächlich flog Bales Freistoß gefährlich Richtung Kasten, doch Nordirlands Keeper Michael McGovern tauchte rechtzeitig ab, um die Kugel zu parieren (60.).

Eigentor bringt Wales den Sieg

Umso überraschender fiel in der 75. Minute das spielentscheidende Tor für die Waliser durch ein Eigentor des Gegners: Bale flankte von links und am Fünfmeterraum grätschte Gareth McAuley den Ball unglücklich ins eigene Tor. Ein Treffer, der am Ende bezeichnend war für diese Partie auf schwachem Niveau. Der den Walisern aber auch zu einem triumphalen Einzug ins Viertelfinale reichte, den ihnen vor dem Turnier wohl kaum jemand zugetraut hatte.

Kapitän Williams bangt um Viertelfinal-Einsatz

Ein Wermutstropfen gab es dennoch aus Sicht der Waliser: Kapitän und Abwehrchef Ashley Williams verletzte sich an der linken Schulter und fällt womöglich fürs EM-Viertelfinale womöglich aus. "Wir müssen jetzt abwarten, die nächsten 24, 48 Stunden werden zeigen, wie schwer die Verletzung ist", sagte Trainer Chris Coleman nach der Begegnung am Samstag in Paris. Noch sei nicht klar, ob Williams lediglich eine Prellung erlitten habe, oder ob die Bänder oder Muskeln in der Schulter schwerer verletzt seien.

Fußball · Europameisterschaft 2016

Samstag, 25.06.2016 | 18.00 Uhr

Flagge Wales

Wales

Hennessey – Gunter, Chester, A. Williams, Davies, Taylor – Ramsey, Ledley (63. J. Williams), Allen – Vokes (55. Robson-Kanu), Bale

1
Flagge Nordirland

Nordirland

McGovern – Hughes, McAuley (84. Magennis), Cathcart, J. Evans – Norwood (79. McGinn) – J. Ward (69. Washington), C. Evans, Davis, Dallas – K. Lafferty

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 McAuley (75./Eigentor)

Strafen:

  • gelbe Karte Dallas (2 )
  • gelbe Karte Taylor (1 )
  • gelbe Karte Davis (1 )
  • gelbe Karte Ramsey (1 )

Zuschauer:

  • 44.342

Schiedsrichter:

  • Martin Atkinson (England)

Stand: Samstag, 25.06.2016, 20:24 Uhr

Wappen Wales

Wales

Wappen Nordirland

Nordirland

Tore 1 0
Schüsse aufs Tor 1 3
Ecken 0 6
Abseits 2 1
gewonnene Zweikämpfe 94 94
verlorene Zweikämpfe 94 94
gewonnene Zweikämpfe 50 % 50 %
Fouls 8 19
Ballkontakte 561 454
Ballbesitz 55,27 % 44,73 %
Fehlpässe 56 53
Passquote 82,77 % 77,16 %
Flanken 12 13
Alter im Durchschnitt 27 Jahre 29 Jahre

red/dpa/sid | Stand: 25.06.2016, 19:45

Darstellung: