Italiens Abwehr steht - aber wie lange noch?

Italiens Defensive umringt Emil Forsberg.

UEFA Euro 2016, Gruppe E: Italien - Schweden 1:0

Italiens Abwehr steht - aber wie lange noch?

Von Chaled Nahar (Toulouse)

Italien hat mit seiner extrem defensiven Ausrichtung auch gegen Schweden gewonnen und ist ins Achtelfinale eingezogen. Italien wird schwer zu schlagen sein - hat aber eine entscheidende Schwachstelle.

Fassungslos blickten die Schweden auf ihre feiernden Gegner. Italien hatte offensiv an dem Spiel rund 80 Minuten lang fast nicht teilgenommen, am Ende standen aber weitere drei Punkte und der Einzug ins Achtelfinale. "Einige hätten gedacht, dass wir in der Vorrunde ausscheiden. Das ist jetzt eine große Befriedigung", sagte Italiens Trainer Antonio Conte. "Ich hoffe, dass uns das Selbstvertrauen gibt. Wir hatten platte Reifen - aber die werden jetzt Spiel für Spiel aufgepumpt."

Italienische Dreierkette lässt Ibrahimovic abprallen

Die Italiener verließen sich auf das, was sie schon gegen Belgien stark gemacht hatte. Die gefürchtete Dreier-Abwehr mit Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini verstärkte Trainer Conte bei Ballbesitz der Schweden wie gewohnt mit den beiden Außen Antonio Candreva und Alessandro Florenzi zu einer Fünferkette. Daniele De Rossi im Zentrum zementierte diesen Defensivverbund weiter.

Schweden, in einem 4-4-2 angetreten, ereilte so fast dasselbe Schicksal wie die Belgier. Bis zum Strafraum mühte sich die Mannschaft von Trainer Erik Hamrén ab, an den bärenstarken Verteidigern Italiens prallten aber selbst Zlatan Ibrahimovic und John Guidetti ab. Schweden wirkte überlegen, aber gleichzeitig irgendwie chancenlos.

Einzig das frühe Gegentor blieb den Schweden im Vergleich zu Belgien erspart. Denn Italien kam offensiv diesmal noch weniger zum Zuge, weil Schweden mit zwei Viererketten im Gegensatz zu den Belgiern eine stark geordnete Defensive aufboten. "Damit haben wir Probleme gehabt", gab Italiens Torschütze Éder zu.

Italien wartet geduldig auf den einen Moment

Èder feiert sein Tor gegen Schweden

Èder feiert sein Tor gegen Schweden

Die Gruppenkonstellation beeinflusste das Spiel merklich. Schweden, mit nur einem Punkt aus dem Spiel gegen Irland gestartet, musste mehr riskieren. Italien hatte dagegen bereits Belgien geschlagen und konnte in Ruhe die richtigen Momente abwarten.

Und die sollten kommen: In der 82. Minute hatte Marco Parolo eine Flanke von Florenzi noch an die Latte geköpft, ehe der große Auftritt von Éder kam. Chiellini schleuderte einen Einwurf auf die linke Seite, Simone Zaza holten den Ball per Kopf für Éder auf den Boden, der vier Schweden stehen ließ und den Siegtreffer erzielte. "Details können im modernen Fußball einen großen Unterschied machen", sagte Éder. "Natürlich arbeiten wir auch an Einwürfen."

Italien liegt mit seiner defensiven Taktik bislang voll im Turniertrend - und hat sein System perfektioniert. Im gesamten Spiel gab es keinen schwedischen Torschuss, der auf das Gehäuse von Gianluigi Buffon kam. "Wir haben uns verbessert, Gigi musste keinen einzigen Ball halten", sagte Conte sichtlich zufrieden. Italiens Gegner können derzeit nur auf individuelle Fehler hoffen.

Contes größtes Problem sind drohende Sperren

Italiens Trainer Antonio Conte

Italiens Trainer Antonio Conte

Die wenigen Schwächen der Italiener liegen im über weite Strecken völlig ideenlosen Angriffsspiel und vor allem in einem weiteren Detail: Wenn die italienische Mannschaft in der Rückwärtsbewegung mal in Verlegenheit kommt, verhinderten die Spieler ein Gegentor bislang meist mit taktischen Fouls, die noch teuer werden können.

Vier Gelbe Karten gab es gegen Belgien, zwei weitere kamen gegen Schweden hinzu. Mit Bonucci, De Rossi und Chiellini sind drei Säulen des Defensivsystems nun vorbelastet, spätestens nach dem Achtelfinale dürfte die Mannschaft Probleme mit Sperren bekommen. Vor allem in der Dreierformation in der Verteidigung ist kaum gleichwertiger Ersatz zu finden.

Das Tor der Italiener fiel für die Vorbelasteten zu spät, um sich noch Sperren für das wertlose letzte Gruppenspiel abzuholen - Chiellinis Zeitspiel wurde Buffon zur Last gelegt, der nun auch Gelb hat. "Wir haben diese Gelben Karten", sagte Trainer Conte: "Damit müssen wir jetzt umgehen."

Statistik

Fußball · Europameisterschaft · 2. Spieltag 2016

Freitag, 17.06.2016 | 15.00 Uhr

Flagge Italien

Italien

Buffon – Barzagli, Bonucci, Chiellini – Candreva, Parolo, De Rossi (74. Motta), Giaccherini, Florenzi (85. Sturaro) – Pellè (60. Zaza), Martins

1
Flagge Schweden

Schweden

Isaksson – Lindelöf, Johansson, Granqvist, Olsson – Larsson, Ekdal (79. Lewicki), Källström, Forsberg (79. Durmaz) – Guidetti (85. Berg), Ibrahimovic

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Martins (88.)

Strafen:

  • gelbe Karte De Rossi (1 )
  • gelbe Karte Olsson (1 )
  • gelbe Karte Buffon (1 )

Zuschauer:

  • 29.600

Schiedsrichter:

  • Viktor Kassai (Ungarn)

Stand der Statistik: Freitag, 17.06.2016, 17:00 Uhr

Stand: 17.06.2016, 18:31

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