U21-EM - das Versprechen Levin Öztunali

Levin Öztunali

Diskrepanz zwischen DFB-Auswahl und Verein

U21-EM - das Versprechen Levin Öztunali

Von Marcus Bark

In der U21 ist Levin Öztunali eine feste Größe, im Vereinsfußball bleibt er nur ein Versprechen. Bevor der Mainzer ohne die Abwechslung in der Nachwuchsauswahl auskommen muss, will er seinen dritten Titel mit dem DFB gewinnen.

Zum Ende der ersten Halbzeit drehte Levin Öztunali nochmal auf. Perfekte Ballannahme, schnelle Drehung an einem Gegner vorbei, Abschluss: Mit den Fingerspitzen lenkte Serbiens Torwart Boris Radunovic den Ball an die Latte. Wenig später ergab sich für Öztunali eine weitere Möglichkeit zu einem Treffer. Er holte einen Freistoß heraus, den er aus gut 20 Metern selbst schoss - deutlich über das Tor.

So blieb der Spieler mit der Rückennummer 7 bei sieben Toren für die deutsche U21-Nationalmannschaft stehen. Das ist eine stolze Bilanz bei 27 Einsätzen. Nur einer verzeichnet mehr im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Fabian Ernst kommt auf 31 Spiele für die U21.

Maximal 30 Einsätze

Der Rekord wird Ernst vorerst bleiben. Öztunali wird nach der Europameisterschaft zu alt für die Auswahl sein. Er kann auf maximal 30 Einsätze kommen. Dann müsste Öztunali im letzten Gruppenspiel gegen Österreich, in einem möglichen Halbfinale und Finale spielen. Dass die deutsche Mannschaft auf einem guten Weg ist, den Titel zu verteidigen, zeigte sie beim 6:1-Sieg gegen Serbien.

Öztunali war schon 2017 dabei, als Deutschland nach einem Finalsieg gegen Spanien den Titel holte. Drei Jahre zuvor war er mit der U19 Europameister geworden. Levin Öztunali ist eines der erfolgreichsten Talente im Bereich des DFB.

Talent ohne Statusänderung

Sein Problem ist: Er gilt inzwischen als 23 Jahre altes Talent, das schon sehr lange auf eine Statusänderung wartet. In der Bundesliga läuft es nämlich deutlich schlechter für Öztunali, den Offensivspieler, der sehr flexibel um einen Stoßstürmer herum einzusetzen ist. Sieben Treffer schoss Öztunali auch in der Bundesliga, allerdings in 126 Spielen für Bayer Leverkusen, Werder Bremen und den 1. FSV Mainz 05, bei dem er seit 2016 unter Vertrag steht.

In der Bundesligasaison 2018/19 kam kein Tor hinzu, gerade mal eine Vorlage leistete Öztunali. Er kam nur auf 15 Einsätze, vier davon über 90 Minuten, manchmal hatte Trainer Sandro Schwarz nicht mal einen Platz im Kader für ihn. Im Fachmagazin "kicker" stand für ihn eine Durchschnittsnote von 4,12 zu Buche - schlechter als all seine Mainzer Kollegen.

Levin Öztunali ist ein Versprechen, das immer noch nicht eingelöst worden ist. Die einzige Konstante in seinem Fußballerleben ist, dass bei jeder Gelegenheit erwähnt wird, dass er der Enkel von Uwe Seeler ist.

Warum läuft es im Nationaltrikot so oft besser als im Verein? ARD-Experte Thomas Broich hat keine genaue Erklärung, aber eine Vermutung: "Vielleicht ist es die andere Art, wie bei der U21 Fußball gespielt wird." Dort werde Wert auf "Dominanz und Ästhetik" gelegt, auf ein Spiel mit einem oder zwei Ballkontakten. Das komme Öztunali entgegen. Die Europameisterschaft sei daher eine "willkommene Abwechslung".

Wechsel liegt nahe

Öztunalis Arbeitsvertrag in Mainz ist noch bis 30. Juni 2021 gültig. Er stehe bei der EM im "Schaufenster", heißt es in verschiedenen Berichten, ein Abgang liegt aufgrund der vergangenen Saison und der Vertragssituation nahe. Ein Interessent soll der FC Augsburg sein. Dort spielt schon Marco Richter, dem Öztunali beim 6:1 gegen Serbien mit einem Traumpass das 1:0 auflegte. Ein Pass, der daran erinnerte, welch großes Versprechen Levin Öztunali ist.

Stand: 21.06.2019, 10:50

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