Die wenigen Glücksmomente des Mo Dahoud

Mahmoud Dahoud beim Schuss und trifft zum 1:0 in Bournemouth gegen England.

U21- Nationalmannschaft

Die wenigen Glücksmomente des Mo Dahoud

Von Jens Mickler

Mahmoud Dahoud ist eine zentrale Figur im Team der deutschen U21-Nationalmannschaft. Seine Auftritte dort stehen im krassen Gegensatz zu denen im Verein. Bei Borussia Dortmund kommt das einst große Talent nicht zum Zuge.

In Bournemouth, an der Südküste Englands, blitzten sie jetzt wieder auf, die großen Fähigkeiten des Mahmoud, genannt "Mo", Dahoud. Elegante Annahme mit der Brust, kurzes Abtropfen des Balles und anschließend ein trockener Schuss flach ins Toreck - drin. Mit seinem Treffer in England ebnete Dahoud den ersten Sieg einer deutschen U21-Nationalmannschaft überhaupt auf der Insel.

Wichtige Rolle bei der U21

Dahoud war am Dienstag (26.03.2019) im zentralen Mittelfeld der Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz Dreh- und Angelpunkt und lieferte eine starke Vorstellung. Auch für die anstehende U21-Europameisterschaft im Juni in Italien und San Marino wird dem Mittelfeldspieler eine wichtige Rolle zugedacht.

Die Auftritte in der DFB-Auswahl stehen derzeit im krassen Gegensatz zu seiner Rolle im Verein. Bei Borussia Dortmund kommt der 23-Jährige selten über die Rolle des Bankdrückers hinaus. Dahoud war im Sommer 2017 von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund gewechselt. Der junge Mann mit syrischen Eltern galt damals als eines der größten Talente im deutschen Fußball, immer wieder wurde sein Name auch im Zusammenhang mit der A-Nationalmannschaft genannt.

Favre, der einstige Förderer

Sein größter Förderer hieß Lucien Favre, der den damals 17-Jährigen in Mönchengladbach ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen hatte. Dahoud eroberte unter Favre die Bundesliga im Sturm und war aus der "Fohlen"-Elf nicht mehr wegzudenken.

Deutsche U21 gewinnt 2:1 in England

Sportschau 26.03.2019 00:44 Min. Verfügbar bis 27.03.2020 ARD

Der Wechsel nach Dortmund sollte der nächste Schritt auf der Karriereleiter des Jungprofis sein. Doch nach oben ging es für ihn in Dortmund nicht mehr. Schon die erste Saison unter Peter Bosz und Peter Stöger lief unbefriedigend. Dahoud kam beim BVB lediglich auf zwölf Startelfeinsätze. Aber man wollte ihm Zeit geben. "Ich bin zu 100 Prozent überzeugt: Mo wird seinen Weg bei uns machen", sagte beispielsweise BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor einiger Zeit.

Erstes Saisontor und dann wenig

Die Wochen und Monate zogen ins Land, von der A-Nationalmannschaft spricht niemand mehr, wenn der Name Dahoud fällt. Nun hätte man meinen können, dass es mit der Amtsübernahme seines alten Förderers Favre in Dortmund wieder aufwärts gehen würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Zwar besorgte Dahoud das erste Saisontor des BVB, als er im Auftaktspiel gegen RB Leipzig zum 1:1-Ausgleich (Endstand 4:1) traf.

Mahmoud Dahoud (li.) mit Paco Alcacer und Axel Witsel

Beim BVB nur in der Nebenrolle: Mo Dahoud

Allein, es sollte seine einzige Torbeteiligung in nur zehn Bundesliga-Einsätzen dieser Spielzeit bleiben. Selbst als Favre Dahouds Konkurrenten im defensiven Mittelfeld, Julian Weigl, in die Innenverteidigung beorderte, kam dieser nicht zum Zuge. Zu dominant traten die Neueinkäufe Axel Witsel und Thomas Delaney auf, als dass Dahoud eine Chance gehabt hätte, an ihnen vorbeizukommen.

U21-EM als Bühne

Vielleicht wäre es eine Option, das einstmals große Talent im Mittelfeld auf die Achter-Position zu stellen. Doch auch dort ist die Konkurrenz mit Mario Götze und Marco Reus zu groß, auch im offensiveren Mittelfeld hat Favre keine Verwendung für den ehemaligen Liebling. Bis ins Jahr 2022 läuft Dahouds Vertrag bei den Dortmundern - ein lange Zeit. Im Juni in Italien bei der Europameisterschaft kann sich Dahoud im Dress der geschätzten U21-Auswahl wieder ins Rampenlicht spielen. Vielleicht hilft ihm das für seine schwierige Situation beim BVB, vielleicht zeigen dann aber auch andere Klubs an ihm Interesse.

Stand: 27.03.2019, 12:08

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