Mysteriöser Ausstieg von Rohan Dennis bei der Tour

Rohan Dennis

Zeitfahrweltmeister gibt auf

Mysteriöser Ausstieg von Rohan Dennis bei der Tour

Von Michael Ostermann (Bagnères-de-Bigorre)

Zeitfahrweltmeister Rohan Dennis steigt auf der zwölften Etappe der Tour de France vom Rad und niemand weiß, warum. Sein Team ist ratlos, der Fahrer erklärt nichts. Und beim Zeitfahren am Freitag (19.07.19) fehlt ein Topfavorit.

Rohan Dennis war als erster Fahrer im Ziel der 12. Etappe der Tour de France in Bagnères de Bigorre. Doch zu feiern gab es deswegen nichts für das Team Bahrain-Merida. Der Weltmeister im Zeitfahren war in einem Teamfahrzeug dort angekommen. Einen Tag vor dem einzigen Einzelzeitfahren der diesjährigen Tour, für das der Australier als Topfavorit galt. Nun aber wird Dennis gar nicht am Start stehen. Aber das Warum blieb am Donnerstagabend unklar.

Keine körperlichen Ursachen

Als Gorazd Štangelj, der Sportdirektor des Bahrain-Merida-Teams, in Bagnères de Bigorre nach der Etappe eine improvisierte Pressekonferenz gab, stand der Slowene mit dem Rücken zu einer Mauer umringt von einem Pulk Journalisten, von denen sich einer sogar auf die Mauer gelegt hatte, um sein Mikrofon in der Nähe zu haben.

Nur viel Erhellendes sprach Štangelj dort nicht hinein. "Ich kann mit Sicherheit sagen, dass es nicht an seiner körperlichen Verfassung gelegen hat", erklärte Štangelj. Aber was genau Dennis bewogen hatte, vom Rad zu steigen konnte er nicht erklären: "Ich weiß es nicht", sagte er.

12. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 18.07.2019 03:49 Min. Verfügbar bis 18.07.2020 Das Erste

Dennis erklärt nichts

An der Verpflegungszone nach etwa 136 Kilometern hatte der 29-Jährige beschlossen, das Rennen aufzugeben. Štangelj berichtete, er habe Dennis' Rad dort stehen sehen, aber nicht anhalten können, um etwas zu erfahren. Deswegen habe er per Funk nachgefragt, aber Dennis habe nichts sagen wollen. Der Radprofi selbst, der etwa eine Stunde vor dem Feld im Ziel war, äußerte sich dort auch nicht.

Später meldete er sich mit einer schriftlichen Erklärung, ohne jedoch etwas zu erklären: “Ich bin sehr enttäuscht darüber, das Rennen an diesem Punkt zu verlassen", ließ Dennis mitteilen. "Das Zeitfahren war ein großes Ziel für mich und das Team, aber angesichts meiner derzeitigen Gefühlslage war es die richtige Entscheidung aufzuhören." Er wünsche seinen Teamkollegen für den Rest der Tour alles Gute.

Streit am Teambus?

Das Team hatte noch während des Rennens einen Tweet abgesetzt, der die Sache eher noch verwirrender machte. "Das Wohlergehen unserer Fahrer hat oberste Priorität, wir werden eine Untersuchung einleiten, und uns erst wieder äußern, wenn wir wissen, was Rohan Dennis passiert ist", hieß es darin. Das jedoch war mit der improvisierten Pressekonferenz an der Mauer hinfällig.

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Der TV-Sender Eurosport behauptete unterdessen via Twitter, einer ihrer Reporter habe am Morgen am Start einen Streit zwischen Dennis und der Sportlichen Leitung beobachtet. So weit er wisse, habe es keine Auseinandersetzung gegeben, erklärte Štangelj jedoch. Eine andere Theorie lautete, Dennis sei empört gewesen, weil er Flaschen für seine Teamkollegen habe holen müssen. Auch das dementierte der Sportdirektor. "Ich habe ihn dazu nicht aufgefordert. Im Gegenteil: Heute sollte er sich für das Zeitfahren morgen schonen."

Falsches Equipment, Doping?

Weniger eindeutig äußerte sich Štangelj als er gefragt wurde, ob Dennis, der seit Beginn der Saison für Bahrain-Merida fährt, in der Vergangenheit mentale Probleme gehabt habe und schwierig im Umgang sei. "Das ist schwierig zu beantworten", sagte der Sportdirektor. Bisher habe man immer eine Lösung gefunden, wenn es Probleme gegeben habe. "Er will immer alles zu 100 Prozent, aber das geht nicht immer." Das legt nahe, dass Dennis möglicherweise mit seinem Zeitfahr-Equipment nicht zufrieden gewesen ist. Aber auch das, so Štangelj, sei seines Wissens nicht der Fall.

Ob denn eine positive Dopingprobe der Grund sein könnte, wollte einer der Reporter wissen. Schließlich sei man ja bei der Tour de France, da müsse man ja immer mit dem Schlimmsten rechnen - ob Štangelj deswegen nichts sagen könne. "Legen Sie mir nicht solche Sachen in den Mund", schimpfte der Slowene darauf hin, "ich nehme hier die ganze Zeit Stellung."

Konsequenzen unklar

Welche Konsequenzen der mysteriöse Ausstieg des Zeitfahrweltmeisters haben wird, ließ Štangelj jedoch tatsächlich offen. "Wir werden die Dinge jetzt klären und dann darüber nachdenken, was das für die Zukunft bedeutet." Für die unmittelbare Zukunft ist jedoch klar. Dennis wird nicht am Zeitfahren am Freitag teilnehmen. "Ich bin sehr enttäuscht", sagt Štangelj, "denn wir haben dort Großes von ihm erwartet."

Stand: 19.07.2019, 10:44

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