Tour de France: Ein Zeitfahren fordert seine Opfer

Maximilian Schachmann

Stürze und Zeitverluste

Tour de France: Ein Zeitfahren fordert seine Opfer

Von Michael Ostermann (Pau)

Der Franzose Julian Alaphilippe baut beim Zeitfahren der 13. Etappe der Tour de France in Pau überraschend seinen Vorsprung aus. Maximilian Schachmann und Wout Van Aert stürzen schwer. Aber der Kampf gegen die Uhr fordert noch andere Opfer.

Das Besondere an der Tour de France ist, dass dort manchmal auf engstem Raum Dinge gleichzeitig geschehen, die nicht zusammenpassen. Im Zielbereich des Einzelzeitfahrens der 13. Etappe in Pau saßen die Podiumsdamen vor einem Camper, frisierten ihre Haare mit dem Lockenstab und schminkten sich. Knapp zwei Meter daneben saß ein schmaler junger Mann mit blassem, schmerzverzerrtem Gesicht, den Tränen nahe.

Schachmann und Van Aert in derselben Kurve

Nachdem die Tourärzte ihn im Ziel erstversorgt hatten, schleppte sich der Berliner Maximilian Schachmann zu einem Krankenwagen, der ihn mit Blaulicht zum Röntgenwagen der Tour de France brachte. "Das Problem ist die linke Hand", sagte Schachmann noch, der nur mit Mühe auf dem Fahrrad das Ziel erreicht hatte. Wenig später kam die Diagnose, die das Tour-Aus bedeutet: Mittelhandbruch.

Schachmann war eines der Opfer dieses Zeitfahrens, aber nicht das einzige. Schlimm erwischte es auch den Belgier Wout Van Aert, der in der gleichen Rechtskurve wie der deutsche Radprofi gestürzt war. Während Schachmann die Kurve zu schnell angefahren und dadurch nicht ganz herumgekommen war, hatte Van Aert die inneren Begrenzungsgitter touchiert und war dadurch fürchterlich gestürzt. Eine stark blutende Fleischwunde war sofort zu erkennen. Minutenlang wurde der Belgier auf der Strecke behandelt, bevor man ihn schließlich abtransportierte.

13. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 19.07.2019 03:22 Min. Verfügbar bis 19.07.2020 Das Erste

Zeitverlust für Egan Bernal

Schachmann und Van Aert waren die Opfer, die es am schlimmsten erwischt hatte. Doch dieses Zeitfahren hatte auch zu Verwerfungen geführt, die sich nicht in offensichtlichen Schmerzen manifestierten, sondern in Zeitabständen. Der Kolumbianer Nairo Quintana gehörte dazu, der fast zwei Minuten verlor auf den Sieger Julian Alaphilippe. Noch langsamer war der Franzose Romain Bardet, dessen Formschwäche jedoch niemand mehr erstaunte.

Dass auch Egan Bernal mehr als anderthalb Minuten verlor, war dagegen eine Überraschung. Die Kapitänsfrage beim Team Ineos dürfte damit erstmal geklärt sein. Bernal fiel von Rang drei auf Rang fünf der Gesamtwertung zurück. Vorjahressieger Geraint Thomas bleibt Zweiter, aber auch er konnte mit dem Ergebnis kaum zufrieden sein. "Ich habe mich nicht großartig gefühlt", sagte Thomas, der den Kampf gegen die Uhr als Zweiter beendete, 14 Sekunden hinter Alaphilippe.

Alaphilippe verblüfft

Julian Alaphilippe wird jubelnd empfangen

Julian Alaphilippe wird jubelnd empfangen

"Julian ist jetzt definitiv eine Bedrohung in der Gesamtwertung", gab der Brite noch zu bedenken. Alaphilippe lässt die Konkurrenten staunen. Dass der Franzose ein passabler Zeitfahrer ist, war bekannt, und man durfte durchaus damit rechnen, dass er das Gelbe Trikot würde verteidigen können. Aber dass er seinen Vorsprung im Klassement noch ausbauen würde, war dann doch mehr als verblüffend.

"Natürlich auf diesem Kurs, in meiner Form, wusste ich, dass ich ein gutes Zeitfahren absolvieren kann", sagte Alaphilippe, stufte die Bestzeit aber selbst als unglaublich ein. Dem französischen Publikum war das in Pau jedoch gänzlich egal: "Julian, Julian, Julian", riefen die Menschen, als Alaphilippe auf dem Podium für den Etappensieg geehrt und das Gelbe Trikot übergestreift bekam.

13. Etappe - die Stimmen Sportschau 19.07.2019 03:37 Min. Verfügbar bis 19.07.2020 Das Erste

Teamkollege Mas will Gelb bis Paris verteidigen

Zum Schluss stand er dort dann auch noch neben Bernard Hinault, dem bislang letzten französischen Toursieger, was die Fans nur allzu gerne als Zeichen verstanden wissen wollten, darben sie doch seit 1985 auf den Gesamtsieg eines Einheimischen. Alaphilippe aber betonte noch einmal, dass er die Dinge von Tag zu Tag angehen werde.

Sein Teamkollege Enric Mas war da schon forscher. "Ich denke wir werden das Gelbe Trikot bis Paris verteidigen", sagte der Spanier. Mas legte ebenfalls ein starkes Zeitfahren auf dem 27,2 Kilometer langen, gerade zu Beginn sehr anspruchsvollen Parcours hin, rückte in der Gesamtwertung auf Rang vier vor und übernahm das Weiße Trikot des besten Jungprofis von Bernal. Mas ist der eigentliche Rundfahrer beim Team Deceuninck-Quick Step - und dass er und Alaphilippe jetzt beide ganz vorne zu finden sind, eröffnet der Equipe taktische Möglichkeiten für die anstehenden schweren Bergetappen.

Buchmann jetzt Sechster

Schon am Samstag wartet die Bergankunft auf dem legendären Tourmalet. Dort wird es auch für Emanuel Buchmann darauf ankommen, der zwar einen Platz in der Gesamtwertung verlor, aber ein gutes Zeitfahren absolvierte. Als Sechster liegt er nun 3,04 Minuten hinter Alaphilippe. "Das war ein weiterer Schritt in die Richtung", urteilte Buchmann. "Mal sehen, wie die Beine sind morgen am Tourmalet. Das wird eine der entscheidenden Etappen sein bei dieser Tour. Da muss man auf den Punkt fit sein."

Buchmann - "War ein gutes Zeitfahren von mir" Sportschau 19.07.2019 01:15 Min. Verfügbar bis 19.07.2020 Das Erste

Stand: 19.07.2019, 20:00

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