Peter Sagan - Freigeist im Grünen Trikot

Peter Sagan zieht das Grüne Trikot an

Slowake gewinnt 5. Etappe der Tour de France

Peter Sagan - Freigeist im Grünen Trikot

Von Michael Ostermann (Colmar)

Peter Sagan lässt sich in Colmar von seinen Teamkollegen an der 1000-Meter-Marke absetzen. Den Rest erledigt er alleine und gewinnt die 5. Etappe der Tour de France. Auf dem Weg zu seinem siebten Grünen Trikot scheint er kaum noch aufzuhalten.

Die besten Plätze sind nicht immer vorne. Maximilian Schachmann hatte auch von hinten hervorragende Sicht auf das Geschehen. So richtig schlau wurde er jedoch nicht aus dem, was er auf dem letzten Kilometer der 5. Etappe der Tour de France in Colmar von seinem Teamkollegen Peter Sagan zu sehen bekam.

Wichtige Etappe im Kampf um das Grüne Trikot

"Niemand kann ahnen, wo Peter lang fährt, das ist unmöglich", sagte Schachmann: "Es ist beeindruckend, wie er sich da durchboxt." Der deutsche Meister hatte seine Arbeit etwa an der 1000-Meter-Marke beendet. Dort wollte Sagan abgesetzt werden - es lief alles nach Plan.

5. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 10.07.2019 03:16 Min. Verfügbar bis 10.07.2020 Das Erste

Das Team Bora-hansgrohe hatte sich diese erste von zwei Etappen in den Vogesen schon im Vorfeld markiert. Denn sie war von enormer Bedeutung im Kampf um das Grüne Trikot, das Sagan gerne zum siebten Mal gewinnen möchte. Womit er einen Rekord aufgestellt hätte. Die schnellen Sprinter wie Dylan Groenewegen, Elia Viviani oder Caleb Ewan würden anders als Sagan nicht über die vier kategorisierten Anstiege bis ins Ziel in Colmar durchkommen und damit leer ausgehen - so der Plan.

Unterstützung vom Team Sunweb

"Wir haben uns in den letzten Tagen zurückgehalten", erläuterte Enrico Poitschke, der Sportliche Leiter beim Team Bora-hansgrohe: "Heute war der Tag, an dem wir viel investieren wollten. Das hat sich ausgezahlt." Der Plan hatte vorgesehen, dass die Ausreißergruppe des Tages nicht zu groß werden durfte. Weshalb das Team in der Anfangsphase stets hinterherging, wenn die Konstellation ungünstig zu werden drohte.

In der Schlussphase hielt Bora-hansgrohe an den letzten beiden Anstiegen des Tages das Tempo hoch, um die Sprinter abzuschütteln. Auf dem Weg zum Côte de Cinque Chateaux war dann auch der letzte der vier Ausreißer, der Lette Tom Skujins, eingeholt und alles auf einen Sprint für Sagan bereitet. Unterstützung erhielt Bora-hansgrohe dabei vom Team Sunweb, das mit dem Australier Michael Matthews über einen ähnlichen Fahrertyp wie Sagan verfügt.

Sagan schon mit 47 Punkten Vorsprung

Doch im Finale verlor Matthews das Hinterrad seines Teamkollegen Wilco Kelderman und war deshalb Ausgangs des Kreisverkehrs 400 Meter vor dem Ziel nicht an der richtigen Position. "Da hätte er vier oder fünf Positionen weiter vorne sein müssen", stellte Sunwebs Sportlicher Leiter Luke Roberts fest: "Danach war es unmöglich zu gewinnen."

5. Etappe - die Stimmen Sportschau 10.07.2019 02:28 Min. Verfügbar bis 10.07.2020 Das Erste

Matthews belegte am Ende Rang sieben und bekam dafür zwölf Punkte in der Wertung für das Grüne Trikot gutgeschrieben, während Sagan als Etappensieger 40 erhielt. Damit beträgt sein Vorsprung in dieser Wertung nach fünf Tagen bereits 47 Zähler vor Matthews. Kommt Sagan bis Paris durch, dürfte ihm das Maillot Vert deshalb kaum noch zu nehmen sein.

Sagan vertraut seinem Instinkt

Das Etappenfinale in Colmar machte deutlich, was Sagan auszeichnet. Anders als Matthews, der von seinen Kollegen auf dem letzten Kilometer in die richtige Ausgangslage gebracht werden möchte, ist Sagan auf dem Rad ein Freigeist, der sich seine Position selber sucht. "Er will keinen Leadout", erklärte Poitschke in Colmar: "Wir haben das vor ein paar Jahren mal versucht, da ist er seinen schlechtesten Sprint ever gefahren."

5. Etappe - die letzten drei Kilometer Sportschau 10.07.2019 03:35 Min. Verfügbar bis 10.07.2020 Das Erste

Sagan verlässt sich lieber auf seinen Instinkt als auf die Vorarbeit seiner Kollegen. Und er verfügt als ehemaliger Mountainbiker über eine Radbeherrschung wie kaum ein anderer Fahrer im Peloton. Das alles lässt ihn auch in den schnellen Finals meistens die richtigen Entscheidungen treffen. "Er kann so viele Situationen lesen, er weiß genau, was der Fahrer vor ihm macht", schwärmt Poitschke: "So einen Instinkt haben nicht viele Rennfahrer."

Bora auf dem Weg zu allen Zielen

Für das Team Bora-hansgrohe verläuft damit bislang alles nach Plan. Sagan ist auf dem Weg zum Gewinn des Grünen Trikots und hat nun auch den erwünschten Etappensieg eingefahren. Bleibt als weiteres Ziel die Top-Ten-Platzierung in der Gesamtwertung durch Emanuel Buchmann oder den Österreicher Patrick Konrad. Für beide wird dabei die 6. Etappe am Donnerstag eine entscheidende Rolle spielen. "Da wollen wir auch wieder viel investieren", sagte Poitschke.

Stand: 10.07.2019, 21:12

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