Tour de France: Buchmann zeigt seine Weltklasse

Überzeugte bei der 14. Etappe der Tour de France: Emanuel Buchmann (l.)

Deutscher Radprofi beeindruckt am Tourmalet

Tour de France: Buchmann zeigt seine Weltklasse

Von Michael Ostermann (Tourmalet)

Emanuel Buchmann wird Vierter auf dem Tourmalet. Nach seiner beeindruckenden Fahrt auf der 14. Etappe der Tour de France gehört der 26 Jahre alte Ravensburger zum Kreis der Podiumskandidaten.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht kletterte Ralph Denk aus dem Teambus. Nebelschwaden zogen durch La Mongie unterhalb des Gipfels des Tourmalet, aber der Chef des deutschen World-Tour-Teams Bora-hansgrohe strahlte, als könne er so den Dunst auflösen. "Er ist absolute Weltspitze", sagte Denk, und er war mit diesem Urteil über seinen Kapitän Emanuel Buchmann nicht allein.

"Nie in Schwierigkeiten"

Der 26 Jahre alte Buchmann war auf der 14. Etappe der Tour de France, die auf dem Tourmalet endete, ein erstaunliches Rennen gefahren und am Ende als Vierter in Ziel gekommen, acht Sekunden hinter dem Etappensieger Thibaut Pinot. Locker hatte Buchmann ausgesehen auf den steilen Rampen dieses legendären Berges in den Pyrenäen. "Ich war nie in Schwierigkeiten, das war schon ein gutes Gefühl", bestätigte Buchmann gewohnt nüchtern.

Buchmann am Col du Tourmalet: "Sind da gerade nicht so schnell gefahren" Sportschau 20.07.2019 00:43 Min. Verfügbar bis 20.07.2020 Das Erste

Dabei hätte er durchaus Gründe gehabt, ein wenig euphorisch zu sein. Denn während ein Klassementfahrer nach dem anderen auf dem 19 Kilometer langen Anstieg in Schwierigkeiten geriet, blieb Buchmann in der vorderen Gruppe. Mehr noch: Mit einer Tempoverschärfung rund 1,5 Kilometer vor dem Ziel brachte er den Vorjahressieger Geraint Thomas in Schwierigkeiten, der nicht mehr mithalten konnte. Ein Vorgang, den es so in den vergangenen Jahren nicht gegeben hatte bei der Tour.

Ineos kann nicht dominieren

Denn auch diesmal hatten ja alle wieder erwartet, dass das in Ineos umbenannte einstige Team Sky am Tourmalet ernst machen würde. Doch wie schon bei der ersten Bergankunft in La Planche des Belles Filles vor neun Tagen blieb der große Angriff der britischen Equipe aus. Wieder waren die Kapitäne Geraint Thomas und Egan Bernal früher als erwartet auf sich allein gestellt. Und so langsam breitet sich das Gefühl aus, dass dies kein Zufall ist.

Deutscher Klassementfahrer - Buchmanns Ritterschlag am Tourmalet

Sportschau 20.07.2019 02:04 Min. Verfügbar bis 20.07.2020 ARD Von Moritz Cassalette

Stattdessen bestimmten andere das Geschehen. Eben auch Buchmann. "Wenn Emanuel, der kein Podiumskandidat ist, attackiert und dann geht der Vorjahressieger fliegen, dann ist es ein sehr ausgeglichenes Rennen", sagte Teammanager Denk. Er hatte auch damit Recht.

Movistar arbeitet vergeblich

Zunächst war es die spanische Equipe Movistar gewesen, die das Tempo schon am ersten Anstieg, dem Col du Soulor, diktiert hatte und auch in den Tourmalet an der Spitze des dort schon arg ausgedünnten Pelotons ging. Dann aber zeigte der Kapitän des Teams, Nairo Quintana, schon zehn Kilometer vor dem Ziel Schwächen. Später musste auch Weltmeister Alejandro Valverde reißen lassen, sodass in den kommenden Etappen wohl Mikael Landa, der 14 Sekunden nach dem Etappensieger Pinot ins Ziel kam, das Team anführen dürfte.

Nachdem Movistar sich aus der Führungsarbeit verabschiedet hatte und Ineos nicht wie geplant dominieren konnte, verschärfte David Gaudu, Pinots Teamkollege bei Groupama-FDJ, das Tempo. Kurz darauf setzten sich zwei verbliebene Helfer des Niederländers Steven Kruijswijk an die Spitze, um die Konkurrenz zu fordern. "Es sind viele Teams auf einem Level, mehr als in den Vorjahren", urteilte Etappensieger Pinot.

Pinot will, Buchmann kann aufs Podium

Der Franzose, dessen Sieg auf dem Tourmalet seinen Teammanager Marc Madiot zu einem ekstatischen Ausbruch veranlasste, bestätigte mit seiner Attacke auf dem Schlusskilometer, dass er im Vorfeld zu Recht als einer der Favoriten gehandelt worden war. Und wäre Pinot auf der zehnten Etappe vor einigen Tagen nicht über die Windkante gestolpert, was ihn 1:40 Minuten gekostet hat, läge er jetzt schon auf Rang zwei der Gesamtwertung. So aber wird er nur auf Rang sechs geführt.

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Pinot betonte auf dem Tourmalet, dass es sein Ziel sei, auch in Paris auf dem Podium zu stehen. Auch Buchmann muss man nach seinem bemerkenswerten Auftritt in den Pyrenäen durchaus in den erweiterten Kreis der Anwärter auf einen der drei vorderen Plätze aufnehmen. Er ist jetzt wieder Fünfter im Gesamtklassement, bleibt jedoch stoisch bei seinem vor der Tour ausgegebenen Ziel: eine Top-Ten-Platzierung. "Man darf keinen schlechten Tag haben", sagte Buchmann in La Mongie. "Wenn es dann am Ende mehr wird, ist das umso besser."

Alaphilippe hängt an Gelb

3:12 Minuten beträgt Buchmanns Rückstand auf das Gelbe Trikot, das nach wie vor von Julian Alaphilippe getragen wird, der sich als Etappenzweiter auf dem Tourmalet zusätzlich zu den 36 Sekunden, die er auf den Gesamtzweiten Thomas herausfuhr, auch noch sechs Bonussekunden sicherte. Der Rückstand des Vorjahressiegers Thomas beträgt jetzt schon 2:02 Minuten.

Niemand weiß, wie lange Alaphilippe in der Lage sein wird, das Maillot Jaune zu behalten. Auch er nicht. "Für mich ist es jetzt einfach ein weiterer Tag in Gelb", sagte Alaphilippe, der sehr müde wirkte. "Es wird noch viele Veränderungen bei dieser Tour geben." Davon ist auszugehen. Schon am Sonntag auf der 15. Etappe steht die nächste Bergankunft in Foix Prat d’Albis an. Nach Lage der Dinge ist völlig offen, wie es ausgehen wird.

Knappe Abstände der Favoriten

Und auch Buchmann, den die französische Tageszeitung "L’Equipe", das Zentralorgan der Tour de France, bislang immer ignoriert hat, wenn es darum ging, wie weit die besten Klassementfahrer auseinander liegen, dürfte dort wieder mit von der Partie sein.

Zwischen Thomas auf Platz zwei und Pinot auf Rang sechs liegen nur 1:10 Minuten. So knapp ist es nach 14 Etappen lange nicht mehr zugegangen bei der Tour de France. "Man muss konzentriert bleiben", sagte Buchmann im Nebel von La Mongie. "Freuen kann ich mich in Paris."

Stand: 20.07.2019, 20:45

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