Mühlberger in der letzten Kurve geschlagen

12. Etappe - Gregor Mühlberger

Bora-hansgrohes Taktik geht fast komplett auf

Mühlberger in der letzten Kurve geschlagen

Von Michael Ostermann (Bagnères-de-Bigorre)

Auf der ersten Pyrenäenetappe nach Bagnères de Bigorre gehen fast alle taktischen Ideen des Teams Bora-hansgrohe auf. Nur den Etappensieg verpasst der Österreicher Gregor Mühlberger denkbar knapp, weil ihm im Sprint ein paar Körner fehlen.

Der Österreicher Gregor Mühlberger ist noch ein junger Radprofi. 25 Jahre alt ist er im April geworden, bei der Tour de France ist er erst zum zweiten Mal dabei. Aber so nah dran, sich in die Annalen des wichtigsten Radrennens der Welt einzutragen. Platz drei belegte Mühlberger nach der zwölften Etappe der Tour de France in Bagnères de Bigorre in den Pyrenäen. Unterlegen im Sprint einer Dreiergruppe, in der er gemeinsam mit dem Spanier Pello Bilbao und Simon Yates ins Ziel gekommen war.

Yates zieht vor der Kurve vorbei

Der Brite hatte den Sprint vor Bilbao gewonnen. Und so hockte Mühlberger später am Teambus des Bora-hansgrohe-Teams einigermaßen enttäuscht auf der Rolle, um seine Muskulatur zu lockern. "Ich habe gehofft, dass es knapper sein würde", sagte er. Doch Yates hatte den Zielsprint ziemlich souverän von vorne gewonnen. „Er war einfach der Stärkste“, musste Mühlberger eingestehen. Und der Cleverste des Trios, muss man hinzufügen.

Yates, ein Rennfahrer mit Erfahrung auf der Bahn, hatte sich im Finale zunächst an letzter Stelle aufgehalten, währen sich Bilbao und Mühlberger vor ihm beäugten. 200 Meter vor dem Ziel macht die Strecke noch einmal eine scharfe Linkskurve, von der alle drei wussten, dass dies die entscheidende Stelle sein würde. Kurz davor machte die Straße jedoch noch einen kleinen Rechtsbogen. Das war der Moment als Yates außen vorbeizog und dadurch als Erster innen in die letzte Kurve gehen konnte.

12. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 18.07.2019 03:49 Min. Verfügbar bis 18.07.2020 Das Erste

Vier Fahrer in der Spitzengruppe

"Ich wollte als Erster in die Kurve gehen", sagte Yates. Mühlberger dagegen hatte sich einen anderen Plan zurechtgelegt. "Ich wollte an zweiter Position um die Kurve fahren", sagte er. "Ich wusste, dass ich die 200 Meter nicht von vorne fahren kann." Yates dagegen traute sich das zu, und weil Mühlberger von Bilbao ein wenig eingebaut war, konnte der Österreicher seinen Sprint nicht voll fahren. "Aber Yates hätte ich heute nicht schlagen können", sagte Mühlberger. "Er hat mich schon am Berg leiden lassen. Ich denke, da ist mir schon das ein oder andere Korn verloren gegangen."

Mühlbergers dritter Platz war der einzige Wermutstropfen einer Etappe, in der ansonsten alle taktischen Überlegungen des Teams Bora-hansgrohe aufgegangen waren. Yates, Bilbao und Mühlberger waren die letzten drei einer ursprünglich einmal 38 Mann starken Ausreißergruppe gewesen, in der sich gleich vier Fahrer der deutschen World-Tour-Mannschaft befunden hatten. Neben Mühlberger hatten auch Maximilian Schachmann, Daniel Oss und Peter Sagan den Sprung nach vorne geschafft.

Schachmann kann nicht reagieren

Sagan sammelte dann wie geplant im Zwischensprint vor dem Col de Peyresourde weitere Punkte für das Grüne Trikot ein und ließ sich dann zurückfallen. Auch Oss war bald nicht mehr an der Spitze zu finden. Im Feld kümmerten sich derweil Lukas Pöstlberger und Patrick Konrad um den Kapitän und Gesamtfünften Emanuel Buchmann, während Mühlberger und Schachmann vorne freie Fahrt hatten.

Auf dem Col de Hourquette d’Ancizan, dem zweiten schweren Anstieg des Tages, begannen dann die Attacken für den Etappensieg. Als Yates dort den vorentscheidenden Angriff initiierte, konnte Mühlberger mitgehen, während seinem deutschen Teamkollegen die Kraft dafür fehlte. "Die war so schnell die Attacke, da konnte ich nicht gleich reagieren", sagte Schachmann. "Ich war da gerade erst wieder mit Pello Bilbao herangebuckelt." Der Spanier konnte dagegen noch einmal aufschließen.

12. Etappe - die Stimmen Sportschau 18.07.2019 02:36 Min. Verfügbar bis 18.07.2020 Das Erste

Abriegeln, mitfahren und vom Leib halten

Danach bestand Schachmanns Aufgabe darin, Mühlberger hinten in der Verfolgergruppen abzusichern. "Da riegelt man ab, fährt Attacken mit und versucht ihm die anderen vom Leib zu halten", erklärte Schachmann. Das zumindest gelang und Schachmann hatte durchaus die Hoffnung, dass sein Teamkollege die Etappe würde erfolgreich zu Ende bringen können. "Ich denke, die Konstellation war sehr gut, weil er ein Bergfahrer ist, der endschnell ist."

Doch am Ende waren Yates und Bilbao doch noch etwas schneller, was auch Schachmann enttäuschend fand. "Wir stellen unser Vorderrad an die Linie, damit wir gewinnen. Da ist es immer schade, wenn man den Sieg verpasst", sagt er. "Aber ein Touretappe nimmt man halt auch nicht so easy mit."

12. Etappe - Kein Happyend für Schachmann und Co.

Sportschau 18.07.2019 02:28 Min. Verfügbar bis 18.07.2020 ARD Von Moritz Cassalette

Der Berliner ist zuversichtlich, dass sein Kollege aus Österreich und er sich nicht allzu lange grämen werden. "Wir sind ja noch jung und werden sicher noch ein paar mal wiederkommen", sagte er. Vielleicht klappt es ja auch schon bei dieser Tour. Die 17. Etappe von Pont du Gard nach Gap hat ein ähnliches Profil wie die erste Pyrenäenetappe. Schachmann und Mühlberger haben diesen Abschnitt schon ins Auge gefasst.

12. Etappe - die letzten drei Kilometer Sportschau 18.07.2019 04:41 Min. Verfügbar bis 18.07.2020 Das Erste

Stand: 18.07.2019, 19:29

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