Tour de France - Auch Bummeln kostet Kraft

Der Tourreporter

7. Etappe nach Chalon-sur-Saône

Tour de France - Auch Bummeln kostet Kraft

Von Michael Ostermann (Chalon-sur-Saône)

Ein langer Tag auf dem Rad in gemächlichem Tempo: Die siebte und längste Etappe der Tour de France wird erst zum Sprintfinale hin spannend und endet mit dem Sieg von Dylan Groenewegen. Doch spüren werden die Fahrer diesen Tag trotzdem.

"Ein bisschen langweilig" sei der Tag gewesen, musste selbst der Etappensieger zugeben. Aber immerhin hatte sich die lange Zeit im Sattel für Dylan Groenewegen gelohnt. Sechs Stunden, zwei Minuten und 44 Sekunden waren er und das Feld auf der 7. Etappe der Tour de France von Belfort nach Chalon-sur-Saône unterwegs. 230 Kilometer hatten die 174 verbliebenen Fahrer in dieser Zeit zurückgelegt, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 38.02 Stundenkilometern.

Eingebettet zwischen Bergen und Mittelgebirge

"Klar wurde ein bisschen gebummelt, aber wir hatten auch Gegenwind, sonst wären wir wahrscheinlich mit einem 40er-Schnitt gefahren und eine Stunde eher im Ziel gewesen", sagte Roger Kluge vom Team Lotto-Soudal, dessen Sprinter Caleb Ewan von Groenewegen um Zentimeter geschlagen worden war. Am Anfang habe es sich tatsächlich wie eine Trainingsfahrt angefühlt.

Dass dieser Tag zäh werden würde, hätte man vorher schon ahnen können. Die längste Etappe der diesjährigen Tour war eingebettet zwischen der ersten Bergetappe und zwei anstehenden schweren Mittelgebirgsetappen am Wochenende. Unnötige Energie verschwenden wollte da niemand.

7. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 12.07.2019 03:30 Min. Verfügbar bis 12.07.2020 Das Erste

Nur Martins Arbeit wird belohnt

Zumal das Profil eine der wenigen Gelegenheiten auf einen Massensprint versprach. Die zwei Ausreißer durften deshalb vom Start weg davonfahren und wurden an der kurzen Leine gehalten, bis die Teams der Sprinter kurz vor dem Ziel das Finale einläuteten und ihre schnellen Leute in Position brachten.

Martin zufrieden: Sieg "lässt Strapazen vergessen" Sportschau 12.07.2019 01:52 Min. Verfügbar bis 12.07.2020 Das Erste

"Man kann natürlich immer über den Sinn solcher Etappen diskutieren“, meinte Tony Martin, der zu Groenewegens Helfern gehört: "Ob 230 Kilometer oder 180 Kilometer - das Ergebnis ist wahrscheinlich dasselbe." Der viermalige Weltmeister hatte dennoch einen arbeitsreichen Tag, weil sein Team Jumbo-Visma ihn abgestellt hatte, vorne im Gegenwind die beiden Ausreißer zu kontrollieren. Gemeinsam mit Helfern aus den beiden anderen Teams, die sich Hoffnungen auf den Etappensieg machen konnten: Lotto-Soudal für Caleb Ewan und Deceuninck-Quick Step für Elia Viviani.

"Ich bin in dem Fall der Glückliche, dessen Arbeit honoriert wurde", sagte Martin. Diesmal war Groenewegen von seinem Team gut in Position gefahren worden, musste dann aber kämpfen, um das Hinterrad von Ewan zu erwischen. Auch der Australier war 300 Meter vor dem Ziel dort, wo er sein wollte - am Hinterrad von Peter Sagan, der sich an Vivianis Sprintzug angehängt hatte.

Ewan startet einen Tick zu spät

"Ich war bei 500 Metern ein wenig eingebaut", sagte Groenewegen später, "aber bei 250 Metern habe ich die Ziellinie gesehen und bin losgesprintet." Das war der Moment, in dem Ewan den entscheidenden Tick zu spät war. "In einer ersten Analyse würde ich sagen, dass ich meinen Sprint ein bisschen früher hätte starten müssen", sagte Ewan. Eine Einschätzung, die auch sein Sprintvorbereiter Roger Kluge teilte.

Die Streckenanimation der 7. Etappe Sportschau 28.06.2019 01:40 Min. Verfügbar bis 30.07.2020 Das Erste

Ewan bleibt somit der einzige der drei Topsprinter, der bislang leer ausgegangen ist. Groenewegen dagegen hat jetzt wie Viviani seinen ersehnten Etappensieg eingefahren. "Das war ein ganz wichtiger Sieg", urteilte Martin: "Weniger für das Team, denn wir hatten ja schon zwei Etappensiege, als für Dylan persönlich."

Groenewegen jetzt entfesselt?

Groenewegen war im Finale der ersten Etappe in Brüssel anderthalb Kilometer vor dem Ziel gestürzt und hatte deshalb den möglichen Tagessieg und das erste Gelbe Trikot verpasst, das stattdessen sein Teamkollege Mike Teunissen eroberte. "Nach dem Crash am ersten Tag hat ihm ein bisschen das Selbstbewusstsein gefehlt", berichtete Martin: "Ich bin sicher, jetzt werden wir in den nächsten Tagen einen entfesselten Dylan erleben."

Die Sprinter werden sich jedoch frühestens am kommenden Montag auf der neunten Etappe wieder miteinander messen können. Die beiden kommenden Etappen werden sie irgendwie überstehen müssen, denn es geht durch das französische Zentralmassiv, wo viele Höhenmeter absolviert werden müssen. Und dann wird auch dieser Tag, der lange Zeit so gemütlich aussah, seinen Tribut fordern. "Wenn man sechs Stunden im Sattel sitzt, wird der Körper trotzdem müde, auch wenn man dahinrollert", sagte Kluge.

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