Tour de France: Pinot steigt unter Tränen vom Rad

Tour-Reporter 19. Etappe

Franzose muss aussteigen

Tour de France: Pinot steigt unter Tränen vom Rad

Der Franzose Thibaut Pinot, einer der Topfavoriten auf den Gesamtsieg, erlebt auf der 19. Etappe der Tour de France ein weiteres persönliches Drama. Nach 40 Kilometern muss er wegen einer Muskelverletzung vom Rad steigen.

Die Tour de France hat in ihrer langen Geschichte schon viele Dramen erlebt. Thibaut Pinot hat dem Rennen nun eine weitere Tragödie hinzugefügt. In Tränen aufgelöst stieg der Franzose am Freitag (26.07.2019) bei der 19. Etappe nach rund 40 Kilometern vom Rad. Eine Muskelverletzung stoppte ihn auf dem Weg nach Paris.

Schmerzen schon am Galibier

Schon die 18. Etappe über den Galibier am Vortag habe Pinot unter starken Schmerzen beendet und abends kaum laufen können, teilte sein Team Groupama-FDJ kurz darauf mit. Sein Zustand habe sich nicht verbessert, weshalb der 29 Jahre alte Radprofi das Rennen habe aufgeben müssen.

Thibaut Pinot muss die Tour aufgeben Sportschau 26.07.2019 01:22 Min. Verfügbar bis 26.07.2020 Das Erste

Pinot hatte schon auf den ersten Kilometern Probleme gehabt, das hohe Tempo des Feldes mitzugehen. Kurz darauf ließ er sich zum Auto des Tourarztes zurückfallen, wo man ein Tape am linken Oberschenkel entfernte und ihm einen Verband anlegte. Den er kurz darauf von einem Betreuer seiner Equipe wieder entfernen ließ.

Prägender Fahrer der Tour

Sein Team ahnte da schon, dass Pinot den Tag nicht auf dem Rad beenden würde. Kein Teamkollege blieb bei dem Kapitän, der als Fünfter des Klassements zu einem der ersten Anwärter auf den Gesamtsieg zählte. Pinots Rückstand auf das davonjagende Feld betrug schnell rund vier Minuten. Schließlich ließ sich Teamkollege Mathieu Ladagnous zurückfallen, legte einen Arm um den da schon bitterlich weinenden Pinot. Kurz darauf stieg dieser dann vom Rad.

Pinot war bis dahin einer der prägenden Fahrer dieser Tour de France gewesen. Er war in Topform als einer der Topfavoriten angereist. Auf der achten Etappe bestätigte er diese Einschätzung, als er sich bei einer Attacke seines Landsmannes Julian Alaphilippe an dessen Hinterrad klemmte und im Ziel in Saint Étienne rund 30 Sekunden vor den anderen Mitfavoriten lag.

Frankreichs große Hoffnung

Diesen Vorsprung büßte Pinot jedoch schon auf der zehnten Etappe wieder ein und geriet in Rückstand, weil sein Team an der Windkante den Anschluss verpasste. Doch in den Pyrenäen kämpfte er sich zurück. Auf dem Tourmalet feierte er einen grandiosen Etappensieg und auch einen Tag später in Foix nahm er der Konkurrenz Zeit ab.

Pinot war die große Hoffnung Frankreichs auf den ersten französischen Toursieg nach 34 Jahren. Selbst Alaphilippe, der auch am Freitag zum Etappenstart noch das Gelbe Trikot trug, hatte am Donnerstag noch einmal betont, wenn er die Tour nicht gewinnen könne, sei seine Hoffnung, dass Pinot den Traum der Franzosen verwirklichen würde.

Vierter Ausstieg bei sieben Teilnahmen

Daraus wird nun nichts. Für Pinot ist das ein weiteres bitteres Kapitel in seiner persönlichen Tour-de-France-Geschichte. Es ist eine Art Hassliebe, die ihn mit der Frankreich-Rundfahrt verbindet. Er feierte schon bei seinem Tourdebüt 2012 einen Etappensieg, 2014 stand er als Dritter auf dem Podium in Paris, 2015 gewann er die Etappe nach L'Alpe d'Huez. Doch bei seiner siebten Teilnahme musste er die Tour nun bereits zum vierten Mal vorzeitig beenden.

Ein ähnliches Drama wie jetzt bei der Tour erlebte Pinot auch im vergangenen Jahr beim Giro d'Italia, als er zwei Etappen vor Schluss Gesamtdritter war, ehe ihn eine Lungenentzündung stoppte. "Mein Gegner bin ich, diese Zerbrechlichkeit, die mich im Leben begleitet und die mich frustriert", hatte Pinot in einem Interview vor dem Tourstart gesagt. "Ich werde bis zum Ende meiner Karriere gewiss noch mal aufgeben bei der Tour, aber ich weiß auch, dass es eine Tour geben wird, eines Tages, wenn die Konstellation günstig ist, dass ich dort etwas leisten werde, das besser ist als das, was ich schon mit dem dritten Platz 2014 geleistet habe. Davon bin ich überzeugt." 2019 jedoch hat Pinot nun aber noch einmal einen schweren Schlag hinnehmen müssen.

Stand: 26.07.2019, 15:28

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