Neue Sprinter kämpfen um Gelbes Trikot

Dylan Groenewegen, Elia Viviani, Caleb Ewan (v.l.n.r.)

Sprintetappe zum Auftakt der Tour de France

Neue Sprinter kämpfen um Gelbes Trikot

Von Michael Ostermann (Brüssel)

Die erste Etappe der Tour de France startet und endet in Brüssel - voraussichtlich mit einem Massensprint. Eine neue Generation Sprinter kämpft um das erste Gelbe Trikot.

Tourdirektor Christian Prudhomme ist ein Freund der Sprinter. Zumindest hat der Chef der Tour de France den Männern, die sich mit Freude bei Tempo 70 in die Massensprints stürzen, in den vergangenen Jahren schon häufiger die Chance gegeben, sich zum Auftakt der Tour de France das Gelbe Trikot zu schnappen. Seit 2013 hat es bereits fünf Mal eine Sprintankunft auf der ersten Etappe gegeben.

Generationenwechsel abgeschlossen

In Brüssel haben die Sprinter nun erneut die Chance, mit einem Etappensieg zum Auftakt das Gelbe Trikot zu erobern. Nur, dass es diesmal neue Namen sind, die dafür in Frage kommen. Der Generationenwechsel im Sprint ist abgeschlossen. Und anders als in den Jahren zuvor sind es diesmal deshalb auch keine deutschen Radprofis, denen man das erste Maillot Jaune der Tour zutraut.

Marcel Kittel hat seinen Vertrag mit dem Team Katusha-Alpecin im Frühjahr aufgelöst, John Degenkolb ist auch nicht dabei, weil sein Team Trek-Segafredo lieber ganz auf den Australier Richie Porte und dessen Ambitionen in der Gesamtwertung setzt. Und der derzeit beste deutsche Sprinter Pascal Ackermann ist im Mai schon den Giro d'Italia gefahren, weshalb auch er nicht nach Brüssel zum Grand Depart gereist ist. Auch der 30-malige Etappensieger Mark Cavendish ist nicht dabei.

Greipel will Spaß haben

Bleibt André Greipel, der schon elf Etappensiege bei der Tour de France ersprintet hat. Doch Greipel wird während der Tour 37 Jahre alt. Seit Beginn der Saison fährt er für das zweitklassige französische Team Arkéa-Samsic. Mehr denn je wäre er darauf angewiesen, dass ihn seine Kollegen an der richtigen Stelle abliefern.

André Greipel über seine Aussichten auf Etappensiege und das Gelbe Trikot Sportschau 04.07.2019 00:33 Min. Verfügbar bis 04.07.2020 Das Erste

Doch das klappt nicht, das haben die Rennen im Frühjahr gezeigt. Zudem plagte sich Greipel mit einem bakteriellen Mageninfekt herum. "Ich bin da realistisch. Ich habe ein durchwachsenes Jahr hinter mir und konnte nicht die Leistung abrufen, die ich gewohnt bin. Ein Etappensieg wäre zwar schön, aber es wird schwer", sagt er. "Mein Ziel ist, Spaß zu haben und nach Paris zu kommen."

Ewan in Greipels altem Team

Greipels altes Team Lotto-Soudal bringt in diesem Jahr einen neuen Sprinter mit zur Tour, der gleich zu den Favoriten auf Gelb am ersten Tag zählt. Der Australier Caleb Ewan, 24, gilt seit Jahren als einer der besten seines Fachs. Drei Etappen beim Giro d'Italia hat er schon in seinen Palmares stehen. Doch sein altes Team nahm ihn nie mit zur Tour de France.

"Ich kann alle guten Sprinter hier schlagen", meint Ewan selbstbewusst. "Aber natürlich braucht man auch Glück." Ewan profitiert aber auch von der jahrelangen Erfahrung, die Lotto-Soudal mit Greipel in den Sprints gesammelt hat. "Ich habe eins der besten Teams für die Sprintvorbereitung. Ich bin sicher, dass sie mich an der perfekten Position abliefern können", sagt Ewan.

Groenewegen und die Sehnsucht der Niederländer

Zu jenen Sprintern, die Ewan glaubt schlagen zu können, gehört der Niederländer Dylan Groenewegen, 26, der in den vergangenen beiden Jahren schon drei Touretappen gewonnen hat. 2017 siegte er auf den Champs Élysées, dem Königssprint der Tour de France.

Seit 1989 warten die Niederländer darauf, dass mal wieder einer der ihren das Gelbe Trikot trägt. Jetzt hoffen sie, dass Groenewegen die Durststrecke beendet. "Ich weiß, dass sich viele Leute an diesem Gelben Trikot abarbeiten, aber wichtiger ist mir, dass ich eine Etappe gewinne, egal wann", sagt Groenewegen.

Viviani der Dritte im Bunde

Der dritte Topsprinter, dem Gelb zuzutrauen ist, ist der Italiener Elia Viviani vom Team Deceuninck-Quick Step. Den 30-Jährigen kann man nicht als Vertreter einer neuen Generation bezeichnen. Viviani bringt die Empfehlung von fünf Etappensiegen beim Giro und drei Erfolgen bei der Spanien-Rundfahrt mit. Aber bei der Tour startet er erst zum ersten Mal nach seinem Debüt 2014.

Ewan, Groenewegen, Viviani - sie sind die endschnellsten Fahrer im Feld der Tour de France 2019. Doch auch den Slowaken Peter Sagan vom deutschen Team Bora-hansgrohe und den Norweger Alexander Kristoff von der Equipe UAE-Team Emirates sollte man auf der Rechnung haben. Beide sind immer in der Lage, den reinen Sprintern ein Schnippchen zu schlagen. Die Zielgerade in Brüssel ist leicht ansteigend, das kommt ihnen entgegen. Und am Ende wartet das Gelbe Trikot.

Stand: 05.07.2019, 08:30

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