Vivianis Sprint in Nancy stimmt in allen Details

Elia Viviani

Analyse des Etappenfinales

Vivianis Sprint in Nancy stimmt in allen Details

Von Michael Ostermann (Nancy)

Elia Viviani gewinnt die 4. Etappe in Nancy dank einer perfekten Vorbereitung seines Teams Deceuninck-Quick Step. Seine Konkurrenten dagegen machen Fehler. Eine Analyse des Sprints.

Eine Sprintetappe gleicht einem Crescendo. Sie schwillt langsam an, bis sie schließlich auf den letzten 200 Metern ihren Höhepunkt erreicht. In Nancy, im Ziel der 4. Etappe der Tour de France, war es der Italiener Elia Viviani, der daraus als Sieger hervorging. Weil er der schnellste Sprinter war. Und Viviani dort war, wo er sein musste, als der Sprint begann.

Finale beginnt 18 Kilometer vor dem Ziel

Es sind viele Details, die stimmen müssen, um am Ende als Erster über die Ziellinie zu rasen. Auf dem Weg nach Nancy begann das Finale etwa 18 Kilometer vor dem Ziel am Anstieg zum Côte de Maron. Das Team Bora-hansgrohe spannte sich dort unterstützt vom Team Sunweb vor das Feld, in der Hoffnung auf den durchschnittlich fünf Prozent steilen 3,2 Kilometern bis zur Kuppe die schnellen Sprinter wie Viviani, den Niederländer Dylan Groenewegen und den Australier Caleb Ewan abzuschütteln.

Das hätte die Chancen von Peter Sagan und Michael Matthews auf einen Etappensieg in Nancy erhöht. Doch die Arbeit war vergeblich. "Über den Berg das war schon Anschlag", erklärte Roger Kluge, der beim Team Lotto-Soudal den Sprint für Caleb Ewan vorbereitet: "Wir haben ein paar Positionen verloren, sind aber wieder zurückgekommen." Gleiches galt für Viviani und Groenewegen.

Richtige Position in der Kurve

Die nächste Schlüsselstelle wartete dann etwa zwei Kilometer vor dem Ziel nach einer rasanten Abfahrt in die Stadt hinunter, die das Finale extrem schnell machte. Es war eine enge, langgezogene Linkskurve nach der Ausfahrt aus einem Kreisverkehr. Dort war die Position entscheidend. Denn am Ausgang der Kurve begann die 1,8 Kilometer lange Zielgerade. Dort galt es für die Sprinter vorne zu sein im Windschatten ihres Sprintzuges.

Deceuninck-Quick Step kam mit vier Fahrern an der Spitze dort heraus. "Ein perfektes Leadout", schwärmte Viviani später zurecht. Julian Alaphilippe, Vivianis Teamkollege im Gelben Trikot, führte den Zug auf den letzten Kilometer, wenig dahinter der norwegische Meister Michael Morkov und Vivianis Sprintanfahrer Maximiliano Richeze. Auch Groenewegens Team Jumbo-Visma war eigentlich gut positioniert in der Kurve.

Ewan muss zwei Mal sprinten

Doch der Sprinter aus den Niederlanden war seinen Teamkollegen nicht gefolgt. "Ein Fehler", sagte er später: "Ich habe auch nicht klar gesagt, wo ich sein wollte." Lotto-Soudal um Caleb Ewan dagegen war zu weit hinten in die Kurve gefahren und hatte dabei die Orientierung verloren. "Jasper war rechts, ich links, da wusste er auch nicht, wo er hinfahren sollte", sagte Kluge.

Ewan war am Ausgang der Kurve schlecht positioniert und musste sich seinen Weg nach vorne bahnen. "Wir waren zu weit hinten einen Kilometer vor dem Ziel und wir mussten viel Energie aufwenden, um wieder an Vivianis Hinterrad zu gelangen", klagte Ewan. Energie, die ihm später beim Sprint fehlte. "Genau das müssen wir vermeiden, dass er schon einen ersten Sprint fährt, bevor der eigentliche Sprint beginnt", sagte Kluge.

Perfekte Position für Viviani

Die Kraftanstrengung kostete Ewan entscheidende Körner. "Am Ende hatte ich nicht die Beine für den Sprint", erklärte der Australier. Aber auch nicht den nötigen Platz, um seinen Sprint voll durchzuziehen. Denn kurz vor dem Ziel schlug die Strecke noch einmal einen ganz leichten Linksbogen. Vivianis Anfahrer Richeze nahm dort die Ideallinie entlang der Barriere und versperrte Ewan so den Weg. "Max hat mir dann die Tür geöffnet, ich war an der perfekten Position", so Viviani.

Groenewegen dagegen war davon weit entfernt, weshalb er auf den letzten 50 Metern gar nicht mehr mitsprintete. Viele Chancen wird es nicht mehr geben für die Sprinter. Die nächste Gelegenheit bietet sich wohl auf der siebten Etappe, dort wird es dann am Ende wieder auf die Details ankommen.

Stand: 09.07.2019, 20:45

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