Tour de France - Sagan nimmt Kurs auf Grün

Weltmeister führt Punktewertung an

Tour de France - Sagan nimmt Kurs auf Grün

Mit seinem zweiten Etappensieg bei der Tour de France baut Weltmeister Peter Sagan seinen Vorsprung in der Wertung um das Grüne Trikot aus. Bis Paris darf jetzt nur nichts mehr schief gehen.

Peter Sagan

Peter Sagan

Der Mann im Grünen Trikot hatte es eilig. Ein paar Fragen hatte er beantwortet in der Mixed Zone hinter dem Podium der Tour de France, wo die Trikotträger an den Kamerateams der internationalen TV-Sender vorbeidefilieren, um ihre Statements zum Tag abzugeben. Doch dann machte sich Peter Sagan schnell aus dem Staub. Man wird ihn dort ja in den kommenden Tagen noch öfter sehen.

33 Punkte Vorsprung auf Gaviria

Zwei Mal ist Sagan nun schon als Etappensieger vorbeigekommen. Nach der zweiten Etappe sogar im Gelben Trikot. Und das Grüne Trikot ist seit diesem ersten Tagessieg auch wieder in seinen ständigen Besitz übergegangen. Dabei dürfte es nach Lage der Dinge zunächst auch bleiben. Die Punktewertung des besten Sprinters führt er nach seinem Erfolg auf der 5. Etappe in Quimper nun mit 180 Punkten an. Sein Vorsprung auf den Kolumbianer Fernando Gaviria, der ebenfalls schon zwei Etappen gewonnen hat, beträgt 33 Zähler.

Doch Sagan fährt anders als Gaviria auch an Tagen wie diesen mit anspruchsvollerem Profil in die Punkte. Für den Tagessieg nach einer giftigen Schlussrampe auf den letzten drei Kilometern durfte er sich 30 Zähler gutschreiben lassen, Gaviria ging dagegen leer aus. Nur im Zwischensprint nahm auch der Kolumbianer acht Punkte mit, Sagan allerdings auch noch sieben. Der Slowake ist also klar im Vorteil in diesem Kampf um das Maillot Vert.

Dauerabo auf Grün

Aber natürlich warnen sie in der Equipe des dreimaligen Weltmeisters allseits davor, die Sache schon als entschieden zu betrachten. Zumal Gaviria bei den klassischen Sprintankünften, bei denen der Sieger 50 Punkte mitnehmen kann, derzeit das Maß der Dinge ist. "Gerade in den flachen Sprints muss man anerkennen, das Gaviria der Schnellste ist", sagt Enrico Poitschke, sportlicher Leiter bei Sagans Team Bora-hansgrohe: "Da dürfen wir keine Fehler machen." Bisher ist ihnen das gut gelungen. Auf Gavirias Etappensiegen am ersten und am vierten Tag landete Sagan jeweils auf Rang zwei und sammelte dadurch auch dort viele Punkte.

Sagan hatte in den vergangenen Jahren eine Art Dauerabo auf Grün. Am Donnerstag wird er zum 90. Mal das Grüne Trikot tragen - einmal mehr als Erik Zabel. "Ein Rekord? Das ist gut. Wenigstens habe ich jetzt mal einen Rekord bei der Tour", sagte Sagan leicht spöttisch. Denn natürlich ist dies nicht der eigentliche Rekord, den er Zabel entreißen will. Fünf Mal hat Sagan bereits das Grüne Trikot nach Paris getragen. Sollte ihm das in diesem Jahr ein sechstes Mal gelingen, hätte er mit Zabel gleichgezogen. Diesen Rekord hätte er gerne schon im vergangen Jahr geknackt. Doch nach seinem Tour-Ausschluss wegen eines Zusammenstoßes mit Mark Cavendish auf der vierten Etappe wurde daraus nichts.

Diese Dinge zeichnen Sagans Dominanz aus

Sportschau | 11.07.2018

Arbeit für etwas Großes

Diesmal soll es nun aber klappen. Der Gewinn des Grünen Trikots ist das erklärte Ziel der deutschen Bora-hansgrohe-Equipe. Sagans Teamkollegen sind bereit, hart dafür zu arbeiten. "Wenn du so einen Typen wie Peter in deinem Team hast, bist du doppelt motiviert, weil du weißt, dass du für etwas Großes arbeitest", sagt Marcus Burghardt.

Der 35-Jährige hatte im Finale der fünften Etappe entscheidenden Anteil daran, dass Sagan in einer vorderen Position in den Schlussanstieg fahren konnte. Das war die Voraussetzung dafür, dass der Slowake auf den letzten Metern vor dem Ziel, wo die Strecke schon wieder flacher wurde, seine Sprintfähigkeiten ausspielen konnte, um den Italiener Sonny Colbrelli und den Belgier Philippe Gilbert auf die Plätze zu verweisen.

Nächste Chance Mûr de Bretagne

Auch Burghardt warnte in Quimper davor, den Kampf um das Grüne Trikot schon als entschieden zu betrachten. "Wenn du zwei Mal nicht in den Punkten bist, reicht das schon", sagt er. Dafür müsste allerdings schon sehr viel schief gehen in den kommenden zweieinhalb Wochen. Schon am Donnerstag (18.07.2018), wenn die Etappe auf der Mûr de Bretagne endet, gilt Sagan wieder als einer der Kandidaten auf eine vordere Platzierung.

Bei der letzten Ankunft dort bei der Tour de France 2015 wurde er Vierter. Dass Gaviria dort in die Punkte fährt gilt als unwahrscheinlich. Sagan wird also auch dort nach der Etappe seine Stippvisite in der Mixed Zone machen müssen.

Stand: 11.07.2018, 20:09

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