Tour de France: Matthews kämpft mit seiner Rolle

Michael Matthews vor Peter Sagan

Team-Sunweb-Sprinter wartet auf Etappensieg

Tour de France: Matthews kämpft mit seiner Rolle

Von Michael Ostermann (Albi)

Ohne Kapitän Tom Dumoulin musste das Team Sunweb kurzfristig umdisponieren. Nun soll Michael Matthews in den Sprints für Etappensiege sorgen. Doch der Australier tut sich schwer damit, den Schalter umzulegen.

Am französischen Nationalfeiertag hatte auch Michael Matthews einen "halben Ruhetag" wie Nikias Arndt die neunte Etappe der Tour de France bezeichnete. Während sich ihr Teamkollege Nicholas Roche vorne in der Spitzengruppe abmühte, den ersehnten Etappensieg aber verpasste, konnten es der Australier und sein Sprintanfahrer aus Deutschland etwas gemütlicher angehen. Einen Sprint mussten die beiden diesmal nicht anvisieren, was Matthews ganz recht gewesen sein dürfte. So konnte er sich mal ein bisschen erholen.

Vom Aufpasser zum Etappenjäger

Matthews tut sich schwer damit, sich in seine Rolle einzufinden, in der er die Kohlen aus dem Feuer holen soll für die deutsche World-Tour-Mannschaft Sunweb. Seine gesamte Vorbereitung auf die Tour de France war darauf ausgerichtet, den Niederländer Tom Dumoulin dabei zu unterstützen in Paris aufs Podium zu kommen. Als Dumoulin rund zwei Wochen vor dem Start die Tourteilnahme wegen einer Knieverletzung absagen musste, rückte Matthews plötzlich in eine neue Rolle. Nun sollte er auf Etappenjagd gehen - so wie 2017, als er zwei Etappen und das Grüne Trikot gewann.

"Physisch ist es nicht so schlimm, aber mental ist es schwierig", sagt Matthews, der in der Vorbereitung auf die Tour de France sein Sprinttraining vernachlässigt hat, weil er davon ausgehen musste, gerade in der ersten Woche vor allem als Aufpasser für Dumoulin zu fungieren. "Natürlich kommt man hier hin, um zu gewinnen, aber ich habe gedacht, meine Etappen würden später kommen", sagt Matthews.

60 Punkte Rückstand auf Sagan

Stattdessen hat er nun bei jeder Sprintentscheidung mitgemischt. Ein Etappensieg ist dabei noch jedoch nicht herausgesprungen. In Épernay belegte er Rang zwei hinter Etappensieger Julian Alaphilippe, der als Solist dort ankam. In Saint-Étienne, dem Zielort der achten Etappe gewann er den Sprint der Verfolgerguppe. Das reichte für Rang vier.

"Dafür, dass sich alles gedreht hat, habe ich bislang einen ganz guten Job gemacht", findet Matthews. "Vor ein paar Wochen habe ich noch zwei, drei Etappen ins Visier genommen, jetzt waren es schon sechs. Das ist mental anstrengend, aber ich gehe es von Tag zu Tag an." Damit hat er nun schon 144 Punkte für das Grüne Trikot gesammelt. Sein Rückstand auf den führenden dieser Wertung, Peter Sagan vom Team Bora-hansgrohe, beträgt 60 Zähler. Kaum noch aufzuholen.

Grünes Trikot ist nicht das Ziel

Dennoch ist Matthews einer der wenigen, dem man zutrauen kann, im Kampf um die Punktewertung gegen Peter Sagan zu bestehen, weil er ähnlich wie der Slowake, gut über die Berge und Anstiege kommt, bei denen die schweren Sprinter, die auf den Flachetappen im Massensprint ganz vorne sind, abgehängt werden. "Wir haben das Ziel, eine Etappe zu gewinnen. Natürlich sammelt man dabei Punkte, aber das Grüne Trikot ist nicht unser Hauptziel, sondern ein Etappensieg", sagt Matthews.

Vor allem in Colmar, dem Zielort der 5. Etappe war Matthews schwer gefrustet. Diese Etappe hatte er schon früh als eine ausgemacht, die wie geschaffen war für ihn. Und so machte das Team Sunweb Tempo an der Spitze, als es über die letzten Anstiege ging. Die Topsprinter wie Elia Viviani, Dylan Groenewegen und Caleb Ewan waren vor dem Finale abgeschüttelt, aber Matthews vermasselte dann den Sprint. "Aus irgendeinem Grund gerate ich in den Sprints im Moment durcheinander", sagte er danach.

5. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 10.07.2019 03:16 Min. Verfügbar bis 10.07.2020 Das Erste

Arndt fordert mehr Ellenbogen

Das galt bislang auch für die flachen Sprintankünfte, wo er meist einige Plätze hinter Sagan über die Ziellinie kam. Das Team Sunweb konnte Matthews dort noch nicht in Position bringen. "Wenn wir uns diese Sprints angucken, muss man sagen, dass die sehr, sehr schnell sind, sehr nervös. Die liegen uns weniger", sagt Nikias Arndt, der wie schon 2017 der wichtigste Sprintvorbereiter für Matthews ist. Auf den ersten Etappen habe das Team kein richtiges Leadout hinbekommen. "Und dann müssen wir die Ellenbogen noch ein bisschen mehr ausfahren."

Am Montag gibt es auf der zehnten Etappe von Saint-Flour nach Albi noch einmal die Chance, es besser zu machen. Eine ansteigende Zielgerade nach einer hügeligen Etappe, die hinaus aus dem Zentralmassiv führt. Das könnte Matthews durchaus wieder liegen. "Ich denke, dass wir gucken, dass wir einen Sprint hinbekommen und Michael gut platzieren, damit er auch mal eine Sprint gewinnt", sagt Arndt. 30 Punkte kämen dann ganz nebenbei auch noch dazu.

Stand: 15.07.2019, 08:35

Darstellung: