Peter Sagan und der einsame Kampf um das Grüne Trikot

Peter Sagan

Tour de France

Peter Sagan und der einsame Kampf um das Grüne Trikot

Von Michael Ostermann

Peter Sagan ist der Favorit auf das Grüne Trikot des Punktbesten bei der Tour de France - es wäre das achte Mal, dass er das Maillot Vert gewinnt. Auch diesmal scheint der Slowake konkurrenzlos zu sein, weil sein potenziell größter Herausforderer nicht eingreifen darf.

Am Sonntag (30.08.20) trug Peter Sagan das Grüne Trikot nur in Vertretung der Vertretung von Alexander Kristoff. Was ein wenig mit den Farbenspielen zu tun hat, die es bei der Tour de France gerade in den ersten Tagen häufig gibt. Der Norweger Kristoff durfte auf der 2. Etappe im Gelben Trikot fahren, weshalb das Maillot Vert eben der Zweitplatzierte der Punktwertung überstreifen darf.

Das wäre eigentlich der Däne Mads Pedersen gewesen, doch der war als bester Nachwuchsfahrer gelistet und deshalb im Weißen Trikot des besten Jungprofis unterwegs.

Kristoff hat Zweifel

Das klingt kompliziert, aber die Farbpalette wird sich deutlicher trennen in den kommenden Tagen. Kristoff wird Gelb für die 3. Etappe gegen Grün eintauschen. Die Gesamtführung ist er nach nur einem Tag wieder los, aber in der Punktewertung führt er mit nun 64 Zählern weiterhin. Doch dass er die zweitwichtigste Trikotwertung, die den besten Sprinter ehrt, am Ende der Tour de France gewinnen kann, daran hat der 33-Jährige selbst Zweifel. Obwohl Sagan derzeit 18 Punkte hinter ihm auf Rang zwei liegt.

"Ich war nie nahe dran, das Grüne Trikot zu gewinnen, weil Peter immer weit vor mir lag. Es waren immer viele Punkte zwischen uns", gibt Kristoff zu bedenken. In der Tat hat Sagan in den vergangenen Jahren eine Art Abo auf Grün bei der Tour de France gelöst. Sieben Mal hat er das Trikot schon nach Paris gebracht - ein Rekord. Dass er es in diesem Jahr zum achten Mal gewinnen wird, scheint ausgemacht. Es sei denn, Sagan kommt nicht bis nach Paris, oder wo immer diese Tour durch die Corona-Pandemie enden mag.

Sagans Vielseitigkeit

2. Etappe - die komplette Übertragung Sportschau 30.08.2020 04:49:22 Std. Verfügbar bis 30.08.2021 Das Erste

Sagan, der für das deutsche World-Tour-Team Bora-hansgrohe fährt, ist der vielseitigste der schnellen Profis, die für Grün infrage kommen. Er kann in den flachen Etappen unter die Top 10 fahren und sich Punkte sichern, dort wo es die meisten Zähler zu holen gibt, und die Sprintspezialisten - von denen diesmal angesichts des schwierigen Streckenprofils ohnehin nicht viele den Weg nach Frankreich gefunden haben - ganz vorne landen. Bei den mittelschweren Etappen gilt Sagan ohnehin als Mitfavorit für Etappensiege, und bei den Zwischensprints kann er sogar auf Bergetappen punkten.

Diese Vielseitigkeit haben nicht viele Fahrer im Peloton. Das weiß auch Sagan, der natürlich auch diesmal vor der Tour wieder gefragt wurde, wen er denn als seine gefährlichsten Konkurrenten im Kampf um Grün betrachte. "Das ist jedes Jahr dieselbe Frage", grummelte Sagan in der Video-PK seines Teams. "Das wird das Rennen zeigen." Auch diese Antwort wiederholt sich jedes Jahr, aber diesmal ließ sich Sagan dann doch noch einen Namen entlocken: Wout Van Aert.

Van Aert winkt ab

Der Belgier ist ein ähnlicher Fahrertyp wie der dreimalige Weltmeister Sagan - und er ist in Topform. Nach der Corona-Rennpause gewann er nach Wiederaufnahme der Saison das Eintagesrennen Strade Bianche und den Klassiker Mailand-Sanremo. Bei beiden Rennen zählt auch Sagan stets zu den Favoriten. Van Aert wäre ein ernstzunehmender Kandidat, hat in Sachen Grün aber schon abgewunken.

Der 25-Jährige fährt für das Team Jumbo-Visma, das bei dieser Tour de France angetreten ist, das Gelbe Trikot zu gewinnen. Allein darauf ist die Strategie der Mannschaft ausgerichtet, weshalb auch Van Aert Helferdienste zu leisten hat. "Um das Grüne Trikot zu fahren, ist nichts, was man mal eben so zwischendurch machen kann", erklärte er vor dem Tourauftakt in Nizza. "Wir zielen definitiv auf das Gelbe Trikot in Paris. Und darum ist es unmöglich zu versuchen, bei jedem Zwischensprint und im Ziel Punkte zu holen. Das ist nicht Teil unseres Plans."

Sagan im Zwischensprint

Van Aert, 25, verweist darauf, dass er noch ein paar Jahre als Radprofi habe und sich deshalb das Grüne Trikot für später aufheben könne. Als Konkurrent für Sagan fällt er damit für dieses Jahr allerdings aus. Tatsächlich ließ er auf den ersten beiden Etappen den defensiven Worten auch keine offensiven Taten folgen. Auf der von Stürzen geprägten 1. Etappe rund um Nizza sorgte er gemeinsam mit Tony Martin für die Sicherheit der Jumbo-Visma-Kapitäne Primoz Roglic und Tom Dumoulin und wurde im Finale dann von einem Sturz aufgehalten. Und auch am Sonntag auf der 2. Etappe beteiligte sich Van Aert nicht am Zwischensprint um die Punkte.

Sagan dagegen setzte sich gleich zu Beginn der Etappe in die Spitzengruppe, um beim Zwischensprint weitere Zähler auf sein Konto zu buchen. 16 Punkte zusätzlich wurden ihm dort für den zweiten Platz hinter dem Italiener Matteo Trentin gutgeschrieben. "Um das Trikot zu bekommen, muss man hart kämpfen, versuchen in die Ausreißergruppen zu kommen, so macht man das", sagt Sagan. Wobei etwa Trentin als Konkurrent wohl ausfällt, weil er bei den Sprintankünften nicht so weit vorne landen kann wie der Slowake.

Kristoff will Punkte fürs Sprinttraining

So wird Sagan diesen Kampf um Grün wohl aller Voraussicht nach wieder weitgehend ohne Herausforderer mit sich alleine ausfechten müssen. Es sei denn, Alexander Kristoff kommt doch noch auf den Geschmack. Die eigentlichen Saisonhöhepunkte des 33 Jahre alten Radprofis vom UAE Team Emirates sind die wegen Corona in den Herbst verlegten Frühjahrsklassiker Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix.

“Dies ist eine spezielle Tour, da kann viel passieren", sagt Kristoff. "Ich werde versuchen, Punkte zu holen, nicht unbedingt für das Grüne Trikot, aber um für die später kommenden Sprints zu trainieren." Eine Kampfansage ist das nicht, aber Grün ist die Farbe der Hoffnung. In diesem Fall auf ein spannendes Rennen um das Maillot Vert.

Stand: 31.08.2020, 08:03

Tour de France | Sprintwertung

NamePkt
1.Sam Bennett380
2.Peter Sagan284
3.Matteo Trentin260
4.Bryan Coquard181
5.Wout van Aert174
6.Caleb Ewan170
7.Julian Alaphilippe150
8.Tadej Pogacar143
9.Sören Kragh Andersen138
10.Michael Mörköv138
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