Expertenrunde Tour de France: Kommt die Tour bis Paris?

Egan Bernal aus Kolumbien vom Team Ineos fährt während der Team-Präsentation auf seinem Rad

Expertenrunde Tour de France

Expertenrunde Tour de France: Kommt die Tour bis Paris?

Teil 2/4 - Welche Rolle wird Emanuel Buchmann spielen?

Welche Rolle wird Emanuel Buchmann spielen?

Florian Naß (ARD-TV-Kommentator): Das können wir seriös erst nach der zweiten, besser aber nach der vierten Etappe beurteilen. Vor dem Sturz bei der Dauphiné hätte ich ihn am Ende auf drei getippt. Die Verletzung hat Emanuel körperlich zurückgeworfen, aber vielleicht auch mental. Denn er war sich zuvor zurecht sicher, zu den Besten zu gehören.

Fabian Wegmann (Ex-Radprofi und ARD-Experte): Vor ihm steht nach seinem Sturz natürlich ein riesiges Fragezeichen. Wir wissen selbst nicht genau, wie es ihm geht. Ich glaube, wenn er einigermaßen durch die erste Woche kommt, nicht allzu viel Zeit verliert und dann wieder in der Verfassung ist, in der er vor der Tour war bzw. vor der Dauphiné, dann kann er durchaus aufs Podium fahren. Er war sehr stark, ist wenig Rennen gefahren, und ist deshalb im Grunde genommen noch relativ frisch. Er hat sich nicht ordentlich verausgabt. Wenn der Rücken hält, traue ich ihm auch einen Platz auf dem Podium zu.

Emanuel Buchmann

Holger Gerska (ARD-Hörfunk-Kommentator): Wenn ich tippen würde, dann würde ich sagen vierter oder fünfter Platz. Ich glaube, dass Platz eins und zwei bei normalem Verlauf - aber wann war eine Tour schon mal normal - an Bernal und Roglic gehen, und dass dann irgendwo Thibaut Pinot kommt. Emanuel Buchmann sagt immer, es sei die perfekte Tour für ihn. Da bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich so ist. Gerade in den ersten zwei Wochen gibt es viele kurze Anstiege, wo man sehr explosiv fahren muss. Zumal, wenn einer wie Roglic das Tempo bestimmt. Buchmann liegen ja eher die Galibiers und die Tourmalets, wo er einfach sein Tempo fahren kann. Da ist er sicherlich absolute Weltspitze, und das kommt erst in der dritten Woche. Und ich fürchte, dass er sich bis dahin schon Sekunden Rückstand anhäuft bei verschiedenen Zielankünften, auch bei Abfahrten ins Ziel. Deswegen nicht ganz Podium, aber ganz nah dran. Zumindest in der Theorie.

Michael Ostermann (Tour-Reporter für sportschau.de): Für das Podium wird es wohl nicht reichen, aber Buchmann hat mich schon im vergangenen Jahr eines Besseren belehrt. Da habe ich ihm auch nicht zugetraut, unter die besten fünf zu fahren - und dann war er am Ende sogar Vierter. Was ihm fehlt ist Explosivität, und das könnte bei der Tourstrecke in diesem Jahr ein Problem werden. Zudem hat ihn der Sturz bei der Dauphiné körperlich, vor allem aber auch mental, schwer getroffen. Wenn er gut durch die ersten beiden Wochen kommt, könnte ihm das für das happige Alpenfinale die Zuversicht zurückbringen. Und wer weiß, vielleicht liege ich dann auch diesmal wieder daneben.

red | Stand: 28.08.2020, 15:09

Darstellung: