Tour de France: Roglic festigt sein Gelbes Trikot

Primoz Roglic bei der Zieleinfahrt der 17. Etappe der Tour de France

Slowene baut Vorsprung in Gesamtwertung aus

Tour de France: Roglic festigt sein Gelbes Trikot

Von Michael Ostermann (Méribel)

Auf dem wilden Anstieg zum Col de la Loze wird der Kampf ums Gelbe Trikot zum direkten Duell von Primoz Roglic und Tadej Pogacar. Das bessere Ende hat Roglic für sich, aber Pogacar weigert sich aufzugeben.

Die Binse, dass die Tour de France erst in Paris zu Ende ist, hat sich Primoz Roglic am Mittwoch (16.09.2020) auf dem Col de la Loze verkniffen. Obwohl er natürlich weiß, dass ihm auch noch etwas dazwischenkommen kann auf dem Weg zum Gesamtsieg am kommenden Sonntag. Aber Roglic ahnt auch, dass das härteste Stück Arbeit mit der 17. Etappe geschafft ist. "Es kommen noch wirklich schwere Etappen, aber wir sind froh, dass diese jetzt hinter uns liegt", lautete sein Tagesfazit.

Übliche Strategien hinfällig

Es war der Tag, den all jene gefürchtet hatten, die sich auf einen der vorderen Plätze im Klassement der Tour de France bewerben. Die letzten sieben Kilometer hinauf von Méribel zum Col de la Loze führten über eine neu angelegte Fahrradstraße hinauf auf 2.304 Meter Höhe. Eine unrhythmische Steigung mit bis zu 24 Prozent steilen Passagen. "Ein brutaler Anstieg, mit nichts zu vergleichen", berichtete Roglic.

17. Etappe - die letzten drei Kilometer Sportschau 16.09.2020 10:32 Min. Verfügbar bis 13.09.2021 Das Erste

Damit waren auch die üblichen Strategien des modernen Radsports hinfällig: ein Team vorneweg in hohem Tempo, das jede Attacke unmöglich macht. In diesem Stil ging es auf der 17. Etappe nur bis Méribel. Allerdings war es diesmal nicht das Team Jumbo-Visma, das sich dieses Mittels bediente, sondern Bahrain-McLaren. Die Mannschaft spannte sich schon am ersten schweren Anstieg des Tages, dem Col de la Madeleine vor das Feld, um einen Angriff von Mikel Landa auf das Tourpodium vorzubereiten.

Pogacar verliert die Leichtigkeit

Landa gehörte dann allerdings zu den ersten Favoriten, die abreißen lassen mussten, als es schließlich auf den Radweg Richtung Gipfel ging. Was die Stimmung beim Abendessen seiner Équipe gründlich vermiest haben dürfte. Die Freiräume, die sich ergaben, nutzte Etappensieger Miguel Angel López am besten. Der Kolumbianer, den sie "Superman" nennen, ist einer jener Fahrer, die gerne in die Attacke gehen. "Wir hatten gehofft, dass sich die Renntaktik bei den langen Anstiegen in der Höhe ändern würde, und das den Raum bieten würde, anzugreifen", erklärte López.

Der Mann-gegen-Mann-Vergleich auf den letzten Kilometern ließ auch den slowenischen Zweikampf um das Gelbe Trikot in ein direktes Duell münden. In einer der steilen Rampen etwa 2,5 Kilometer vor dem Ziel blickte Roglic sich nach seinem Landsmann Tadej Pogacar um und sah, dass dem die Leichtigkeit abhandengekommen war.

Eine kurze Beschleunigung später war er Pogacar enteilt und hatte dann für einen kurzen Moment auch noch seinen Teamkollegen Sepp Kuss an seiner Seite. Der Amerikaner hatte sich kurz zuvor aus der Favoritengruppe abgesetzt. "Alle mussten kämpfen", sagte Roglic. "Es war gut, einen Kollegen bei sich zu haben. Auf so einem Anstieg zählt jeder Meter."

Fabians Fazit - spektakuläre Etappe, geringe Abstände Sportschau 16.09.2020 01:22 Min. Verfügbar bis 13.09.2021 Das Erste

Kaum noch Chancen auf Veränderung

Genau diese Meter fehlten dem auf sich allein gestellten Pogacar auf den letzten zwei Kilometern. Immer, wenn er sich anschickte, die Lücke auf Roglic zu schließen, verschärfte der Mann im Gelben Trikot ein wenig das Tempo und ließ die Lücke wieder größer werden. Im Ziel betrug Roglics Vorsprung 15 Sekunden. Inklusive der Bonussekunden für seinen zweiten Platz hat er seinen Vorsprung auf Pogacar im Gesamtklassement nun von 40 auf 57 Sekunden ausgebaut. Der neue Drittplatzierte Lopez liegt 1:26 Minuten zurück.

Es geht also weiter eng zu in der Gesamtwertung, und dennoch hat Roglic sein Gelbes Trikot nun gefestigt. Zeitunterschiede unter den Topplatzierten wird es vermutlich erst wieder im Bergzeitfahren am Samstag auf die Planche des Belles Filles in den Vogesen geben. Aber dass Pogacar dort die 57 Sekunden gutmachen kann, ist unwahrscheinlich. Der 21-Jährige ist zwar der aktuelle slowenische Zeitfahrmeister, aber sein Vorsprung vor Roglic betrug auf dem ebenfalls ansteigenden Kurs der nationalen Titelkämpfe lediglich neun Sekunden.

Pogacar gibt sich kämpferisch

"Ich bin zufrieden mit der Situation wie sie ist, das war ich vorher schon", sagte Roglic auf dem Col de la Loze. Vermutlich kann ihm nur noch ein Missgeschick den Toursieg vermasseln. Pogacar und López bleibt dagegen nur noch ein waghalsiger Angriff auf der letzten schweren Bergetappe am Donnerstag. Das 18. Teilstück von Méribel nach La Roche-sur-Foron führt über fünf kategorisierte Anstiege.

Das Ziel liegt jedoch im Tal. Und diesmal wird Jumbo-Visma vermutlich wieder das Tempo diktieren. Pogacar gibt sich dennoch kämpferisch. "Es ist noch nicht vorbei. Noch kann viel passieren", erklärte er auf dem Col de la Loze. Das ist die offensive Variante von: Die Tour ist erst in Paris zu Ende.

17. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 16.09.2020 03:09 Min. Verfügbar bis 13.09.2021 Das Erste

Stand: 16.09.2020, 19:30

Tour de France | Gesamt

Nameh
1.Tadej Pogacar87:20:05
2.Primoz Roglic+ 59
3.Richie Porte+ 3:30
4.Mikel Landa Meana+ 5:58
5.Enric Mas Nicolau+ 6:07
6.Miguel Angel Lopez Moreno+ 6:47
7.Tom Dumoulin+ 7:48
8.Rigoberto Uran Uran+ 8:02
9.Adam Yates+ 9:25
10.Damiano Caruso+ 14:03

Tour de France | 21. Etappe

Nameh
1.Sam Bennett2:53:32
2.Mads Pedersen+ 0
3.Peter Sagan+ 0
4.Alexander Kristoff+ 0
5.Elia Viviani+ 0
6.Wout van Aert+ 0
7.Caleb Ewan+ 0
8.Hugo Hofstetter+ 0
9.Bryan Coquard+ 0
10.Maximilian Walscheid+ 0
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