Plan B - Teunissen schlüpft ins Gelbe Trikot

1. Etappe - die letzten drei Kilometer Sportschau 06.07.2019 05:48 Min. Verfügbar bis 06.07.2020 Das Erste

Niederländer gewinnt 1. Etappe

Plan B - Teunissen schlüpft ins Gelbe Trikot

Von Michael Ostermann (Brüssel)

Die erste Etappe der Tour de France endet mit einem Überraschungssieg. Der Niederländer Mike Teunissen schlägt hauchdünn den Favoriten Peter Sagan, dem das aber die gute Laune nicht lange verderben kann.

Wer mit schlechter Laune gerechnet hatte, sah sich schnell eines Besseren belehrt: Peter Sagan kam mit seinem auf einem Selfiestick montierten Smartphone in der Hand aus dem Bus des Teams Bora-hansgrohe geklettert und rief den wartenden Journalisten ein "Hi guys" entgegen, während er den Auftrieb vor dem Bus filmte.

Teunissen findet es "verrückt"

Der Frust über die hauchdünne Niederlage gegen den Niederländer Mike Teunissen am Ende der 1. Etappe war offenbar schnell verraucht. "Es war ein sehr guter Tag", erklärte Sagan. "Ich habe schon ein paar Punkte für das Grüne Trikot gesammelt." Dass es am Ende nicht für den Etappensieg gereicht hatte, hatte nur unmittelbar nach der Etappe zu einem kurzen Wutausbruch gesorgt. "Aber im Bus ist das okay", fand Sagan, dessen Hauptziel es ist, dass Grüne Trikot zum siebten Mal zu gewinnen.

Dabei hätte der Slowake durchaus Grund gehabt, sich länger etwas zu grämen, schließlich hätte Sagan sich mit dem Sieg auch das erste Gelbe Trikot der Tour de France 2019 gesichert. Nun aber stand Teunissen, 26, im Maillot Jaune im Zielbereich und konnte sein Glück nicht fassen. "Das ist total verrückt. Ich habe mir niemals vorstellen können, dass ich einmal das Gelbe Trikot tragen würde", sagte er.

Erster Niederländer in Gelb seit 1989

Teunissen ist der erste Niederländer nach Erik Breukink 1989, der das Gelbe Trikot der Tour de France übergestreift bekam. Breukink büßt nun seinen Sonderstatus ein. "Das ist mir egal", sagte Breukink einer niederländischen Nachrichtenagentur. "Er hat es sich verdient."

Dabei war Teunissen gar nicht vorgesehen dafür, die 30 Jahre währende Durststrecke der Niederländer in Sachen Gelb zu beenden. Diese Ehre sollte seinem Teamkollegen bei Jumbo-Visma, Dylan Groenewegen, vorbehalten sein, für den Teunissen eigentlich den Sprint anfahren sollte. Doch Groenewegen landete bei einem Sturz anderthalb Kilometer vor dem Ziel unsanft auf dem Asphalt.

1. Etappe - die Stimmen Sportschau 06.07.2019 05:38 Min. Verfügbar bis 06.07.2020 Das Erste

Sagan sprintet zu früh

Also musste Teunissen sein Glück versuchen. "Er ist extrem schnell, sonst würde er nicht die Sprints anfahren. Man hat in den letzten Wochen schon gesehen, dass ihm die ansteigenden Zielankünfte liegen", erklärte Tony Martin, der seit Beginn der Saison ebenfalls für das niederländische Jumbo-Visma-Team fährt.

Teunissen profitierte auf den letzten Metern auch davon, dass Sagan seinen Sprint einen Tick zu früh startete, weil der Italiener Sonny Colbrelli plötzlich neben ihm auftauchte. "Als Colbrelli neben ihm war, hat er reagiert, das war etwas zu zeitig und dann haben eben ein paar Meter gefehlt", analysierte Bora-hansgrohes sportlicher Leiter Enrico Poitschke.

Teunissen hatte sich im leichten Gegenwind auf der Zielgeraden dagegen lange in Sagans Windschatten aufgehalten und hatte dadurch noch genug Kraft, um sein Vorderrad knapp an dem des dreimaligen Weltmeisters vorbeizudrücken. "Als als Peter seinen Sprint begann dachte ich: 'Oh, das wird schwer'", beschrieb Teunissen seine Eindrücke. "Aber ich habe mich gut gefühlt und es probiert."

Buchmann gibt Entwarnung

Mit Erfolg, was nicht nur Sagan nicht so viel auszumachen schien. Bora-hansgrohes Teamchef Ralph Denk wollte sich ebenfalls nicht lange mit dem verpassten Gelben Trikot aufhalten. "Ich habe schon eins im Büro hängen. Ob eins oder zwei ist egal", sagte Denk mit Verweis auf das Gelbe Trikot, das Sagan im vergangenen Jahr auf der zweiten Etappe für einen Tag erobert hatte.

Größere Sorgen hätte ihm machen können, dass auch Emanuel Buchmann, der Kapitän für die Gesamtwertung, in den Sturz kurz vor dem Ziel verwickelt gewesen war. Buchmann rollte mit blutender Oberlippe und einem geprellten Knie zum Mannschaftsbus, beteuerte aber, dass er sich nicht schlimmer verletzt habe. "Stürzen gehört dazu", sagte Buchmann lapidar.

Teunissen von Plan B zu Plan A

Mike Teunissen wird unterdessen vielleicht sogar ein paar Tage in Gelb verbringen können. Das Team Jumbo-Visma zählt auch dank Tony Martin zu den Favoriten beim Mannschaftszeitfahren durch Brüssel am Sonntag. Und auch auf der 3. Etappe hätte Teunissen die Chance, sich noch weiter in Gelb zu hüllen. Dann steht wieder ein Sprintfinale mit ansteigender Zielgerade an. "Dafür war er vorher schon unser Plan B", sagte Martin. Im Gelben Trikot dürfte daraus Plan A werden.

1. Etappe - die Siegerehrung Sportschau 06.07.2019 10:03 Min. Verfügbar bis 06.07.2020 Das Erste

Stand: 06.07.2019, 19:30

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