Tour de France: Buchmann muss hoch hinaus

Trainer Lorang: Buchmann "fährt sehr gut bei Hitze" Sportschau 25.07.2019 01:40 Min. Verfügbar bis 25.07.2020 Das Erste

Drei schwierige Alpenetappen zum Abschluss

Tour de France: Buchmann muss hoch hinaus

Von Michael Ostermann (Valloire)

Die Tour de France steuert auf das spannendste Finale seit Jahren zu. Die Entscheidung über den Toursieg fällt auf drei schweren Alpenetappen, bei denen es sechs Mal auf über 2.000 Meter hinaufgeht. Emanuel Buchmann ist darauf vorbereitet, aber die Höhe bleibt die große Unbekannte.

Emanuel Buchmann

Drei Tage, die alles entscheiden. Drei Tage, an denen alles noch einmal über den Haufen geworfen werden kann. Die Tour de France strebt einem Höhepunkt entgegen, wie sie es vielleicht seit 1989 nicht mehr erlebt hat. Damals verlor Laurent Fignon die Tour am letzten Tag auf den Champs-Élysées um acht Sekunden an den Amerikaner Greg LeMond.

Besondere Herausforderung für den Körper

Auch diesmal liegen die Anwärter auf das Gelbe Trikot nur knapp auseinander. Aber 2019 wird die Entscheidung nicht in einem Zeitfahren am letzten Tag in Paris fallen, sondern in der Höhe. Sechs Mal geht es auf den drei Etappen in den Alpen über 2.000 Meter hinaus. Am Freitag auf dem Col de l'Iseran klettert das Peloton sogar auf fast 2.800 Meter hinauf.

Eine besondere Herausforderung für den Körper. "Jeder wird da am Limit sein", sagt Emanuel Buchmann. "Man hat da oben einfach weniger Sauerstoff zur Verfügung, manche kommen damit besser klar, manche schlechter. Wenn man einen Einbruch hat, verliert man richtig Zeit."

Buchmann nach der 17. Etappe: "Bin zuversichtlich" Sportschau 24.07.2019 01:21 Min. Verfügbar bis 24.07.2020 Das Erste

Auf die Belastung vorbereitet

Niemand kann voraussehen, wer von den Favoriten die Höhe am besten verkraften wird. "Die Bergetappen in dieser extremen Höhe sind einfach eine große Unbekannte", sagt Buchmanns Trainer Dan Lorang. Der Luxemburger arbeitet seit 2016 beim Team Bora-hansgrohe mit Buchmann zusammen. Davor war er als Bundestrainer bei der Deutschen Triathlon Union tätig und führte Jan Frodeno zum Sieg beim Ironman auf Hawaii.

Lorang ist sich sicher, dass Buchmann optimal auf diesen Showdown in den Alpen vorbereitet ist. Soweit man das eben sagen kann. Denn für ihn als Coach war das der kniffligste Teil beim Trainingsaufbau Richtung Tour de France.

Emanuel Buchmann und seine Helfer Sportschau 25.07.2019 Verfügbar bis 25.07.2020 Das Erste

Die Frage war: Wie kann Buchmann in der dritten Woche, wenn der Körper schon zwei Wochen Belastung in den Knochen hat, in der Höhe seine optimale Leistung abrufen? Simulieren lässt sich so etwas nicht. Man kann sich lediglich annähern.

Heißer Reifen! Tour de France bei 38 Grad

Sportschau 24.07.2019 02:50 Min. Verfügbar bis 24.07.2020 Das Erste

Höhentrainingslager mit intensiver Belastung

Drei Mal war Buchmann während der Vorbereitung im Höhentrainingslager. Das erste Mal im März in der Sierra Nevada, im Mai in Lienz in Osttirol und im Juni, kurz vor dem Start der Tour de France, noch einmal in Livigno in Italien. Er hat deswegen sogar die deutschen Meisterschaften auf dem Sachsenring sausen lassen.

Buchmann ist bei diesen Aufenthalten in der Höhe nicht bloß seine Ausdauereinheiten gefahren, sondern hat dort auch Rennintensitäten gezielt trainiert. Dieses Training dient nicht nur dem Körper, sondern auch dem Kopf. "Er darf nicht in Panik geraten, wenn er 40 Watt weniger tritt, sondern muss wissen, das ist in der Höhe normal", erklärt Lorang.

Deutscher Klassementfahrer - Buchmanns Ritterschlag am Tourmalet

Sportschau 20.07.2019 02:04 Min. Verfügbar bis 20.07.2020 ARD Von Moritz Cassalette

Körper und Geist sind müde

Buchmann ist ein akribischer, sehr disziplinierter Arbeiter. Das sagen sie alle in seinem Team. Ein Sportler, der die Vorgaben des Trainers eher überfüllt. "Ich muss ihn eher bremsen", sagt Lorang. Aber genau das sind die Athleten, mit denen er gerne arbeitet. Lorang will sehen, dass die Athleten aus Eigenantrieb handeln und er sie nicht pushen muss.

Und Buchmann hat seine Lektionen in der Höhe auch deshalb offenbar gut gelernt. "Wenn ich weniger Sauerstoff zur Verfügung habe, kann ich nicht die Wattwerte fahren, wie gewohnt", sagt er. "Wenn man da richtig überzieht, verliert man richtig und erholt sich auch nicht mehr so gut." Das ist die Theorie, doch nun kommt die Praxis.

Und die Tour hat schon ihren Tribut gefordert, nicht nur physisch. "Es ist mental anstrengend, jeden Tag voll fokussiert zu sein, konzentriert zu sein, aufzupassen", sagt Buchmann. "Körperlich ist das auch nicht so einfach."

Buchmann am Col du Tourmalet: "Sind da gerade nicht so schnell gefahren" Sportschau 20.07.2019 00:43 Min. Verfügbar bis 20.07.2020 Das Erste

Entscheidung in Val Thorens

Anders als bei den Pyrenäenetappen ist Buchmann in der Vorbereitung die Anstiege in den Alpen abgefahren. Die letzte Etappe mit dem 33,4 Kilometer langen Schlussanstieg hinauf nach Val Thorens auf 2.365 Meter Höhe hat er sogar komplett in Augenschein genommen. "Der wird extrem schwer. Im Training hat es sich ewig lang angefühlt", sagt Buchmann über den Schlussanstieg. "Es ist der letzte Berg, da wird jeder noch mal fahren, was geht. Da wird die endgültige Entscheidung über den Toursieg fallen."

Und Buchmann will in der Höhe hoch hinaus. In den vergangenen Tagen ist er ein Jota mutiger geworden in seinen Aussagen, aber die Grundhaltung bleibt: Das Ziel heißt Top Ten. Auch sein Trainer will davon nicht abweichen. "Ich halte an unserem Plan fest", sagt Lorang. Ob es mehr wird, entscheidet sich in der Höhe.

Stand: 25.07.2019, 08:44

Darstellung: