Julian Alaphilippe: Die Nummer eins der Welt trägt Gelb

Julian Alaphilippe

Franzose gewinnt 3. Etappe

Julian Alaphilippe: Die Nummer eins der Welt trägt Gelb

Von Michael Ostermann (Épernay)

Perfekter Tag für die Franzosen: Die Tour de France ist nach zwei Tagen in Belgien in der Heimat angekommen - und der Franzose Julian Alaphilippe ließ die Fans gleich doppelt jubeln.

Hinter dem Podium der Tour de France begegnete Julian Alaphilippe einem alten, ganz in Gelb gekleideten Herren, der ihm zu seinem besonderen Kleidungsstück beglückwünschte. Raymond Poulidor, 83, ist dem Gelben Trikot als Radprofi einst vergeblich hinterhergejagt, gehört aber seit vielen Jahren schon zur Crew einer Bank, die das Maillot Jaune sponsert, und gratuliert in dieser Funktion jenen, die mehr Glück hatten als er.

Erster der Weltrangliste

Diesmal also umarmte und herzte Poulidor Alaphilippe, der sich das Gelbe Trikot auf der 3. Etappe nach Épernay gesichert hatte. Die Tour de France ist nach zwei Tagen in Belgien nun also endlich nach Frankreich zurückgekehrt, und ein Franzose führt die Gesamtwertung an. "Das ist ein Moment, den ich für immer in Erinnerung behalten werde", sagte Alaphilippe. "Ich werde Zeit brauchen, um das zu verstehen."

Dabei ist Alaphilippe, 27, aus Saint-Amand-Montrond im Department Cher in Zentralfrankreich, durchaus Erfolge gewöhnt. Man kann ihn sogar den derzeit besten Radfahrer der Welt nennen. Zumindest, wenn man die Weltrangliste des Radsport-Weltverbandes UCI zugrunde legt, die ihn derzeit auf Rang eins führt.

Explosive Attacke

In diesem Frühjahr gewann er unter anderem den Klassiker Mailand-Sanremo und den Flèche Wallonne - und zwei Touretappensiege standen vor diesem Tag ebenfalls schon in seinen Palmares. Im vergangenen Jahr gewann er bei der Tour zudem das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers.

"Ich habe heute das gemacht, was ich auf dem Fahrrad am besten kann", sagte Alaphilippe. "Und das ist, Siege zu jagen." Die Grundlage für den Erfolg bei dieser Jagd war eine Attacke an der Côte de Mutigny, einem 900 Meter langen Anstieg der Kategorie drei mit einer Steigung von 12 Prozent 16 Kilometer vor dem Ziel. Alaphilippe zeichnet sich durch seinen explosiven Antritt aus, und diesmal konnte ihm niemand folgen. Danach fuhr er als Solist ins Ziel.

"Freundlicher Kerl ohne Starallüren"

"Seine Attacke war extrem stark da hoch, für mich auch überraschend, wie stark er das durchgezogen hat die letzten 15 Kilometer", sagte Maximilan Schachmann, dem während der Etappe schon klar war, dass Alaphilippe einen Plan hatte. "Ich habe das schon geahnt, weil, wenn er etwas vorhat, fährt er immer hinten im Feld und heute ist er den ganzen Tag hinten gefahren."

Schachmann war in den vergangenen beiden Jahren Alaphilippes Teamkollege bei der belgischen Equipe Deceuninck-Quick Step. Ein "extrem freundlicher Kerl", sei der Franzose, sagt Schachmann, ganz ohne Starallüren. Anders als der deutsche Radprofi, der jetzt für die Mannschaft Bora-hansgrohe fährt, hat Alaphilippe seinen Vertrag bei Deceuninck-Quick Step gerade bis 2023 verlängert.

Bei Deceuninck-Quick Step groß geworden

Er habe jede Menge Angebote von anderen Teams gehabt, berichtete Alaphilippe in Épernay, aber er habe sich für seine bisherige Mannschaft entschieden, weil er dort wisse, was er habe. "In dieser Equipe bin ich groß geworden", erklärte er. Seit 2014 fährt er für das World-Tour-Team von Patrick Lefevere. Ein Jahr später sorgte er bereits mit einem zweiten Platz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich für Furore. Seitdem zählt er zur Weltspitze.

"Das war ein typischer Alaphilippe", meinte Teamchef Lefevere in Épernay über die Attacke seines Angestellten, die der Mannschaft das Gelbe Trikot bescherte. Dieser wollte die Übernahme des Maillot Jaune als Bonus für das Vertrauen in ihn verstanden wissen und verdrückte ein paar Tränen, als er im Ziel angekommen war. "Ich habe alles gegeben, hatte Schmerzen, und ein Traum ist wahr geworden, da kullern schon mal ein paar Tränen", sagte Alaphilippe.

Der Traum endet wohl am Donnerstag

Wie lange dieser Traum weitergeht, wurde er in Épernay auch gefragt. Natürlich wollte sich Alaphilippe nicht festlegen, aber realistisch betrachtet, wird er es wohl am Donnerstag wieder abgeben. Dann steht in La Planche des Belles Filles die erste richtige Bergankunft der Tour de France 2019 an.

"Ich bin gut auf den kurzen, steilen Anstiegen, da kann ich meine Explosivität ausspielen", sagte Alaphilippe. "Die längeren Anstiege sind eher nichts für mich." Raymond Poulidor wird dann also wahrscheinlich hinter dem Podium einen anderen Mann im Gelben Trikot treffen.

Stand: 08.07.2019, 18:36

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