Bora-hansgrohe tanzt bei der Tour auf mehreren Hochzeiten

Peter Sagan umringt von seinen Teamkollegen

Deutsches Team breit aufgestellt

Bora-hansgrohe tanzt bei der Tour auf mehreren Hochzeiten

Von Michael Ostermann

Peter Sagan für das Grüne Trikot, zwei Fahrer für die Gesamtwertung und Shootingstar Maxmilian Schachmann - das Team Bora-hansgrohe ist breit aufgestellt für die Tour de France. Teamchef Ralph Denk will alle Ziele erreichen.

"Ganz einfach", sagt Denk, wenn man ihn fragt wie er die unterschiedlichen Interessen seiner Radprofis Sagan, Emanuel Buchmann und Schachmann während der Tour de France austarieren will. "Wir haben ja noch Patrick Konrad." Soll heißen: Denks Team Bora-hansgrohe ist für die Tour de France 2019 noch breiter aufgestellt, als manch einer das von außen wahrnimmt. Dementsprechend breit gefächert sind auch die Ziele, mit der die deutsche Equipe nach Frankreich reist.

Sagan will den Rekord

Peter Sagan

Der Slowake Sagan soll zum siebten Mal das Grüne Trikot gewinnen. Es wäre ein einsamer Rekord. Bislang liegt Sagan gleichauf mit Erik Zabel, der das Maillot Vert auch sechs Mal gewann. "Peter hat ja schon gezeigt, dass er dafür keine sieben Mann um sich herum braucht", sagt Teammanager Denk. Ein bis zwei starke Helfer will er Sagan deshalb zur Seite stellen. Der Rest soll Buchmann und Konrad unterstützen, damit einer der beiden in der Gesamtwertung einen Platz unter den ersten Zehn erreicht. Beide haben im Vorfeld der Tour ihre Ambitionen für eine Top-Ten-Platzierung in Frankreich angemeldet: Der Ravensburger Buchmann beendete die Dauphiné-Rundfahrt auf Rang drei, der Österreicher Konrad stand bei der Tour de Suisse ebenfalls als Drittplatzierter auf dem Podium.

Wer von den beiden den Sprung unter die ersten zehn der Tour de France schaffen soll, lässt Teamchef Denk gegenüber sportschau.de offen. Das überrascht, weil bisher als ausgemacht galt, dass Buchmann Bora-hansgrohe als Kapitän für die Gesamtwertung anführen würde. "So muss man die Sache im modernen Radsport angehen, wenn man keinen Podiumsgaranten hat", findet Denk jedoch. "Wenn Emanuel schon dreimal auf dem Podest gestanden hätte, würde man das anders angehen. Aber so ist es besser, wenn man einen Plan B hat."

Team Bora - die selbstbewußte deutsche Mannschaft

Sportschau 06.07.2019 01:49 Min. Verfügbar bis 06.07.2020 ARD Von Sebastian Krause

Buchmann oder Konrad?

Emanuel Buchmann

Sowohl Buchmann als auch Konrad haben das Potenzial für einen Platz unter den ersten zehn. Zumindest bei Buchmann ist das auch das erklärte Ziel. Das hat er zuletzt immer wieder betont. Für den 26-Jährigen ist es bereits die vierte Tour-Teilnahme. 2017 beendete er die Frankreich-Rundfahrt auf Rang 15. Im vergangenen Jahr ließ er die Tour aus, führte das Team als Kapitän in die Vuelta á España und sollte dort bereits unter die Top Ten fahren. Das gelang mit Platz zwölf nicht ganz, weil Buchmann nach starkem Beginn in der dritten Woche nicht mehr auf Topniveau fuhr. "Wir haben das teamintern analysiert", sagt Denk und hofft, dass die Lehren aus dieser Analyse nun bei der Tour de France Früchte tragen.

Für Konrad ist es dagegen die erste Tour-Teilnahme. "Unbedingt bis zum Ende durchhalten und es bis Paris schaffen", hat er kürzlich seine Ziele in den "Niederösterreicher Nachrichten" recht demütig formuliert. Anders als Buchmann kann Konrad jedoch schon auf eine Top-Ten-Platzierung bei einer der drei großen Landesrundfahrten über drei Wochen verweisen. Im vergangenen Jahr beendete er den Giro d’Italia als Siebter.

Denk will alle Ziele erreichen

Denk sagt, für Bora-hansgrohe wäre die Tour de France ein Erfolg, wenn Sagan das Grüne Trikot gewänne, Buchmann unter die ersten Zehn führe und unterwegs noch ein Etappensieg herausspringen würde. Neben Sagan kommt dafür wohl auch der neue deutsche Meister Maximilian Schachmann infrage. Der 25-Jährige hat ein furioses Frühjahr hinter sich, in dem er unter anderem als Drittplatzierter beim schweren Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich aufs Podium fuhr sowie Etappensiege bei der Baskenland- und der Katalonien-Rundfahrt feierte. "Natürlich werden wir Max tageweise freie Fahrt geben", sagt Denk.

Acht Rennfahrer plus X - die Teams bei der Tour de France Sportschau 28.06.2019 01:07 Min. Verfügbar bis 28.06.2020 Das Erste

Dass sein Team all diese Ziele und Ambitionen unter einen Hut bringen wird, daran hat Denk keinen Zweifel. Die Mannschaft tanze ja ohnehin immer "auf zweieinhalb Hochzeiten", meint Denk. Man gehöre als Klassikerteam im Frühjahr zur Weltspitze und habe mit Sagan, Pascal Ackermann und Sam Benett drei der weltbesten Sprinter im Team. Nur in Sachen Gesamtwertung bei den großen Rundfahrten sei man noch nicht ganz so gut aufgestellt.

"Ich bin noch nicht sicher, ob man auf allen drei Hochzeiten Weltspitze sein kann", sagt Denk. Aber das Ziel bei einer Drei-Wochen-Rundfahrt einmal den Sieger zu stellen, hat er nicht aus den Augen verloren. "Ich möchte schon gerne mal die Tour de France gewinnen", sagt er. "Der Sieg bei einer Grand Tour ist die Königsdisziplin der Königsdisziplin Straßenradsport. Rosa oder Gelb stehen über einem Roubaix-Sieg oder einem Weltmeistertitel." In den kommenden drei bis fünf Jahren soll es soweit sein. Spätestens dann wird Denk Interessenkonflikte austarieren müssen.

Stand: 01.07.2019, 09:32

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