Fünf Erkenntnisse nach der Hälfte der Tour de France

Peloton bei der Tour de France

Ruhetag in Albi

Fünf Erkenntnisse nach der Hälfte der Tour de France

Von Michael Ostermann (Albi)

Die Tour de France legt einen Ruhetag in Albi ein. Zehn Etappen und damit knapp die Hälfte des Rennens ist absolviert. sportschau.de analysiert die wichtigsten Erkenntnisse bis hierher.

Emanuel Buchmann ist in Topform

Ein Top-Ten-Platz bei der Tour de France ist ein ehrgeiziges Ziel. Emanuel Buchmann aber ist sicher, dass er dazu in der Lage ist. Sein Teamchef bei Bora-hansgrohe, Ralph Denk, geht sogar schon einen Schritt weiter und rechnet damit, dass Buchmann irgendwo zwischen Rang fünf und acht in der Gesamtwertung landet.

Bisherige Tour-de-France-Bilanz: Buchmann auf Augenhöhe mit den Top-Leuten Mittagsmagazin 16.07.2019 02:56 Min. Verfügbar bis 16.07.2020 Das Erste

Die Zuversicht ist absolut begründet. Buchmann ist ganz offensichtlich in Topform. Bei der ersten Bergankunft in La Planche des Belles Filles kam er nicht einfach nur mit den Besten ins Ziel, sondern konnte auf der letzten, sehr steilen Rampe sogar den ein oder anderen Mitfavoriten hinter sich lassen.

Emanuel Buchmann - still und leise zum Erfolg Sportschau 15.07.2019 02:26 Min. Verfügbar bis 14.07.2020 Das Erste

Zum Ruhetag liegt er schon auf Rang fünf der Gesamtwertung mit 1'45 Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot. Auch weil ihn sein Team im Wind auf der zehnten Etappe vorne hielt. Die richtigen Brocken aber kommen erst noch. In der zweiten und dritten Tourwoche geht es in Pyrenäen und Alpen hoch hinaus. In dieser Form kann Buchmann auch dort mit den Besten mitfahren.

Drei Sprinter auf Augenhöhe

Es ist das erste Mal seit Jahren, dass deutsche Radprofis bei den Sprintetappen keine Rolle spielen. Marcel Kittel hat seinen Vertrag mit dem Team Katusha-Alpecin im Frühjahr aufgelöst und überlegt derzeit, ob er überhaupt machen will. André Greipel ist zwar noch dabei in Frankreich, aber in den Sprints spielt er keine Rolle mehr. Am Ruhetag feiert Greipel seinen 37. Geburtstag. Seine Karriere neigt sich dem Ende entgegen und sein Team ist nicht in der Lage, ihn in Position zu bringen.

Buchmann: "Man muss aufmerksam fahren"

Sportschau 16.07.2019 01:16 Min. Verfügbar bis 16.07.2020 ARD Von NDR-Reporter Holger Gerska

Es gibt, anders als in den Jahren zuvor, in den flachen Sprints keinen dominierenden Sprinter. Dort sind drei Fahrer auf Augenhöhe: Elia Viviani, Dylan Groenewegen und Caleb Ewan. Der Italiener und der Niederländer haben ihren Etappensieg bereits unter Dach und Fach gebracht. Der Australier war nah dran. In Chalon-sur-Saône fehlten ihm nur Zentimeter auf den Sieger Groenewegen.

Bei gleich starken Sprintern kommt es besonders auf das Leadout an. Hier scheint Viviani den stärksten Zug zu haben. Die Sprintvorbereitung für seinen Etappensieg in Nancy war perfekt. Und auch in Chalon-sur-Saône lieferte der Deckeuninck-Quick Step-Zug Viviani an der richtigen Stelle ab. Ein Defekt verhinderte aber, dass Viviani erneut gewann. Die wenigen verbleibenden Sprints versprechen weiter Spannung.

Sagan auf dem Weg zu Grün kaum noch zu stoppen

Peter Sagan

Peter Sagan

Der Kampf um das Grüne Trikot ist schon seit Jahren kein wirklicher Kampf mehr. Sechs Mal hat Peter Sagan das Maillot Vert schon nach Paris getragen. Seit 2012 hat der Slowake mit einer Ausnahme immer die Punktewertung gewonnen. Und wäre er nicht 2017 von der Rennjury nach einem vermeintlichen Ellenbogencheck gegen Mark Cavendish von der Tour ausgeschlossen worden, Sagan wäre mit sieben Grünen Trikots in Paris schon jetzt der alleinige Rekordhalter.

So aber will Sagan in diesem Jahr endlich Erik Zabel hinter sich lassen, der wie er sechs Mal das Grüne Trikot gewonnen hat. Dass dem dreimaligen Weltmeister es nicht gelingen könnte, den Rekord zu knacken, darf als quasi ausgeschlossen gelten. Der Zweitplatzierte Michael Matthews winkt wie alle anderen Sprinter ab, wenn das Gespräch auf Grün kommt.

Sagan sammelt Punkte in den flachen Sprints, auf den hügeligen Etappen, wenn die reinen Sprinter abgehängt sind und schafft es auch bei den Bergetappen oft genug zumindest bis zu den Zwischensprints, um dort noch einige Zähler einzusammeln. Nur noch ein Sturz, Krankheit oder eine Disqualifikation wie vor zwei Jahren können Sagan stoppen.

Ineos bleibt das Team, das es zu schlagen gilt

Das dicke Ende kommt noch. Die Entscheidung über den Gesamtsieg der Tour de France fällt vermutlich erst in den Alpen. Aber auffällig ist schon, dass das Team Ineos, das bis Mai unter dem Namen Team Sky firmierte, dem Rennen bis jetzt noch nicht seinen Stempel aufgedrückt hat.

In den vergangenen Jahren war das Szenario stets dasselbe: Vor der ersten Bergankunft spannte sich die britische Equipe vor das Feld und hielt das Tempo auch im Anstieg so hoch, dass eine Attacke unmöglich war. Und während die Mannschaft mit zwei, drei Helfern den Angriff des Kapitäns vorbereitete, konnte die Konkurrenz kaum mitfahren. Doch diesmal blieb der Angriff aus am ersten Schlussanstieg hinauf nach La Planche des Belles Files.

Die Co-Kapitäne Egan Bernal und Geraint Thomas hatten recht früh nur noch den Polen Michal Kwiatkowski an ihrer Seite und waren am Ende ganz auf sich allein gestellt. Schwäche oder Taktik? Noch ist es zu früh, daraus Rückschlüsse zu ziehen. Ineos bleibt im Bilde, wie die Windkanten-Etappe nach Albi gezeigt hat, als Ineos noch vor den Bergen wieder in eine Position rückte, in der die anderen angreifen müssen.

Die Strecke macht das Rennen

Ja, es gibt sie noch, die Flachetappen, bei denen sich vorne eine chancenlose Ausreißergruppe abmüht, vom Feld an einer kurzen Leine gehalten wird und am Ende garantiert eine Sprintentscheidung fällt. Aber sie kommen nicht mehr in steter Abfolge. Sprint, Mannschaftszeitfahren, Klassikerstrecke mit Schlussrampe, Sprint, Mittelgebirgsetappe, Schlussanstieg, Sprint, schwere Mittelgebirgsetappe, Mittelgebirgsetappe, Sprint. Kein Tag gleicht dem anderen.

Thierry Gouvenou - der Streckenchef der Tour de France Sportschau 13.07.2019 01:18 Min. Verfügbar bis 12.07.2020 Das Erste

Und die Strecke macht das Rennen: Julian Alaphilippe hat die Möglichkeiten, die ihm der Kurs geboten hat, ins Gelbe Trikot zu fahren, zwei Mal genutzt. Mit seinem Punch und dem Mut zur Attacke hat er nach der dritten Etappe in Épernay die Führung in der Gesamtwertung übernommen, sie nach der sechsten Etappe in La Planche des Belles Filles um Sekunden verlor, nur um es dann in Saint Étienne mit einer neuerlichen Attacke zurückzugewinnen.

Sein Landsmann Thibaut Pinot sprang mit, nutzte die Gelegenheit, um in der Gesamtwertung ein paar Sekunden auf die anderen Mitfavoriten herauszufahren. Doch dann kam der Wind und machte auch aus der zehnten Etappe eine aufregende Angelegenheit. Und diesmal gehörte Pinot zu den Verlierern. In der zweiten und dritten Woche geht es bei der Tour hoch hinaus. Auch hier wird die Strecke das Rennen machen.

Stand: 16.07.2019, 09:18

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