Team Sunweb - angriffslustig in jeden Tour-Tag

Nikias Arndt bei seinem Vuelta-Etappensieg 2019

Das deutsche Team Sunweb strebt bei der Tour de France Etappensiege an

Team Sunweb - angriffslustig in jeden Tour-Tag

Von Olaf Jansen

Nach dem Abgang von Tom Dumoulin und dem Verzicht auf Michael Matthews setzt das deutsche Team Sunweb bei der Tour de France ganz auf die Karte Etappensiege. Das "Hirn" bei diesem Unterfangen soll Nikias Arndt sein.

Als Nikias Arndt am milden Frühsommer-Nachmittag des 29. Mai 2016 auf der Schlussetappe des Giro d’Italia hinter Giacomo Nizzoli als Zweiter über die Ziellinie rollte, schien sich das Dilemma seines damaligen Teams Giant-Alpecin nahtlos fortzusetzen. Nach einem Horror-Trainingssturz der halben Mannschaft im Januar kamen die Jungs um den damaligen Leader John Degenkolb nur äußerst holprig in die Saison, mussten zumeist mit den Plätzen der Geschlagenen vorliebnehmen.

Doch an diesem Spätnachmittag im Mai in Turin wendete sich das Blatt: Die Rennkommissäre der Rundfahrt disqualifizierten Sieger Nizzolo wegen unsportlichen Verhaltens, und plötzlich hatte Arndt seinen ersten Sieg bei einer der großen Rundfahrten in der Tasche. Aus dem einstigen Helfer der Asse wie Marcel Kittel und Degenkolb war plötzlich selbst ein potenzieller Siegfahrer geworden.

Arndt: Etappensieg bei der Tour fehlt noch

Auf seine weiteren Ziele angesprochen, meinte der sonst nicht übermäßig gesprächsfreudige Norddeutsche geradezu euphorisch: "Ich will am Ende meiner Karriere bei allen drei großen Rundfahrten mal ganz oben auf dem Siegertreppchen gestanden haben!"

Bei der Tour de France 2020 könnte sich Arndt diesen Wunsch erfüllen. Nachdem er 2019 einen Etappensieg bei der Vuelta in Spanien errungen hat, fehlt ihm nun nur noch ein Tagessieg bei der Frankreich-Rundfahrt. Und aus dem einstigen Helfer ist beim Giant-Nachfolgeteam Sunweb längst einer der wichtigsten Leute überhaupt geworden. Als "Road-Captain" führt der 28-Jährige seine Teamkollegen mittlerweile maßgebend durch die Tücken und Möglichkeiten der großen Rennen - und eigene Siegchancen wird er 2020 in seinem Team mehr bekommen als jemals zuvor.

Das Ziel: Der tägliche Kampf um Etappensiege

Denn nachdem Arndt - der seit 2017 bei jeder Tour de France als Stammfahrer für sein Team gesetzt war und jetzt also in seine vierte Tour geht - in den vergangenen Jahren entweder für Sprinter Michael Matthews oder Gesamtklassement-Fahrer Tom Dumoulin fahren musste, geht Sunweb diesmal mit einer ganz anderen Strategie an die Frankreich-Rundfahrt heran: Das Team um Manager Iwan Stekenbrink ist beinahe ausschließlich mit Klassikerfahrern besetzt und hat sich den täglichen Kampf um Etappenerfolge als erklärtes Ziel gesetzt.

Nach der Trennung von Dumoulin hat die Mannschaft keinerlei Ambitionen mehr aufs Gesamtklassement, mit Matthews, der ein Kandidat für den Gewinn des Grünen Trikots gewesen wäre, wurde zudem ein "arbeitsintensives" Team-Mitglied nicht nominiert. Für ihn soll bei den Flachetappen der Niederländer Cees Bol sprinten. Ansonsten gilt: Jeder im Team darf sich mal versuchen. Auch Arndt. "Wir wollen jeden Tag aufs Neue um Etappensiege fahren", sagt der.

Team Sunweb bei der Tour 2020
NameLandAlter
Nikias ArndtDeutschland28
Tiesj BenootBelgien26
Sören Kragh AndersenDänemark26
Cees BolNiederlande25
Marc HirschiSchweiz22
Nicolas RocheFrankreich36
Joris NiewenhuisNiederlande24
Casper PedersenDänemark24

Benoot gut in Form, Hirschi wieder gesund

Neben Arndt, der als sprintstarker Allrounder beinahe für jede Etappe jenseits des Hochgebirges eine Option sein kann, bringt Sunweb dabei mit Tiesj Benoot, Sören Kragh Andersen, Marc Hirschi und Nicholas Roche echte Sieganwärter für klassische Eintagesrennen mit. Komplettiert wird die Mannschaft neben Sprinter Bol mit dem Niederländer Joris Nieuwenhuis und dem Dänen Casper Pedersen, der auf den letzten Drücker Jasha Sütterlin aus dem Aufgebot verdrängt hat. Vor allem der 26-jährige Belgier Benoot scheint dabei eine heiße Option zu sein. Der sprintstarke Mann aus Gent zeigte im März als Gesamtzweiter von Paris-Nizza seine Möglichkeiten und präsentierte sich auch nach dem Corona-Neustart schon wieder in starker Form.

Dem hoffnungsvollen Talent Marc Hirschi aus der Schweiz, U23-Weltmeister von 2018, kam die Coronapause sogar ganz recht. Der bärenstarke Berner hatte Anfang des Jahres mit zähen Hüftproblemen zu kämpfen und konnte die Pause nutzen, um sich vollständig zu erholen. Bei der Tour-Vorbereitung anlässlich der Dauphiné-Rundfahrt bestätigte er seinen guten Weg zurück zu alter Stärke, als er sich auf der 4. Etappe in einer Fluchtgruppe behauptete und am Ende Achter wurde.

Insgesamt dürfte Sunweb bei der Tour genauso fahren, wie sich das die Veranstalter so sehnlich von eigentlich allen Mannschaften wünschen: offensiv und allzeit angriffslustig. Mit einem erfahrenen Nikias Arndt am Regiepult.

Die Teampräsentation von Sunweb Sportschau 27.08.2020 03:56 Min. Verfügbar bis 27.08.2021 Das Erste

Stand: 25.08.2020, 07:00

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