Pogacar vor Tour-Sieg nach furiosem Zeitfahren

20. Etappe - Kampf um Gelb, die letzten Kilometer Sportschau 19.09.2020 15:23 Min. Verfügbar bis 19.09.2021 Das Erste

20. Etappe

Pogacar vor Tour-Sieg nach furiosem Zeitfahren

Von Olaf Jansen

Tadej Pogacar hat die Sensation geschafft und steht nach der vorletzten Etappe vor dem Tour-Sieg 2020. Der junge Slowene entriss seinem Landsmann Primoz Roglic beim Bergzeitfahren in La Planche des Belles Filles das schon sicher geglaubte Gelbe Trikot.

Die Würfel bei der Tour de France 2020 sind gefallen: Tadej Pogacar zeigte sich beim einzigen Zeitfahren der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt furios und bezwang am Samstag die gut 36 Kilometer hinauf nach La Planche des Belles Filles in 55:55 Minuten. Damit war der wie entfesselt fahrende Slowene fast zwei Minuten schneller als der am Ende schwer gezeichnete Primoz Roglic ( 57:51). Für das Gesamtklassement bedeutet das: Pogacar liegt vor der abschließenden Etappe nach Paris 59 Sekunden vor Roglic, der an diesem 19. September 2020 den wohl schwärzesten Tag seiner bisherigen Radsport-Kariere erlebte.

Pogacar war im Ziel schier fassungslos vor Glück: "Ich kann es nicht glauben. Ich habe nichts mehr mitbekommen, so laut waren die Fans", sagte er: "Ich habe einfach Vollgas von Anfang bis Ende gegeben. Mein Traum war eigentlich, mitzufahren, jetzt stehe ich hier. Unglaublich. Ich weiß nicht, wann ich das kapieren werde."

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Pogacar: Tagessieg, Gesamtsieg, Bergtrikot

Den Gesamtsieg kann Pogacar nun nur noch durch einen Sturz oder ein ähnliches Ungemach verlieren, denn traditionell wird auf der Schlussetappe im Kampf um den Gesamtsieg nicht mehr attackiert. In Paris auf den Champs-Élysées wird es nur noch einen Wettbewerb der Sprinter um den prestigeträchtigen Tagessieg geben. Denn auch den Kampf ums Bergtrikot entschied Pogacar zwei Tage vor seinem 22. Geburtstag mit seinem Husarenritt noch für sich. Mit seinem Spurt auf den letzten Berg entriss er Richard Carapaz auch noch diese Wertung.

Roglic kämpft mit den Tränen der Enttäuschung

Der im knallgelben Zeitfahranzug und mit 57 Sekunden Vorsprung vor Pogacar gestartete Roglic ließ es auf den ersten 15 flachen Kilometern moderat angehen, verlor hier 13 Sekunden auf Pogacar. Was zunächst kontrolliert aussah, entwickelte sich im weiteren Verlauf der Tagesetappe zu einem packenden Kampf um Sekunden. Roglic wirkte auf dem Rad souverän, verlor aber kontinuierlich weiter auf seinen jüngeren Landsmann.

Schon vor dem abschließenden knapp sechs Kilometer langen Anstieg hinauf auf den Gipfel war klar: Der superschnelle Pogacar würde seinen zunehmend verzweifelt kämpfenden Landsmann am Ende deutlich distanzieren. Am Ende flog Pogacar regelrecht auf den Gipfel, während der nachfolgende Roglic noch auf dem Rad sitzend mit den Tränen der Enttäuschung kämpfen musste.

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Martin: "Extrem schwieriges Zeitfahren"

"Es ist ein extrem schwieriges Zeitfahren. Der Scharfrichter ist La Planche des Belles Filles, der Anstieg ist extrem schwer, sehr ungleichmäßig", sagte Tony Martin. Der viermalige Zeitfahr-Weltmeister hatte die Muße, den Kurs ohne zu große Anstrengungen zu betrachten, er hatte rund sieben Minuten Rückstand. Im Ziel verfolgte er dann entgeistert mit, wie sein Jumbo-Teamkollege Roglic den großen Triumph aus der Hand gab.

Rémi Cavagna setzt früh starke Bestzeit

Tadej Pogacar

Tadej Pogacar

Zuvor hatte schon in der Mittagszeit der französische Zeitfahrmeister Rémi Cavagna für ein erstes Ausrufezeichen gesorgt: Der 25-Jährige, der am Tag zuvor noch mit einer langen Soloflucht auf der 19. Etappe für Aufsehen gesorgt hatte, überholte knapp vier Kilometer vor dem Ziel den vor ihm gestarteten deutschen Zeitfahrmeister Tony Martin und pulverisierte im Ziel vorerst die bis dahin aufgestellte Bestzeit. Die hatte mit 1:00,59 Stunden Nils Politt gehalten, Cavagna brannte nun eine Zeit von 57:54 Minuten in den Asphalt und ließ sich anschließend für geraume Zeit auf dem heißen Stuhl des Führenden nieder.

Im Interview mit dem französischen TV schätzte er seine Siegchancen aber als gering ein: "Ich denke, die Top-Fahrer werden bis zu einer Minute schneller sein, denn ich habe allein gewichtsmäßig am Berg zu große Nachteile", meinte der 77 Kilogramm schwere Athlet. Er sollte Recht behalten, am Ende belegte er Rang sechs in der Tageswertung.

Schachmann und Buchmann mit Verspätung

In die Riege der Topfahrer fuhr Maximilian Schachmann ebensowenig wie der kurz nach ihm startende Emanuel Buchmann. Schachmann blieb zwar in 59:54 Minuten knapp unter der Einstunden-Schallmauer, war insgesamt aber rund zwei Minuten langsamer als Cavagna. Erheblichere Verspätung hatte Buchmann, der fast fünf Minuten hinter der Zeit des Franzosen zurückblieb.

Dann folgten die Top-Ten des Gesamtklassements. Bei denen es am Ende zum Sekunden-Thriller kam.

20. Etappe - die komplette Übertragung Sportschau 19.09.2020 04:42:18 Std. Verfügbar bis 19.09.2021 Das Erste

Stand: 19.09.2020, 19:27

Tour de France | Gesamt

Nameh
1.Tadej Pogacar87:20:05
2.Primoz Roglic+ 59
3.Richie Porte+ 3:30
4.Mikel Landa Meana+ 5:58
5.Enric Mas Nicolau+ 6:07
6.Miguel Angel Lopez Moreno+ 6:47
7.Tom Dumoulin+ 7:48
8.Rigoberto Uran Uran+ 8:02
9.Adam Yates+ 9:25
10.Damiano Caruso+ 14:03
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