15. Etappe: Pogacar triumphiert, Bernal verliert die Tour

15. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 13.09.2020 03:20 Min. Verfügbar bis 13.09.2021 Das Erste

Tour de France - Sonntag, 13. September

15. Etappe: Pogacar triumphiert, Bernal verliert die Tour

Von Olaf Jansen

Tadej Pogacar hat die schwere Etappe hinauf auf den Grand Colombier knapp vor Primoz Roglic für sich entschieden. Vorjahressieger Egan Bernal musste eine schwere Niederlage hinnehmen.

Viele Experten hatten der 15. Etappe hinauf auf den Grand Colombier das Potenzial einer vorentscheidenden mitgegeben - und genau so ist es am Sonntag (13.09.2020) auch gekommen - zumindest was den Vorjahresieger angeht: Egan Bernal musste bereits zu Beginn des steilen Schlussanstiegs hinauf auf den Grand Colombier das Feld der anderen Favoriten um Primoz Roglic ziehen lassen.

Pogacar kontert, Buchmann wird früh abgehängt

Vorn aber lieferten sich die übrig gebliebenen Favoriten einen heißen Schlagabtausch um den Tagessieg. Als Erster attackierte Adam Yates, wurde von Roglic-Helfer Tom Dumoulin aber zurückgeholt. Im Finale konterte Tadej Pogacar eine Attacke des Gesamtleaders Roglic und holte sich den Tagessieg, was mit zehn Sekunden Zeitbonifikation belohnt wurde. Insgesamt behauptete Roglic aber souverän seine Gesamtführung vor Pogacar.

"Es war eine sehr, sehr schwere Etappe. Jumbo war so stark, da hat es keinen Sinn gemacht, zu attackieren", sagte Pogacar angesichts der starken Vorarbeit von Roglics Jumbo-Team: "Also habe ich auf den Sprint gehofft. Einige Fahrer mussten heute bezahlen."

Gespenstisches Finale ohne Zuschauer

Ein ungewohntes Bild zeigte sich am Schlussanstieg sowie bei der zweiten Bergwertung am Col de la Biche: Wegen steigender Corona-Infektionszahlen hatte das Departement Ain den Zugang für Fans zu den Bergen gesperrt. Statt durch eine Menschenmenge kletterten Roglic und Co. über weitgehend leere Pässe, begleitet hauptsächlich vom Lärm der Begleitfahrzeuge und TV-Helikopter.

Fabians Fazit - Das war's für Bernal und für das gesamte Team Sportschau 13.09.2020 01:30 Min. Verfügbar bis 13.09.2021 Das Erste

Schon im Tagesverlauf hatten die Deutschen Lennard Kämna, Maximilian Schachmann und Emanuel Buchmann das Feld ziehen lassen müssen und verloren viel Zeit. Am Ende gehörte neben Bernal auch Nairo Quintana zu den Geschlagenen.

Sagan attackiert erfolglos

Acht Fahrer hatten sich zu Beginn nach 20 wilden Kilometern voller Attacken endlich zu einer Ausreißergruppe formiert, unter ihnen der Deutsche Simon Geschke vom Team CCC. Vor allem Peter Sagan gehörte in diesem Moment schon zu den Verlierern des Tages, denn der Sprinter des deutschen Teams Bora-hansgrohe hatte zuvor immer wieder versucht, selbst zu attackieren, um bei der ersten Sprintwertung weiter Boden gutzumachen auf Sam Bennett, den Führenden im Kampf ums Grüne Trikot. Wie verbissen der Kampf um die Gruppe war, verdeutlicht allein schon das Renntempo der ersten Stunde von über 53 km/h.

15. Etappe - die komplette Übertragung Sportschau 13.09.2020 04:29:03 Std. Verfügbar bis 13.09.2021 Das Erste

Doch Bennett war stets hellwach und setzte immer wieder nach, um Sagan dann seinerseits bei der Sprintwertung des Verfolgerfeldes zu bezwingen und den Slowaken weiter auf Distanz zu halten. Immer mehr deutet nun darauf hin, dass sich der Belgier vom Deceuninck-Quickstep-Team in diesem Jahr das Grüne Trikot wird sichern können. Vorausgesetzt natürlich, er bleibt bei den kommenden schweren Bergetappen im Zeitlimit, was für reine Sprinter im Hochgebirge ja immer so eine Sache ist.

Lange Anfahrt zum ersten Berg

Nach rund 100 Kilometern mehr oder weniger flacher Anfahrt ging das Rennen mit dem Anstieg auf den 1.174 Meter hohen Montée de la Selle de Fromentel gewissermaßen noch einmal von vorn los. Die Ausreißer hatten sich nur einen Vorsprung von knapp vier Minuten auf das Hauptfeld herausfahren können, behaupteten diesen aber zunächst. Und der elf Kilometer lange Anstieg mit Steigungen von bis zu 22 Prozent hatte es in sich. Die Spitzengruppe zerfiel, hinter dem Ersten an der Bergwertung, dem Spanier Jesus Herrada und Pierre Rolland kämpfte sich Geschke als Dritter über die Kuppe.

Schachmann und Buchmann lassen abreißen

Im nachfolgenden Hauptfeld wurde Tempo gemacht, was zwischenzeitlich sogar Egan Bernal in Schwierigkeiten brachte. Gerupft wurde dabei unter anderem das Team Bora-hansgrohe, wo zunächst Maximilian Schachmann und wenig später auch Emanuel Buchmann reißen lassen mussten.

Und der zweite Anstieg folgte nach kurzer Abfahrt sogleich: Hinauf auf den Col de la Biche konnte Geschke dem Tempo der Mitausreißer Pierre Rolland und Michael Gogl nicht mehr folgen und wurde bald vom nur noch etwa 40 Fahrer starken Hauptfeld geschluckt. In rasender Abfahrt ging es auf enger Straße mit schlechtem Straßenbelag anschließend zehn Kilometer bergab. Vorsicht war vor allem im Hauptfeld angesagt, wo das Team Jumbo Visma für Primoz Roglic ein moderates Tempo vorgab.

Simon Geschke: "War nur eine kleine Chance auf den Etappensieg" Sportschau 13.09.2020 00:30 Min. Verfügbar bis 13.09.2021 Das Erste

Jumbo-Visma kontrolliert das Favoritenfeld

Denn der Höhepunkt des Tages sollte ja noch folgen: Die Kletterei über 18,5 Kilometer hinauf auf den gut 1.500 Meter hohen Grand Colombier. Ein fieser Berg, mit immer wieder zweistelligen Steigungsprozenten. Die Führenden Gogl und Rolland durften mit einem Vorsprung von gut zwei Minuten auf die Gruppe der Favoriten in den Berg starten.

Bernal muss abreißen lassen

Doch angesichts der anhaltend massiven Tempoarbeit von Roglics Mannschaft waren zunächst Gogl und später dann auch Rolland rasch gestellt und der Kampf der Titanen konnte beginnen. 13 Kilometer vor dem Ziel nahm das Unheil für den Vorjahressieger seinen Lauf: Bernal konnte das Tempo ebenso wie Nairo Quintana nicht mehr halten, fiel gemeinsam mit seinen Ineos-Begleitern aussichtslos zurück.

Die Streckenanimation der 16. Etappe Sportschau 28.08.2020 01:06 Min. Verfügbar bis 01.07.2021 Das Erste

Ruhetag vor den schweren Bergetappen

Nach dem letzten Ruhetag am Montag geht's für den Tour-Tross am Dienstag mit einer sehr schweren Bergetappe in den Alpen weiter. Über 164 Kilometer stehen fünf schwere Anstiege in der Strecke, eine Auszeit darf sich hier keiner der Favoriten auf den Gesamtsieg leisten.

Stand: 13.09.2020, 17:38

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