Leistungstest - das Ergometer lügt nicht

Leistungstest

Was bringt eine Leistungsdiagnostik für den Hobbysportler?

Leistungstest - das Ergometer lügt nicht

Von Olaf Jansen

Der Leistungstest im Radsport - was einst Tour-de-France-Profis vorbehalten war, nutzt heute schon der ambitionierte Jedermann-Fahrer. Ein Selbsttest zeigt: Daten sind nicht bestechlich.

Der ambitionierte Hobbyradler dürfte das kennen: Man fühlt sich eigentlich gut, doch beim Jedermann-Rennen am Wochenende springt trotzdem wieder nur Platz 600 unter 900 Gestarteten heraus. Die Fragen drängen: Bin ich nicht fit? Trainiere ich falsch? Habe ich Übergewicht? Ernähre ich mich falsch?

Antworten auf derlei Fragen könnte eine Leistungsdiagnose bringen. Seit Jahren drängen stetig mehr Institute auf den Markt, die auch den ambitionierten Hobbysportler als Kunden ins Auge gefasst haben. Also probieren auch wir ein solches Institut mal aus und haben einen Termin bei STAPS. Einem Analyse- und Trainingsinstitut in Köln, das bereits seit über zehn Jahren Ausdauersportler analysiert und trainingstechnisch betreut.

Ergometer mit SRM-Technik

Die Schmuckstücke des Instituts stehen im ausgebauten Dachgeschoss des renovierten Fachwerkgebäudes: Zwei - pro Stück etwa 20.000 Euro wertvolle - Leistungs-Ergometer mit der SRM-Leistungsmesstechnik. Hier, auf diesen Geräten wird die Leistungsstärke des Probanden ausführlich analysiert.

Sportwissenschaftlerin Cora, die den Test durchführt, bittet zunächst zum Sprinttest. Nach zehnminütigem lockeren Warmfahren heißt es: 15 Sekunden Vollsprint mit riesiger Wattleistung. Innerhalb kürzester Zeit schießt das Laktat in die Oberschenkel. Coras mitleidiges Lächeln verrät: Hier hat sie es heute nicht gerade mit dem Marcel Kittel unter den Hobbysportlern zu tun.

Ist er Sprinter oder Ausdauer-Typ?

Ist aber nicht so schlimm, es geht Cora und ihrem Chef Björn, der den Test später auswerten wird, nur darum festzustellen: Was für ein Typ ist hier heute? Wo liegt seine anaerobe Leistungsschwelle? Einfach ausgedrückt: Ist er eher ein Sprintertyp? Oder liegen seine Stärken eher im Ausdauerbereich? Hier haben wir es heute mit einem abstrakten Wert zu tun: Die maximale Laktatbildungsrate liegt bei 0,41 mmol/l/s. Bedeutet übersetzt: Das sind erst einmal ordentliche Voraussetzungen für ambitionierten Hobbysport. Für einen Tour-de-France-Start aber keine akzeptable Grundlage.

Auch nicht Tour-de-France-fähig ist der nächste Wert, der beim heutigen Probanden genommen wird: Der Körperfett-Anteil. Mit einer sogenannten Caliperzange misst Cora an verschiedenen Körperstellen die Hautfaltendicke. Heraus kommt ein Körperfettanteil von 13,1 Prozent. Cora nickt und Björn erklärt: "Gut!" Was er meint: Bei normal sportlichen Menschen im vergleichbaren Alter liegt der Fettanteil zwischen 14 und 18 Prozent. Um aber keine verfrühte Euphorie aufkommen zu lassen, gibt Björn den durchschnittlichen Fettanteil von Radprofis preis: Er liegt bei sechs bis acht Prozent. Aha.

Rampentest als Grundlage für Trainingsprogramm

Es folgt nun der sogenannte Rampentest - das ist die eigentlich aussagefähigste Analyse, anhand dessen Resultat am Ende eigentlich auch ein Trainingsprogramm ausgetüftelt werden kann.

Erneut fährt man sich etwa zehn Minuten auf dem Ergometer warm, dann wird die Atemmaske übergestülpt. Denn es folgen nun zehn Rampen mit steigender Wattzahl von je etwa 30 Sekunden. Es beginnt bei leichten 100 Watt Tretleistung, die letztlich ansteigt auf 350 Watt. Hier wird der Proband so richtig "ausbelastet", geht bis an seine Leistungsgrenze. Gemessen wird die getretene Wattleistung und der dafür benötigte Sauerstoffverbrauch. Wieviel Sauerstoff geht hinein in den Körper und kommt nicht mehr heraus?

Kein schöner Moment: totale Erschöpfung

Was also locker beginnt, entwicklelt sich für die Testperson unweigerlich zur Tortur. Wirklich alles aus seinem Körper herauszuholen ist nie leicht und der Moment der totalen Erschöpfung nicht schön. Aber: Man wird ja belohnt mit einem Resultat. Einem unbestechlichen Endergebnis, auf dessen Grundlage man klar sieht: Was kann ich? Wo kann ich mich verbessern?

In diesem Fall analysiert Björn: Die anaerobe Schwelle des Probanden liegt bei 287 Watt, macht umgerechnet auf das Körpergewicht einen Wert von 3,35 Watt/kg. "Eine gute Ausgangsbasis, um zum Beispiel an einem Radmarathon teilzunehmen", findet Björn. In dieser Kategorie kennt er sich aus, denn seine Kunden kommen genau aus dieser Klientel. "Beim diesjährigen Ötztaler Radmarathon starten etwa 80 Sportler, die unsere Kunden sind. Rund 50 von ihnen begleiten wir schon das ganze Jahr. Haben sie analysiert, ihre Trainingspläne geschrieben und die sportliche Entwicklung betreut."

Triathlon wird zum Trendsport

Neben dem Rad-Ausdauersport, der sich in den letzten Jahren vor allem bei 30-50 Jährigen zu einem Trendsport entwickelt hat, finden Björn und seine Mitstreiter zuletzt zunehmend beim Triathlon ihre Kunden. "Da hat ein massiver Aufschwung stattgefunden. Das machen immer mehr Leute. Ein echter Trend-Sport", hat Björn beobachtet, der allerdings auf regionale Unterschiede hinweist: Während im Raum Köln seine Kunden noch hauptsächlich reine Radsportler sind, kommen in der Filiale in Hamburg mittlerweile über 50 Prozent seiner Kunden aus dem Triathlon-Bereich.

Acht Minuten Zeitgewinn in Alpe-d' Huez

Um die 3,35 Watt/kg-Schwelle des heutigen Aspiranten einzuordnen und zu verdeutlichen, was da leistungsmäßig bei entsprechendem Training machbar ist, bringt Björn ein Beispiel: Würde der Proband mit den heutigen Voraussetzungen den Anstieg von L'Alpe-d'Huez in Angriff nehmen, bräuchte er für die 13,8 Kilometer mit durchschnittlich 7,9 Prozent Steigung 1:10 Stunden. Realistisch betrachtet könnte man bei entsprechendem Training die anaerobe Schwelle in den nächsten Wochen um zehn Prozent nach oben verschieben. Würde bedeuten: Dann führe der Sportler den legendären Alpen-Anstieg in 1:02 Stunden. Acht Minuten schneller.

Ein lohnenswertes Ziel, das allerdings auch seinen Preis hat. Institute wie STAPS sind Dienstleister, sie machen diese Dinge nicht nur aus Spaß an der Freud. Eine Analyse wie die Beschriebene schlägt einmalig mit etwa 250 Euro zu Buche. Wird nicht so häufig allein in Anspruch genommen, denn den echten Mehrwert in der Zusammenarbeit mit dem Institut erhält man ja mit der anschließenden Betreuung mit dem Ziel Leistungsverbesserung. Üblich ist also eine ganz- oder halbjährige Betreuung mit Trainingsprogramm und Trainerkontakt. Die kostet monatlich 150 bis 170 Euro. Alle Diagnosen sind in diesem Preis eingeschlossen. Kein Pappenstiel. Aber es locken damit immerhin acht Minuten Zeitgewinn in Alpe-d'Huez.

Stand: 06.07.2018, 11:17

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