Tour de France - Ineos-Doppelsieg auf schwerer Bergetappe

Richard Carapaz und Michal Kwiatkowski

18. Etappe

Tour de France - Ineos-Doppelsieg auf schwerer Bergetappe

Das bei dieser Tour gebeutelte Team Ineos hat auf der 18. Etappe der Tour de France einen Doppelsieg gefeiert. Arm in Arm rollten Michal Kwiatkowski und Richard Carapaz über die Ziellinie, der Pole hatte dabei hauchdünn das Rad vorn.

Der 30-jährige Kwiatkowski holte sich nach 175 Kilometern von Méribel nach La Roche-sur-Foron am Donnerstag (17.09.2020) den ersten Etappensieg bei einer Tour de France überhaupt.

"Das ist einer dieser Tage, an denen man seinen Dank kaum ausdrücken kann. Ich hatte sicher schon einige schöne Momente im Radsport, aber das ist eine neue Erfahrung", sagteder Tagessieger, "wir hatten heute einfach die besten Beine."

Roglic auf dem Weg zum Gesamtsieg

Dritter wurde der Belgier Wout Van Aert (Jumbo-Visma/+ 1:51 Minuten). Tour-Spitzenreiter Primoz Roglic (Slowenien/Jumbo-Visma) verteidigte das Gelbe Trikot erfolgreich und machte einen weiteren Schritt zum Gesamtsieg. Im Gesamtklassement änderte sich an der Spitze quasi nichts.

18. Etappe - der letzte Kilometer Sportschau 17.09.2020 04:27 Min. Verfügbar bis 17.09.2021 Das Erste

Schotterpiste, fünf Bergwertungen und dichte Staubwolken - die achtzehnte Etappe der Tour hatte es wie erwartet in sich. In Blickweite des Mont Blanc begann das Rennen direkt mit Attacken. Für viele Teams war diese Etappe schließlich prädestiniert, um die eigene durchwachsene Bilanz noch mit einem Etappensieg aufzupolieren - darunter natürlich auch Ineos.

Greipel gibt auf, Hirschi stürzt unglücklich

In einer früh abgesetzten großen Spitzengruppe waren daher neben Nikias Arndt (Sunweb) und Simon Geschke auch Kwiatkowski und Carapaz dabei. Genau wie der Schweizer Marc Hirschi, der im Kampf ums Bergtrikot noch Chancen sah. André Greipel, der sich schon vor dem Start nicht gut gefühlt hatte, musste bereits nach 37 Kilometern aufgeben. "Mir geht es nicht gut. Jeder mit gesundem Menschenverstand legt sich ins Bett", sagte Greipel am Sportschau-Mikrofon und beendete sein wohl letztes Tour-Abenteuer.

In hohem Tempo ging es weiter, eine Fünfergruppe um Hirschi, Kwiatkowski und Carapaz konnte sich absetzen. Hirschi rutschte dann nach knapp 100 Kilometern in einer Kurve weg - stieg aber wieder auf und machte sich an die Verfolgung der anderen Fahrer der Spitzengruppe, die nur noch aus Kwiatkowski, Carapaz und Pello Bilbao bestand. Richtig heran kam er aber nicht mehr.

Carapaz fährt ins Bergtrikot

Bilbao konnte das Tempo des Ineos-Duos beim Anstieg zum Plateau de Glières schließlich auch irgendwann nicht mehr mitgehen. Carapaz war zu diesem Zeitpunkt die Übernahme des Bergtrikots quasi schon sicher, der fulminant kämpfende Hirschi konnte den Abstand nicht mehr entscheidend verkürzen. Emanuel Buchmann und Lennard Kämna mussten indes etwa zur selben Zeit aus dem Feld abreißen lassen, das schließlich nur noch aus etwa 30 Fahrern bestand. Auch Rigoberto Uran, Alejandro Valverde und Adam Yates hatten größere Probleme.

Im Favoritenfeld verblieben zu diesem Zeitpunkt noch Primoz Roglic, Tom Dumoulin, Sepp Kuss, Wout Van Aert (Jumbo-Visma), Enric Mas (Movistar), Richie Porte (Trek-Segafredo), Tadej Pogacar (UAE) und der gestrige Etappensieger Miguel Ángel López (Astana). Währenddessen sicherte sich Carapaz die 20 Punkte der letzten Bergwertung des Tages und holte sich damit auch das gepunktete Trikot, das er aber zumindest theoretisch noch verlieren könnte. Beim Zeitfahren am Samstag werden noch einmal bis zu zehn Punkte an der Planche des Belles Filles vergeben. Porte hatte dann (mal wieder) Pech: Ein Defekt am Vorderrad sorgte dafür, dass der Australier ordentlich Zeit verlor und sich kraftraubend zurückkämpfen musste.

18. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 17.09.2020 05:47 Min. Verfügbar bis 17.09.2021 Das Erste

Arm in Arm durchs Ziel

Bilbao "opferte" schließlich seinen dritten Platz für Bahrain-Teamkollege und -Kapitän Mikel Landa und ließ Hirschi passieren, der mal wieder zum kämpferischsten Fahrer gewählt wurde. Der Schweizer gliederte sich aber ebenfalls wieder in die Gruppe um Roglic ein. Im abgehängten Feld rund um Sam Bennett im Grünen Trikot schaffte zu diesem Zeitpunkt auch der zwischenzeitlich weit zurückgefallene Roger Kluge den Anschluss an Buchmann und Co. und blieb somit auch in der Karenzzeit. Währenddessen knobelte das so dominante Führungsduo offenbar in Gesprächen mit der Teamleitung den Sieger aus und rollte schließlich Arm in Arm durchs Ziel.

Die 19. Etappe am Freitag

Thema in: Sportschau, Das Erste, Donnerstag, 17.09.2020, 16.15 Uhr.

red; mit dpa und sid | Stand: 17.09.2020, 17:28

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