Buchmann auf Augenhöhe mit den Favoriten

Emanuel Buchmann

Erste Bergankunft der Tour de France

Buchmann auf Augenhöhe mit den Favoriten

Von Michael Ostermann (La Planche des Belles Filles)

Die erste Bergankunft der Tour de France in La Planche des Belles Filles gibt erste Fingerzeige auf die Favoriten für den Gesamtsieg. Zu den Gewinnern zählt Emanuel Buchmann, der auf Augenhöhe mit den Besten ist.

Hält das Gesetz der Serie, dann heißt der Sieger der Tour de France 2019 Giulio Ciccone. Ein 24 Jahre alter Italiener aus Chieti in den Abruzzen. Ciccone trägt nach der 6. Etappe nach La Planche des Belles Filles das Gelbe Trikot. Es ist das vierte Mal, dass auf diesem Gipfel in den Vogesen eine Touretappe endete. Und bisher war es immer so, dass jener Profi, der nach der Ankunft dort in Gelb gekleidet war, das Maillot Jaune auch in Paris getragen hat.

Erste Fingerzeige auf die Favoriten

Ohne Ciccone zu nahe zu treten, darf man aber behaupten: So wird es diesmal nicht kommen. Der Profi vom Team Trek-Segafredo gibt sein Tourdebüt und hat im Mai bereits den Giro d’Italia bestritten, wo er einen Etappensieg feierte, das Bergtrikot gewann und den er auf Rang 16 beendete. Das ist aller Ehren wert, aber der Toursieg ist dann wohl doch eine Nummer zu groß.

Buchmann: "Top Ten ist das Ziel"

Sportschau 11.07.2019 01:04 Min. Verfügbar bis 11.07.2020 ARD

Es bleibt also vorerst offen, wer Gelb nach Paris tragen wird. Aber dennoch hat die erste Bergankunft der Tour de France 2019 erste Fingerzeige gegeben über die Verfassung der Klassementfahrer. Am Ende eines spektakulären Finales gab es Gewinner und Verlierer.

Buchmann gehört zu den Gewinnern

Zu den Gewinnern zählte definitiv Emanuel Buchmann, der ein bravouröses Rennen fuhr. Der Ravensburger kam als Achter mit einem Rückstand von 1’51 Minuten auf den Etappensieger Dylan Theuns ins Ziel geklettert. Doch dieser Abstand war nicht entscheidend. Buchmann will unter die ersten zehn der Gesamtwertung fahren und deshalb sind die Vergleichsgrößen keine Geringeren als die Mitfavoriten auf den Gesamtsieg. Und man kann feststellen: Er ist auf Augenhöhe.

Buchmann erreichte das Ziel zeitgleich mit dem Kolumbianer Nairo Quintana und mit zwei Sekunden Vorsprung auf dessen Landsmann Egan Bernal sowie den Dänen Jakob Fuglsang, die beide als erste Anwärter auf den Toursieg gelten.

"Ich war in den Rennen vorher auch schon auf diesem Niveau, deswegen ist das keine richtige Überraschung für mich. Aber es ist natürlich gut, dass es jetzt bei der Tour auch soweit ist", sagte Buchmann, als er nach dem brutalen letzten Kilometer wieder genug Luft hatte.

Die Streckengestalter hatten die Zielankunft in La Planche des Belles Filles um einen Kilometer verlegt und damit eine steile Rampe eingebaut, die auf den letzten 150 Metern 24 Steigungsprozente aufwies. "Die letzten Meter waren richtig hart, zumal wir da alle schon im Arsch waren", erzählte Buchmann.

Verlierer Romain Bardet

Der 26-Jährige war allerdings bei weitem weniger kaputt als etwa der Franzose Romain Bardet, der einfach auf der Ziellinie stehen blieb und kaum noch die Kraft hatte, sein Hinterrad über den Strich zu bringen, um die Zeitmessung auszulösen.

Bardet war am Ende eine Minute langsamer als Buchmann und darf seine Hoffnungen auf einen Platz auf dem Podium in Paris wohl schon begraben. Schon im Mannschaftszeitfahren auf der zweiten Etappe hatte er viel Zeit eingebüßt. Die Hoffnungen der Franzosen werden sich nun also ganz auf Thibaut Pinot konzentrieren, der zwei Sekunden schneller war als Buchmann und Quintana.

Pinot und Thomas setzen Zeichen

"Es sind erst sechs Etappen vorbei und deshalb noch viel zu früh, Prognosen zu stellen", wiegelte Pinots Teamchef bei Groupama-FDJ, Marc Madiot, Fragen nach der Aussagekraft des Ergebnisses ab. Pinot, der unweit vom Schlussanstieg des Tages zuhause ist, hatte drei Kilometer vor dem Ziel einen seiner Helfer nach vorne geschickt, um das Tempo in der Favoritengruppe zu forcieren. So etwas darf man als klares Zeichen an die Konkurrenz verstehen. "Ich bin mein Rennen gefahren und bei den Besten gewesen, ich bin zufrieden", sagte Pinot.

Bei einer Rundfahrt wie der Tour de France kommt es nicht alleine auf die Beine, sondern auch darauf an, der Konkurrenz Stärke zu signalisieren. Ein solches Statement gab auch der Vorjahressieger Geraint Thomas ab, der auf dem steilsten Stück antrat und gemeinsam mit Pinot zwei Sekunden Vorsprung auf Buchmann und Quintana herausfuhr. Diskussionen über mangelnde Form dürften sich damit vorerst erledigt haben. "Es hat sich ganz gut angefühlt", fand Thomas.

Alles noch eine Sache von Sekunden

Allerdings konnte das Team Ineos dem Rennen nicht wie gewohnt am ersten Tag in den Bergen den Stempel aufdrücken. Der Niederländer Wout Poels, sonst einer der stärksten Helfer im steilen Gelände, fiel schon am vorletzten Anstieg zurück, so dass Thomas und der junge Bernal am Ende nur noch den Polen Michal Kwiatkowski an ihrer Seite hatten. Drei Kilometer vor dem Ziel war das Kapitäns-Duo des formaligen Teams Sky dann ganz auf sich alleine gestellt.

Das mag noch nichts bedeuten, zumal die Abstände zwischen den Favoriten sich noch in Sekunden bemessen. Thomas jedenfalls führt die Riege der Sieganwärter derzeit an. Sein Rückstand auf Giulio Ciccone im Gelben Trikot beträgt 49 Sekunden. Emanuel Buchmann liegt weitere 33 Sekunden dahinter auf Rang zwölf. Von der angestrebten Top-Ten-Platzierung trennen ihn im Moment nur sieben Sekunden.

Die Streckenanimation der 6. Etappe Sportschau 28.06.2019 02:01 Min. Verfügbar bis 30.07.2020 Das Erste

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