Tour - Alaphilippe und Pinot in verschiedenen Zielen vereint

Julian Alaphilippe und Thibaut Pinot (r.)

Nach der 8. Etappe nach Saint-Étienne

Tour - Alaphilippe und Pinot in verschiedenen Zielen vereint

Von Michael Ostermann (Saint-Ètienne)

Frankreich feiert Thibaut Pinot und Julian Alaphilippe. Ihre gemeinsame Attacke auf der achten Etappe der Tour de France bringt zwar nicht den Etappensieg, aber Alaphilippe zurück ins Gelbe Trikot. Und auch Pinot rückt in der Gesamtwertung vor.

Geraint Thomas und Egan Bernal saßen auf der Rolle, von ihren Teamkollegen war am Bus von Ineos noch nichts zu sehen. Ein seltenes Bild bei der Tour de France in den vergangenen Jahren, zumal nach einem Tag im Mittelgebirge wie nach der achten Etappe von Mâcon nach Saint-Étienne. Noch erstaunlicher aber war, dass das Kapitäns-Duo bei Ineos auch vorher schon auf der Strecke isoliert gewesen war und Zeit verlor - zumindest auf einen der Mitfavoriten, auf Thibaut Pinot.

Pinot macht 28 Sekunden gut

20 Sekunden hatte Pinot im Ziel auf die anderen Mitbewerber um den Gesamtsieg gut gemacht und dazu dort noch sechs Bonussekunden für Platz zwei hinter dem Etappensieger Thomas De Gent eingesammelt. Zwei weitere Sekunden bekam er dafür gut geschrieben, dass er am letzten Anstieg des Tages als Dritter an der Bergwertung ankam. 28 Sekunden insgesamt, einfach weil er eine Chance ergriffen hatte.

"Es fühlt sich an wie ein Etappensieg", sagte Pinot in Saint-Étienne. In der Gesamtwertung rückte er damit auf Rang drei vor. Dort liegt Pinot nun 53 Sekunden hinter seinem Landsmann Julian Alaphilippe, der sich das Gelbe Trikot von Giulio Ciccone zurückholte und den Italiener auf Rang zwei verdrängte. Aber vor allem machte Pinot aus einem neun Sekunden Rückstand einen Vorsprung von 19 Sekunden auf Geraint Thomas, den Titelverteidiger.

PInot ist gewillt die Chancen zu ergreifen

"Wir haben unnötig Zeit verloren, aber es ist noch viel Radrennen zu fahren", sagte Thomas, der 15 Kilometer vor dem Ziel von einem Sturz aufgehalten worden war und sich alleine zurück in die Gruppe der Favoriten kämpfen musste, aus der Julian Alaphilippe und Pinot kurz darauf zum Angriff ansetzten. Tatsächlich sind die Sekundenspiele in der ersten Woche noch nicht entscheidend. "Die Gesamtwertung wird in der zweiten und dritten Woche gemacht", gab auch Emanuel Buchmann zu bedenken, der mit dem Favoritenfeld ins Ziel gekommen war und in der Gesamtwertung auf Rang zehn vorrückte.

Dennoch ist Pinots Zeitgewinn ein Zeichen, dass er gewillt ist, die Chancen zu ergreifen, die Tourdirektor Christian Prudhomme und sein Streckenchef Thierry Gouvenou den Mutigen mit der Gestaltung des Kurses auf die Straße legen. "Die Mannschaften haben ihre Fahrweise verändert, fahren defensiver, fast nur noch für ihren Kapitän und kaum noch auf Angriff“, hat Gouvenou der ARD erzählt: "Deswegen suchen wir passende Strecken aus, um diese Taktik zu zerschlagen."

Alaphilippe zieht Pinot mit

Es braucht aber auch Fahrer, die diese Gelegenheit wahrnehmen. So einer ist Julian Alaphilippe, den es mächtig gewurmt hatte, dass Ciccone ihm auf der sechsten Etappe in La Planche des Belles Filles das Gelbe Trikot um sechs Sekunden entrissen hatte. Und diese Etappe nach Saint-Étienne war mit ihrem ständigen Auf und Ab und fast 4.000 Höhenmetern ideal für einen Baroudeur wie ihn mit seinem explosiven Antritt.

"Ich wusste, ich muss im letzten Anstieg attackieren und war dort ganz auf den letzten Kilometer fokussiert. Ich war dort unter den ersten Fünf, habe die Bergewertung gesehen und habe gedacht: Jetzt oder nie", erzählte Alahilippe im Ziel: "Ich hatte nichts zu verlieren." Das galt für Pinot nicht, der aber dennoch Alaphilippes Attacke mitging. "Das war nicht vorgesehen, aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, muss man es machen", sagte Pinots Sportlicher Leiter bei Groupama-FDJ Philippe Mauduit.

Französische Kooperartion auf den letzten Kilometern

Auf den letzten 13 Kilometern arbeiteten die beiden Franzosen dann zusammen, vereint mit unterschiedlichen Zielen. "Es war ein herrliches Finale. Das ist Radfahren wie es sein muss", geriet Alaphilippe später ins Schwärmen über die französische Kooperation: "Für Thibaut zählte das Gesamtklassement, für mich das Gelbe Trikot."

Alaphilippe, der Bergkönig des vergangenen Jahres, wehrte sich in Saint-Étienne weiter dagegen, dass auch er eine Rolle spielen könnte im Gesamtklassement. "Darüber mache ich mir keine Gedanken, ich sehe von Tag zu Tag", sagte er. Soll Pinot doch die Hoffnungen der Franzosen auf einen Toursieg alleine auf seinen Schultern tragen. In dessen Lager versuchte man aber ebenfalls die Erwartungen nicht zu groß werden zu lassen. "Es ist noch nicht die Zeit, euphorisch zu werden, bis zu den Champs Élysées ist es noch weit", erinnerte Sportdirektor Philippe Mauduit.

Thomas: "Pinot ist eine wirkliche Gefahr"

Die Franzosen werden entlang der Strecke dennoch kaum zu bremsen sein am Sonntag, wenn einer der ihren am französischen Nationalfeiertag das Gelbe Trikot trägt. Für Geraint Thomas sind sowohl Alaphilippe als auch Pinot ernstzunehmende Gegner. "Beide haben einen super Punch im Moment. Sie fahren wirklich gut und sind die Jungs, die man schlagen muss", sagte Thomas und bezeichnete vor allem Pinot als "eine wirkliche Gefahr". Vor allem weil er offenbar gewillt ist, die Chancen zu nutzen, die sich ihm bieten. Gleiches gilt für Alaphilippe.

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