Markenzeichen der Sportschau

50 Jahre Tor des Monats - eine "tolle Erfindung" in der ReTORspektive

Stand: 26.03.2021, 12:00 Uhr

Das "Tor des Monats" wird 50 Jahre alt, und nicht nur Karl-Heinz Rummenigge findet, dass es eine "tolle Erfindung" ist. Die Sportschau zeigt die besten, kuriosesten und rührendsten Geschichten aus dem halben Jahrhundert in einem Film. Eine ReTORspektive.

Von Marcus Bark

Es gibt einfache Tore, kuriose Tore, aberkannte Tore, schöne Tore, wichtige Tore, ganz wichtige Tore, Tore zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt, überflüssige Tore, Beinahe-Tore, Eigentore und vermutlich noch ein paar mehr.

Es gibt auch die außergewöhnlich schönen Tore, die heutzutage auch megageile Tore genannt werden dürften. Aber diese Tore heißen anders. Sie heißen "Tor des Monats". Das reicht als Beschreibung. Damit kann in Deutschland jeder etwas anfangen. Das "Tor des Monats" ist ein feststehender Begriff, eine Marke. Oder, wie Karl-Heinz Rummenigge sagt: "Eine tolle Erfindung."

Postsäcke, Apfelsinen, Kommunikationspannen

Diese Erfindung liegt allerdings jetzt schon ein halbes Jahrhundert zurück. Das "Tor des Monats" wird 50 Jahre alt. Von Gerhard Faltermeier bis Erling Haaland reicht die Geschichte, auf die Namen des ersten und 557., aktuellen Torschützen des Monats reduziert.

Aber zur Geschichte gehört viel mehr, natürlich auch Torschützinnen, ein Abseitstor, Eigentore, Postsäcke, Apfelsinen, Gefängnisinsassen und Kommunikationspannen. Viele dieser Geschichten werden am Sonntag (28.03.2021) ab 18.30 Uhr im Ersten zu sehen sein. "50 Jahre Tor des Monats - eine ReTORspektive", heißt der Film von Claus Lufen und Marc Schlömer.

Sie erzählen die Geschichte mit der Hilfe von Klaus Schwarze, ohne den es diese auch gar nicht geben würde. Schwarze flog Anfang der 70-er Jahre häufig nach London. Fußballspiele von der Insel wurden schon damals sonntags in der Sportschau gezeigt. In der BBC lief samstags die ebenso populäre Sportsendung "Grandstand", und die entließ den Zuschauer stets mit einer besonderen Szene des Tages. Das sei eine gute Idee, fand Schwarze. Aber Abkupfern sei keine gute Idee, dachte er. Daher habe Schwarze sich im Flieger ein anderes Konzept überlegt.

251.450 Postkarten bei der ersten Wahl

Die Kollegen bei der Sportschau fanden es gut, aber der damalige Sportchef Ernst Huberty gab zu bedenken, dass dann weniger Sendeplatz für aktuelle Berichte sei. Als das aktuelle Programm ein bisschen dünn gewesen sei, habe der Testballon steigen können. "Ich bin schon etwas stolz drauf", sagt Schwarze heute. "Seine" tolle Erfindung wurde am 4. April 1971 zum ersten Mal ausgestrahlt. Exakt 251.450 Zuschauerinnen und Zuschauer hatten abgestimmt, selbstverständlich per Postkarte.

"WDR-Sportschau, Tor des Monats, Postfach, 5000 Köln 100." Die Generationen Ü40 dürften diese Adresse als Kindheitserinnerung noch heute runterrattern können wie Texte von den Beatles und Heino.

Ein Schatz in Ordnern

Das Wissen um die Zahl 251.450 und viele weitere wäre vor ein paar Jahren beinahe verloren gegangen. Beim Umzug der Sportschau innerhalb Kölns sollten die alten Ordner vernichtet werden, aber Christian Riewe bemerkte es rechtzeitig. "Es gibt nur diese Notizen. Da ist nichts digitalisiert. Deshalb müssen wir diesen Schatz hüten", sagt der Redakteur der Sportschau, der heute für das Tor des Monats verantwortlich ist. Weil die Masse an Postkarten oft nicht von der Redaktion zu bewältigen war, holte sie sich einst Hilfe von weiblichen Gefangenen der Kölner Justizvollzugsanstalt, im Volksmund Klingelpütz genannt.

Das ist eine von etlichen Anekdoten, die in 50 Jahren zusammengekommen sind. Zu ihnen gehört auch, dass mal ein Abseitstor zur Auswahl gestellt wurde. Jupp Heynckes, damals Trainer von Borussia Mönchengladbach, bemerkte den Fehler und wies Klaus Schwarze darauf hin. Ein früher Videobeweis.

Egal ob Weltstar oder Verbandsligist

Erst 1996 wurden die Postkarten vom Telefon abgelöst, inzwischen wird zusätzlich online über das "Tor des Monats" abgestimmt. Die Erkennungsmelodien haben sich im Lauf der Jahrzehnte auch geändert, die Preise sind hochwertiger geworden. Von Eintrittskarten zu Fußballspielen inklusive der Reisen über Autos und Kreuzfahrten hin zum Wohnmobil.

Geblieben ist der Reiz, das schönste Tor eines Monats zu küren - egal ob auch künftig vom Weltstar geschossen, der Torhüterin aus der 2. Bundesliga Nord oder dem Verteidiger aus der Verbandsliga, der mit einem Befreiungsschlag aus 60 Metern trifft.

Eine ganz besondere Medaille

"Es ist immer noch eine schöne Auszeichnung", sagt Karl-Heinz Rummenigge, der sechsmal das "Tor des Monats" erzielte. Damit liegt er auf dem geteilten dritten Rang. Die Liste führt Lukas Podolski an, der schon zwölfmal die Medaille erhielt.

Eine ganz besondere Medaille wird bald im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zu sehen sein. Es ist jene, die der 2009 verstorbene Gerhard Faltermeier 1971 erhielt. Die ganze Geschichte dahinter wird ab Samstag (27.03.2021) bei sportschau.de zu sehen sein. Online first.

Kaum noch etwas ist so, wie es damals war, als Klaus Schwarze die Filmrollen aus England mit dem Flieger nach Köln holte. Das "Tor des Monats" aber, das ist geblieben. Und es wird auch bleiben. Ganz sicher.

"50 Jahre Tor des Monats - ReTORspektive", Sonntag, 28.03.2021, 18.30 Uhr, ARD Sportschau - ab Samstag vorab online auf sportschau.de und in der ARD-Mediathek

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