Barbara Rittner - die ewige Tennis-Bundestrainerin

Barbara Rittner schaut lächelnd zu Angelique Kerber (unscharf)

Tennis | Deutscher Tennis Bund

Barbara Rittner - die ewige Tennis-Bundestrainerin

Von Jörg Strohschein

Barbara Rittner bleibt Chef-Trainerin der deutschen Tennis-Frauen. Die Aufgabe wird für die 48-Jährige wohl kniffliger als zuletzt. Die deutschen Damen benötigen eine Leistungs-Offensive.

Die Meldung rankte ganz oben auf ihrem Twitter-Account. Barbara Rittner wird bis zum Ende des Jahres 2023 Chef-Bundestrainerin des Deutschen Tennis Bundes (DTB) bleiben. Die 48-Jährige ist damit weiterhin wichtigste Ansprechpartnerin für alle Mädchen und Frauen, die in Deutschland professionell auf höchstem Niveau Tennis spielen wollen. Darauf wollte sie offenbar auch selber hinweisen.

Seit 2005 hat sie bereits das höchste Amt im deutschen Damen-Tennis inne. Bis 2017 Fed-Cup-Chefin genannt, danach "Head of Womens Tennis". "Ich bin stolz und hochmotiviert, mich weiterhin in verantwortlicher Position für den DTB einzubringen. Ich tue dies mit klaren Ambitionen", sagte Rittner, die "ewige Bundestrainerin", in der Pressemitteilung des DTB.

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Rittner prägte eine äußerst erfolgreiche Zeit im deutschen Damen-Tennis. Sie half dabei mit, dass Angelique Kerber die Nummer eins der Welt wurde und drei Grand-Slam-Titel gewinnen konnte. Dass Andrea Petkovic und Julia Görges die Top-Ten der Welt erreichten und einige andere in die Weltspitze vordrangen. Auch wenn sie stets betonte: "Eine Steffi Graf wird es nicht mehr geben", begleitete sie dennoch eine "Goldene Generation", die in dieser ausgeprägten Form derzeit nicht in Sicht ist.

Riesiger Erfahrungsschatz

Auch Rittner selbst entwickelte sich aus ihrer Rolle heraus immer weiter. Sie wurde neben ihrer Tätigkeit beim DTB mehrfache Turnierdirektorin, drehte Werbe-Spots, agierte regelmäßig als Tennis-Expertin im Fernsehen bei Grand-Slams. Und sie findet häufig offene Worte, wenn es in der an kleineren und größeren Krisen nicht gerade armen Tenniswelt etwas zu besprechen gilt. Sie gilt als eigenwillig, aber klar in ihrer Wortwahl.

"Barbara Rittner verfügt über einen riesigen Erfahrungsschatz sowohl als Spielerin als auch als Bundestrainerin. Das macht sie zu einer hervorragenden Besetzung für diese Position und wir sind sehr froh darüber, dass sie ihre Kompetenzen weiterhin in den DTB einbringen wird", erklärt Präsident Dietloff von Arnim die Entscheidung des Präsidiums.

Erfahrungen aus allen Blickwinkeln

Rittner, die im Jahr 1991 den Jugendwettbewerb in Wimbledon gewann und später auf der WTA-Tour zwei Turniere für sich entscheiden konnte und bis auf Platz 24 der Weltrangliste vorrückte, kennt das Spiel tatsächlich aus allen Blickwinkeln. Umso mehr weiß sie, dass sie in den kommenden Jahren besonders gefordert sein wird, wenn sie an die Erfolge der vergangenen Jahre anzuknüpfen will.

1991: Barbara Rittner gewinnt Junioren-Wettbewerb in Wimbledon Sportschau 11.01.2022 01:05 Min. Verfügbar bis 11.01.2023 ARD

Denn in den Worten des DTB-Präsidenten steckt schließlich auch nicht viel weniger als die Erwartung, dass die zu entstehende (Leistungs-) Lücke schnellstmöglich geschlossen wird. Denn das Karriereende von Kerber (33) und Petkovic (34) liegt wohl nicht mehr in allzu weiter Ferne. Julia Görges (33) spielt bereits kein professionelles Tennis mehr.

Alle Personalmodelle durchgespielt

Eine nachfolgende Generation um Talente wie Annika Beck (Karriereende) oder Carina Witthöft und Antonia Lottner konnten sich nicht so weit vorarbeiten und an die Erfolge anknüpfen. Das Problem scheint zudem tiefer zu liegen.

"Ich wünsche mir von der nächsten Generation, dass die Spielerinnen noch öfters ihre Komfortzone verlassen. Es ist böse gesagt, eine verwöhnte – netter ausgedrückt eine sehr behütete Generation", sagte Rittner im November vergangenen Jahres: "Wenn ich Kerber, Petkovic und Co mit den jüngeren Spielerinnen vergleiche, dann haben einige ähnlich viel Talent, aber die Generation Kerber war härter zu sich. Ihre Erfolge waren das Resultat von Disziplin und Durchhaltevermögen. Und hier können sich die jungen Spielerinnen noch einiges abschauen. Aber sie sind auf einem guten Weg und arbeiten hart an sich."

Seit über 16 Jahren ist Rittner in ihrer Führungsfunktion beim Deutschen Tennis Bund. Wie überall wird nach so langer Zeit auch mal darüber nachgedacht, Veränderungen auf verantwortlichen Positionen herbeizuführen. Beim Verband wurden verschiedene Personalmodelle durchgespielt, so ist zu hören. Am Ende passte das Verbandskonzept am besten mit der bisherigen Chef-Trainerin zusammen.

Mit Barbara Rittner soll der Neuanfang im deutschen Damen-Tennis gestartet werden - in zwei Jahren sollen dann die ersten guten Ergebnisse zu sehen sein.

Stand: 11.01.2022, 20:40

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