Tennis | Australian Open

Die Australian Open und der Fall Peng Shuai

Stand: 25.01.2022, 13:42 Uhr

Der Fall um Chinas Tennisspielerin Peng Shuai hat auch die Australian Open erreicht. Die Veranstalter haben Proteste von Fans unterdrückt - und mussten nun nach heftiger Kritik aus Spielerkreisen zurückrudern.

Von Christian Mixa

Martina Navratilova ist immer noch sehr präsent auf der Tennis-Tour. Bei den Siegerzeremonien der großen Turniere oder als Expertin bei der BBC. Ihre nach wie vor große Popularität nutzt die 18-malige Grand-Slam-Siegerin auch dazu, immer wieder kritisch ihre Stimme zu erheben: für eine gerechtere Bezahlung, gegen Diskriminierung und Sexismus. Am Montag (24.01.2022) attackierte sie die Organisatoren der Australian Open, Navratilova bezeichnete das Verhalten der Turnierleitung als "erbärmlich".

Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet, dass es Zuschauern auf der Anlage untersagt wurde, T-Shirts mit dem Aufdruck "Where is Peng Shuai" zu tragen. Außerdem wurde ein Banner mit dem gleichen, inzwischen weltbekannten Protestslogan von Sicherheitskräften einkassiert.  

Fall Peng Shuai - jetzt auch bei den Australian Open

Da war es also wieder, das Thema, das die Tennis-Welt schon in den letzten Wochen des Jahres 2021 in Aufruhr versetzt hatte: Die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai war über Wochen unauffindbar, nachdem sie Chinas ehemaligem Vizepremierminister Zhang Gaoli in einem Social-Media-Beitrag sexuellen Missbrauch vorgeworfen hatte. Der Fall zog weltweite Proteste und Solidarisierungsbekundungen mit der Spielerin nach sich. Die westliche Politik forderte Aufklärung, von China - aber bald auch vom IOC, das im Februar die Olympischen Winterspiele von Chinas Einparteiendiktatur ausrichten lässt.

Das IOC unter dem deutschen Präsidenten Thomas Bach setzte gegenüber Peking auf "stille Diplomatie", so die vom IOC selbstbenannte Strategie, und veröffentlichte Bilder von einer Video-Schalte zwischen Bach und Peng Shuai.

Die WTA, die Dachorganisation der Profi-Tour der Damen, überzeugte dies ebensowenig wie ein anschließend veröffentlichtes Video-Interview mit einer Journalistin aus Singapur, bei dem Peng Shuai ihre Vorwürfe plötzlich zurückzog. Die WTA hat alle für 2022 angesetzten Turniere in China ausgesetzt und fordert weiter echte Beweise, von unabhängigen Stellen, dass die chinesische Spielerin tatsächlich wohlauf und in Freiheit sei.

Tennis Australia: "Keine kommerziellen oder politischen Aussagen"

Es war dann auch nur eine Frage der Zeit, bis der Fall bei den Australian Open aufschlug, und in Melbourne die ersten Fans auf den nach wie vor ungeklärten Verbleib von Peng Shuai hinwiesen. Tennis Australia, der Veranstalter der Australian Open, hatte sein rigoroses Vorgehen gegen die Proteste zunächst damit verteidigt, dass "Banner, Plakate oder Kleidungsstücke mit kommerziellen oder politischen Aussagen" beim Turnier verboten seien. Ein altbekanntes Argument im Sportbusiness, dem inzwischen aber Teile des Publikums und auch immer mehr kritische Athleten nicht mehr folgen möchten. Der Hinweis der Organisatoren großer Sportevents, die Politik möge bitte außen vor bleiben, ist immer dann besonders verdächtig, wenn enge Beziehungen mit autoritären Regimen im Spiel sind.

Bei den Protesten der Fans in Melbourne gab es für Tennis Australia nun Nachhilfe von Martina Navratilova: "Das sind keine politischen Aussagen. Das sind Aussagen über Menschenrechte", sagte Navratilova in einem amerikanischen Tennis-Kanal. Das Vorgehen der australischen Veranstalter im Fall Peng Shuai sei feige: "Sie kapitulieren von vornherein bei dem Thema und lassen sich von China diktieren, was bei ihrem eigenen Turnier passiert."

Enge Beziehungen zwischen Australian Open und China

Die Australian Open gelten auch als Grand Slam für die südliche Halbkugel und werden dementsprechend vermarktet. Unter den Großsponsoren des Turniers sind auch chinesische Unternehmen. Eins der Stadien im Melbourne Park ist sogar nach einer chinesischen Nobel-Spirituosenmarke benannt. Deren Namen benutzte der französische Spieler Nicolas Mahut dann auch gleich mal als Hashtag, als er bei Twitter ebenfalls gegen die Zensurpolitik in Melbourne protestierte: "Was soll das? Wie wenig Mut kann man haben. Hättet ihr das auch gemacht, wenn ihr keine Sponsoren aus China hättet", fragte Mahut an die Adresse der Veranstalter - und suggerierte damit ebenfalls, sie wären in vorauseilendem Gehorsam vor Chinas Regime eingeknickt. Als ein Manager der Houston Rockets im Jahr 2019 Menschenrechtsverletzungen in China kritisierte, hatten chinesische Großsponsoren, eng mit dem Regime verbunden, der NBA tatsächlich direkt mit Rückzug gedroht.

Tiley: "Protest auf T-Shirts erlaubt"

Die Veranstalter in Melbourne sahen sich angesichts der Vorwürfe aus Spielerkreisen nun genötigt, zurückzurudern. Das Tragen von "Peng-Shuai"-Shirts sei erlaubt, ließ Turnierchef Craig Tiley am Dienstag verlauten, schränkte dies aber auch gleich ein. Der Protest solle friedlich verlaufen, so Tiley: "Wenn sie kommen, um sich Tennis anzusehen, ist das in Ordnung. Aber wir können keine Störung des Turniers zulassen." Bleibt nur abzuwarten, was genau die Partner in China als Störung auffassen könnten.