Jubelt nach dem Sieg der French Open: Coco Gauff

Sieg bei French Open Gauff repräsentiert schwarzes Amerika in "schwierigen Zeiten"

Stand: 08.06.2025 16:48 Uhr

Es hätte ihr Moment ganz allein sein können. Aber US-Tennisspielerin Coco Gauff entschied sich nach dem Titelgewinn bei den French Open an die Menschen zu denken, die zuletzt von der amerikanischen Regierung benachteiligt wurden. Die 21-Jährige ist stolz, die Menschen zu repräsentieren, die so aussehen wie sie.

Von Julie Bärthel

Sie lächelte, legte ihre Hand auf ihr Herz und sang immer wieder Teile der US-amerikanischen Hymne mit. Die frisch gekürte Siegerin der French Open war sichtlich bewegt und das nicht nur wegen ihres zweiten Grand-Slam-Titels der noch jungen Karriere. Die 21-Jährige erinnerte sich bei der Zeremonie auf dem Philippe-Chatrier-Court an die Worte ihrer Mutter Candi Gauff. Deren Rat suchte die Tennisspielerin Ende 2024 während der WTA-Finals in Saudi-Arabien.

Nach dem Sieg der French Open: Coco Gauff wird von ihren Eltern geherzt

Nach dem Sieg der French Open: Coco Gauff wird von ihren Eltern geherzt

Der Grund dafür war, dass die politische Lage in den USA ihr in den vergangenen Monaten sehr zugesetzt hatte. Ihre Mutter riet ihr: "Gewinne einfach das Turnier, um den Menschen etwas zu geben, worüber sie lächeln können", erzählte die in Florida geborene Gauff über das Gespräch. "Daran habe ich auch heute gedacht, als ich den Pokal gehalten und die amerikanische Nationalhymne gehört habe."

Gauff unterstützt seit Jahren "Black Lives Matter"-Bewegung

Gauff stammt aus einer Familie, die sich seit Generationen für die Gleichberechtigung und andere Belange Schwarzer in den USA eingesetzt hat. Ihre Großmutter Yvonne Lee Odom war die erste schwarze Schülerin in der Highschool ihres Heimatortes in Florida und musste dafür gegen viele Barrieren ankämpfen. Gauff selbst setzt sich für die "Black Lives Matter"-Bewegung ein.

Coco Gauff jubelt nach dem Sieg bei Roland Garros zusammen mit Spike Lee

Coco Gauff jubelt nach dem Sieg bei Roland Garros zusammen mit Spike Lee

Die junge Frau reiht sich damit in eine Reihe von Sportlerinnen und Sportlern ein, die sich öffentlich immer wieder gegen die neue US-Regierung aussprechen. Am Tag ihres Triumphes in Paris war neben einigen anderen Prominenten auch Filmregisseur Spike Lee vor Ort. Der 68-Jährige hatte 2020 in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Trump führt das Land direkt in die Hölle." Beim Filmfestival in Cannes erneuerte der US-Amerikaner seine Kritik zuletzt.

Repräsentation für Menschen "die so aussehen wie ich"

Auch Gauff hält sich bei Kritik nicht zurück, obwohl sie im Rahmen der Pressekonferenz nie explizit einen Namen erwähnte. "Offensichtlich geht ja gerade in unserem Land eine Menge vor. Ich bin sicher, ihr wisst Bescheid", sagte die 21-Jährige auf die Frage eines Reporters, wie es sich anfühle und was es bedeuten würde, als US-Amerikanerin auf der Tour unterwegs zu sein. "Deshalb bedeutet es mir viel, dass ich hier Menschen in Amerika repräsentieren kann, die so aussehen wie ich, die sich in dieser Zeit vielleicht nicht so unterstützt fühlen", führte Gauff weiter aus. Diesen Menschen "ein bisschen Hoffnung und Licht" zu geben, sei ein gutes Gefühl.

Kurz nach der Präsidentschaftswahl 2024 twitterte die Nummer zwei der Welt: "Erlaubt euch zu fühlen, wie ihr euch in schwierigen Zeiten fühlt... besonders heute. Stützt euch mit euren Sorgen auf Gott. Er ist die höchste Macht. Vergesst das nicht." Mit dem ersten French-Open-Sieg einer US-Amerikanerin seit Serena Williams 2015 hat die junge Tennisspielerin ihren Teil dazu beigetragen, den Menschen in ihrer Heimat "ein bisschen Hoffnung und Licht" zu geben.

Fahnenträgerin bei den Olympischen Spielen in Paris zusammen mit LeBron Lames: Coco Gauff

Fahnenträgerin bei den Olympischen Spielen in Paris zusammen mit LeBron Lames: Coco Gauff

Denn trotz der Kritik ist der 21-Jährigen wichtig klarzustellen, dass sie stolz darauf ist, eine Amerikanerin zu sein. "Einige Leute sähen es vielleicht kritisch, aber ich bin definitiv patriotisch. Ich bin stolz darauf, die Amerikaner zu repräsentieren, die so aussehen wie ich und diejenigen, die die Dinge unterstützen, die auch ich unterstütze." Zuletzt hatte die US-Open-Siegerin von 2023 die amerikanische Flagge an der Seite von Basketball-Star Lebron James bei den Olympischen Spielen in Paris tragen dürfen.

Gratulationen von den Obamas - nicht von Trump

Der ebenfalls politisch sehr aktive NBA-Profi war nur einer von vielen Prominenten, der Gauff online zum Titel gratulierte, darunter auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama. Seine Frau Michelle twitterte: "Deine Entschlossenheit, Stärke und Anmut während der French Open haben uns alle inspiriert – und uns gezeigt, was möglich ist. Ich bin stolz auf dich!" Ob der aktuelle Amtsinhaber ebenfalls stolz ist, bleibt abzuwarten. US-Präsident Donald Trump hat sich nach Gauffs Erfolg noch nicht geäußert.