Serena Williams - Plötzlich doch wieder Favoritin

Serena Williams bei den French Open 2021

French Open in Paris

Serena Williams - Plötzlich doch wieder Favoritin

Von Volker Schulte

Serena Williams mag keine Ascheplätze und hat kaum Spielpraxis. Trotzdem steigen die Chancen, dass sie ausgerechnet bei den French Open das Ziel erreicht, für das sie sich auch mit 39 Jahren noch über die Plätze quält.

Vieles spricht dagegen, dass Serena Williams bei den derzeit laufenden French Open ihr lang ersehntes Ziel erreicht: den 24. Grand-Slam-Titel, mit dem sie den Rekord von Margaret Court einstellen würde. Da ist zum einen der verhasste Belag, die Asche. Über den sie in Paris laut "Süddeutscher Zeitung" ätzte: "Ich verstehe nicht, wie ich auf diesem Zeug spielen soll, ohne dass ich es mit diesen schlechten Absprüngen zu tun habe."

Da ist zum anderen die fehlende Matchpraxis. Nach den Australian Open im Februar pausierte sie und bestritt im Mai nur drei Spiele, von denen sie zwei verlor. So hatte sie kaum Gelegenheit, sich auf Asche einzuspielen.

Williams Startprobleme

Endsprechend holprig geriet der Start in die French Open: In Runde eins gegen Irina-Camelia Begu aus Rumänien wehrte sie im ersten Durchgang zwei Satzbälle ab (7:6, 6:2). In Runde zwei brauchte sie gegen Begus Landsfrau Mihaela Buzarnescu, die Nummer 174 der Welt, drei kräftezehrende Sätze (6:3, 5:7, 6:1).

So wäre es keine große Überraschung gewesen, wenn für Williams in Runde drei Schluss gewesen wäre. Denn Danielle Collins, die in der Weltrangliste auf Position 50 liegt, gilt als zähe Gegnerin. Doch Williams bestand den Härtetest im Duell der US-Amerikanerinnen, gewann am Freitag (04.06.2021) 6:4, 6:4 und kam dabei im zweiten Satz nach einem 1:4 Rückstand zurück.

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Top-Favoritinnen schon raus

Und plötzlich spricht doch wieder einiges dafür, dass Williams den seit 1973 bestehenden Grand-Slam-Rekord in Paris einstellt. Denn viele Top-Gesetzte sind schon raus: Ashley Barty (Position 1) gab verletzt auf, Naomi Osaka (2) zog zurück, Aryna Sabalenka (3) und Jelina Switolina (5) schieden in der dritten Runde aus.

So könnte am Ende Williams' immense Erfahrung doch noch den Unterschied machen. Bereits vor 19 Jahren hat sie bei den French Open den Titel geholt, diesen Triumph in den Jahren 2013 und 2015 wiederholt. 2016 stand sie noch einmal im Finale - danach kam ihre Babypause.

Rekordjagd nach Babypause

Dass sie nach der Geburt ihrer Tochter überhaupt wieder auf die Tour zurückgekehrt ist, hängt eng zusammen mit Courts Grand-Slam-Rekord. Seit 2018 jagt Williams dem einen noch fehlenden Titel hinterher - bisher vergeblich. Vier Mal scheiterte sie erst im Finale. Bei den French Open musste sie zweimal verletzt aufgeben und verlor 2019 in der dritten Runde gegen Sofia Kenin.

Jetzt steht Williams immerhin schon im Achtelfinale, wo sie am Sonntag auf die an Position 21 gesetzte Jelena Rybakina trifft. Auf dem Papier ist die Kasachin schon beinahe die schwierigste Aufgabe in der unteren Hälfte des Turnierbaums. Dort ist nach Williams (Position 7) Victoria Azarenka (15) die bestplatzierte Konkurrentin. Der Weg ins Finale scheint also machbar - und vielleicht schließt Williams am Ende ja sogar ihren Frieden mit dem ungeliebten Aschebelag.

Stand: 05.06.2021, 17:03

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