Angelique Kerber ist verärgert im Match gegen Aliaksandra Sasnowitsch bei den French Open

Tennis | French Open Angelique Kerber - Resignation auf Pariser Sand

Stand: 27.05.2022 18:08 Uhr

Angelique Kerber ist es wieder nicht gelungen, bei den French Open in Paris den Titel zu holen. Ob sie noch einmal beim größten Sandplatzturnier im Tennis-Kalender antreten wird, lässt sie offen.

Von Sebastian Hochrainer

Auch nach 15 Teilnahmen hat Angelique Kerber ihr Glück bei den French Open noch nicht gefunden. Nach dem Ausscheiden in der dritten Runde gegen Alexandra Sasnowitsch (4:6, 6:7) bleibt es dabei, dass bisher in Paris nicht mehr ging als das Erreichen des Viertelfinales 2012 und 2018.

Und so langsam stellt sich die Frage: Hat Kerber überhaupt noch das Zeug, auch das vierte Grand-Slam-Turnier in ihrer Karriere zu gewinnen?

Kerber verpasst das Achtelfinale der French Open

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Angelique Kerber: "Besseres Gefühl als letztes Jahr"

Steffen Gaa, Sportschau, 27.05.2022 07:37 Uhr

Weniger Druck, mehr Gelassenheit, aber kaum Erfolg

Die 34-Jährige war hoffnungsvoll in das größte Sandplatzturnier des Jahres gestartet, nachdem ihr auf diesem Belag in der vergangenen Woche der Finalsieg in Straßburg gelungen war. "Ich versuche, das Turnier dieses Jahr mit weniger Druck und etwas mehr Gelassenheit anzugehen", erklärte Kerber im Anschluss ihren Plan für Paris.

Ihr Ansatz sei "nicht mit den ganz großen Erwartungen und dem Gedanken, dass es mir noch in meiner Grand-Slam-Sammlung fehlt" anzutreten. Doch insgeheim startete sie zum wiederholten Male mit eben diesem Wunsch, die Sammlung zu komplettieren - und scheiterte.

Erneut raus in Paris - der Matchball gegen Angelique Kerber

Sportschau, 27.05.2022 08:00 Uhr

Optimistischer Blick nach vorne

"Ich bin traurig, dass es schon vorbei ist und hätte mir die ein oder andere Runde mehr gewünscht. Aber ich habe alles aus mir rausgeholt in den vergangenen Tagen", beteuerte Kerber nach ihrem vorzeitigen Aus und betonte, wie sehr sie sich auf das nächste Grand-Slam-Turnier in London (27. Juni bis 10. Juli) freue. "Ich bin froh, dass es jetzt auf Rasen geht. Das Kribbeln ist immer noch da, gerade jetzt auch mit Blick auf Wimbledon", sagte Kerber.

Die Hoffnungen darauf, dass Kerber an ihre erfolgreichsten Zeiten anknüpft, sie sind noch nicht verschwunden. Seit ihrem Wimbledon-Sieg 2018 gewann sie neben dem erwähnten Sieg in Straßburg nur ein kleineres Turnier in Bad Homburg im vergangenen Jahr.

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war sie 2016 mit den Titeln bei den Australian und US Open sowie dem Erklimmen der Nummer eins der Frauen-Weltrangliste.

Angelique Kerber mit der Wimbeldon-Trophäe 2018

Eine neue Generation beherrscht das Damentennis

Insgesamt 34 Wochen lang war Kerber in ihrer Karriere (tabellarisch) die beste Tennisspielerin der Welt. Aktuell muss sie sich mit Rang 17 zufriedengeben, wobei sie von einem großen Erfolg gefühlt noch weiter entfernt zu sein scheint als diese 16 Weltranglistenplätze.

Mit ihren 34 Jahren ist sie die älteste Spielerin in den Top 45, sie betonte zuletzt aber bereits "immer noch große Leidenschaft für den Sport zu haben". Kerber weiter: "Ich fühle mich gut, ich bin gesund, und ich habe immer gesagt, dass ich spiele, solange ich dieses Gefühl habe. Ich weiß, ich kann immer noch mithalten."

Waren das doch ihre letzten French Open?

Nicht nur in Paris ist sie den Beweis aber schuldig geblieben. Vielleicht klangen ihre Sätze nach der Niederlage am Freitag daher auch ein wenig zurückhaltender. "Es sind dieses Jahr noch zwei Grand-Slam-Turniere. Was danach kommt, werden wir sehen. Ich schaue nicht mehr so weit nach vorne", so Kerber auf die Frage, ob sie im nächsten Jahr wieder an den French Open teilnehmen werde.

Zumal die Beispiele der Tennisspielerinnen, die im fortgeschrittenen Alter noch große Erfolge erzielen konnten, zumindest in der jüngeren Vergangenheit rar gesät sind. Während bei den Herren für gewöhnlich die erfahrenen Novak Djokovic und Rafael Nadal (beide 35) zu den Titelfavoriten zu zählen sind, hat bei den Frauen die jüngere Generation schon lange die Oberhand.

Nur Williams schaffte, was Kerber schaffen will

Aktuell dominiert die 20-jährige Iga Swiatek das Frauentennis, 31 Spiele gewann sie in Folge und ist nach dem Rücktritt von Ashley Barty im Alter von 26 Jahren die unangefochtene Nummer eins in der Weltrangliste.

Einzig Serena Williams schaffte es in den vergangenen Jahren, im Kerber-Alter noch einen Grand Slam zu gewinnen. Bei ihrem letzten Titel bei den Australian Open 2017 war Williams 35 Jahre alt.

Die French-Open-Siegerinnen seit 2010
Jahr Siegerin Alter zu diesem Zeitpunkt
2021 Barbora Krejcikova 25
2020 Iga Swiatek 19
2019 Ashleigh Barty 23
2018 Simona Halep 26
2017 Jelena Ostapenko 20
2016 Garbine Muguruza 22
2015 Serena Williams 33
2014 Maria Scharapowa 27
2013 Serena Williams 31
2012 Maria Scharapowa 25
2011 Li Na 29
2010 Francesca Schiavone 29

Selbst Steffi Graf sah sich nicht in der Lage, im hohen Sportleralter noch große Erfolge feiern zu können. Kurz nach ihrem 30. Geburtstag beendete die beste deutsche Tennisspielerin (22 Grand-Slam-Siege) ihre Karriere, wenige Monate vorher war es ihr noch mal gelungen, die French Open zu gewinnen - nach zuvor zweieinhalbjähriger Durststrecke.