Hilfe! Wo sollen wir schwimmen?

Rettungspuppe DLRG

Rettungsschwimmer bei deutschen Meisterschaften

Hilfe! Wo sollen wir schwimmen?

Von Johannes Doerfert

Am Wochenende finden die deutschen Meisterschaften im Rettungsschwimmen statt. Unter mehr als 1.200 Schwimmerinnen und Schwimmern werden die schnellsten Lebensretter gekürt – doch die diesjährigen Meisterschaften zeigen auch aktuelle Probleme auf.

Eigentlich war alles geplant: Nach der Ausrichtung in Leipzig im vergangenen Jahr sollten die diesjährigen deutschen Mehrkampf-Meisterschaften im Rettungsschwimmen in Hannover stattfinden. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) befand das Stadionbad dort für den optimalen Ausrichtungsort – die Vorbereitungen konnten losgehen. Doch dann folgte im September die Kehrtwende: In Hannovers Stadionbad wurde akuter Sanierungsbedarf festgestellt – die Meisterschaften mussten nach Hagen verlegt werden.

"Akuter Sanierungsbedarf" – das hat man in den vergangenen Jahren häufig im Zusammenhang mit Schwimmbädern gehört. Tatsächlich ist die Entwicklung besorgniserregend: Seit 2000 musste in Deutschland jedes zehnte Schwimmbad schließen, in Nordrhein-Westfalen stellt im Schnitt jeden Monat ein Bad seinen Betrieb ein.

Letztes Training vor den deutschen Meisterschaften im Rettungsschwimmen

Sportschau 11.10.2019 01:58 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 ARD

Die Kommunen sind vom Spardruck getrieben und können sich Sanierungen häufig nicht leisten – Bund und Länder fördern den Erhalt aus ihrer Sicht unzureichend. Das führt dazu, dass Schulen häufig keine Bäder mehr für den Schwimmunterricht finden – der dann als Konsequenz ausfallen muss.

Immer weniger Kinder können schwimmen

Das Resultat: Immer weniger Kinder in Deutschland lernen schwimmen. Laut einer Studie des DLRG aus dem Jahr 2017 sind 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Wer Seepferdchen und Bronze-Abzeichen nicht mehr im Rahmen des Schulunterrichts machen kann, hat ein Problem – denn externe Schwimmkurse sind häufig überfüllt und teuer.

Dazu kommt das Problem, dass es nicht nur an Schwimmernachwuchs, sondern auch an Schwimmlehrernachwuchs mangelt. Diese brauchen einen DLRG-Schein und viele Schulen haben Probleme, Lehrer mit einer solchen Qualifikation zu finden.

Und dennoch ist der Andrang auf Freibäder ungebrochen: 2018 verzeichneten die deutschen Freibäder so viele Besucher wie nie zuvor – kein Wunder in solch einem heißen Sommer. Doch auch die Schwimm-Meister in den Freibädern sind überlastet und können sich vor Überstunden kaum retten.

DLRG-Nachwuchs in Hagen

Der Rettungsschwimmer-Nachwuchs kommt bei den deutschen Meisterschaften in Hagen zusammen – und macht untereinander in zahlreichen Disziplinen die schnellsten Schwimmer aus. Ob beim Hindurchtauchen unter einem Hindernis oder bei der Rettung einer Kunststoff-Puppe: Alle Disziplinen simulieren Szenarien, die in der Wirklichkeit Leben retten können.

Rettungsschwimmer trainieren für die deutschen Meisterschaften Sportschau 11.10.2019 01:50 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 Das Erste

800.000 DLRG-Mitglieder, 1.200 Meisterschaftsteilnehmer und zahlreiche ehrenamtliche Helfer – Rettungsschwimmen wird in Deutschland von einer breiten Basis gelebt. Damit das auch in Zukunft funktioniert, müssen Schwimmbäder allerdings saniert und erhalten bleiben – dann kann der Ausrichtungsort der deutschen Meisterschaften in Zukunft auch wieder besser geplant werden.

Stand: 11.10.2019, 17:03

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