Vorstellung in Leverkusen Xabi Alonso: "Bin bereit für Bayer"

Stand: 06.10.2022 17:24 Uhr

Xabi Alonso fühlt sich bereit für seinen ersten großen Job als Cheftrainer. Während der 40-Jährige zuvor andere Angebote ablehnte, passt das Engagement beim kriselnden Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen nun genau in seinen Plan.

"Ich habe auf den richtigen Moment gewartet und ich habe das Gefühl, es ist der richtige Moment. Meine Ambition und Motivation, dem Club zu helfen, sind groß", sagte der frühere spanische Weltklasse-Profi am Donnerstag bei seiner Vorstellung. Es sei eine große Ehre, bei so einem großen Club zu arbeiten.

Luise Kropff, Sportschau, 07.10.2022 22:37 Uhr

Alonso übernimmt für den entlassenen Gerardo Seoane und soll den auf Platz 17 abgerutschten Champions-League-Teilnehmer schnell wieder in die Erfolgsspur bringen. Auf die Frage, ob er denn auch mit der Möglichkeit rechne, mit Bayer in den Abstiegskampf zu geraten, musste ihm dieser deutsche Begriff erst einmal übersetzt werden.

Alonso will Siegermentalität erschaffen

Auch wenn die konkrete Antwort ausblieb, ist klar, dass sowohl Verein als auch Trainer andere Ziele verfolgen. Das wichtigste sei, dass die Spieler ihm Vertrauen und folgen. Neue Energien bei den Spielern zu schaffen, den Glauben an sich selbst zu festigen, viel Spaß am Fußball zu generieren - das seien die vorrangigen Aufgaben.

Die Spieler müssten wissen, dass du ihnen mit Deiner Erfahrung weiterhelfen kannst. Dominant, kontrolliert und intensiv soll das Bayer-Spiel werden. Mit klaren Angaben will er dem Team seine Strategie vermitteln und eine neue, große Siegermentalität erschaffen.

Erste Aufgabe erneut gegen Schalke

Für Alonso, dessen Vertrag in Leverkusen bis zum 30. Juni 2024 läuft, steht bereits am Samstag (15.30 Uhr) gegen Aufsteiger FC Schalke 04 die erste Bewährungsprobe an. Auch sein erstes Spiel in der Bundesliga als Profi mit dem FC Bayern München 2014 bestritt er gegen Schalke. Wie damals hat er kaum Zeit zum Einarbeiten.

"Zeit ist ein Luxus im Fußball. Wir haben viel zu tun, ich muss die Spieler kennenlernen und eine Verbindung herstellen, herausfinden, wie die Stimmung ist", sagte Alonso, der in einem Mix aus gebrochenem Deutsch und Englisch die Fragen der Journalisten beantwortete. Die Qualität im Team sei groß.

Rolfes: "Bin überzeugt von der Chance"

Der spanische Welt- und Europameister hat erst wenig Erfahrungen im Trainerbereich vorzuweisen. Der frühere Mittelfeldspieler coachte zuletzt drei Jahre lang die zweite Mannschaft des spanischen Erstligisten Real Sociedad San Sebastian, zuvor war er in der Jugend von Real Madrid tätig.

Doch Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes sieht in der mangelnden Erfahrung des 40jährigen Alonso als Chefcoach eines Profiteams nur wenig Risiko: "Jede Entscheidung hat ein Risiko und eine Chance. Ich bin überzeugt von der Chance", so Rolfes. Es gehe nicht um Erfahrung sondern um Qualität. Bayerns Trainer Julian Nagelsmann etwa sei deutlich gewesen, als er angefangen habe. "Jeder kennt seine Karriere. Man sieht und hört, dass sie ihm alle als Trainer auch eine große Laubahn zutrauen."

Boateng: "Hat alles, was ein Trainer braucht"

Einer davon ist Rio-Weltmeister Jerome Boateng. Der traut seinem ehemaligen Bayern-Mitspieler Xabi Alonso eine erfolgreiche Krisenbewältigung bei Bundesligist Bayer Leverkusen zu. "Er hat in meinen Augen alles, was ein Trainer braucht. Er ist sehr ehrgeizig und liebt den Fußball", sagte der Verteidiger von Olympique Lyon im Interview mit "Sport1" am Donnerstag. Der frühere Mittelfeld-Star der Münchener sei "ein toller Mensch" und "ein echter Gewinnertyp".

Mit dem FC Liverpool und Real Madrid gewann Alonso 2005 und 2014 die Königsklasse. Mit Spaniens Nationalteam triumphierte er 2008 und 2012 bei der EM, 2010 krönte er sich mit den Iberern in Südafrika zum Weltmeister. Als Trainer war Alonso zuletzt drei Jahre lang bei der zweiten Mannschaft des spanischen Erstligisten Real Sociedad San Sebastian tätig.

Rolfes: "Trainerwechsel zwingend notwendig"

Leverkusen hatte am Dienstagabend 0:2 in Porto verloren. Zuvor war schon der Start in die Saison in der Bundesliga missraten: Dort gewann die Werkself nur eines von acht Spielen. Zudem flog der Klub beim Drittligisten SV Elversberg aus dem DFB-Pokal.

"Leider sind wir vom Erfolgsweg abgekommen. Das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal, insbesondere aber die weit unter unseren Ansprüchen liegende aktuelle Bundesliga-Platzierung haben den Trainerwechsel aus unserer Sicht zwingend notwendig gemacht", hatte Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes den Schritt begründet.