Der Extremsportler Joseph Hess will in Rekordzeit den kompletten Rhein durchschwimmen.

WDR-Sport Rekordversuch: Rhein-Schwimmer Heß erreicht Bonn

Stand: 28.06.2022 19:34 Uhr

Der Extremsportler Joseph Heß will den kompletten Rhein durchschwimmen - von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in den Niederlanden. Am Dienstag erreichte er Bonn.

Heß startete am 11. Juni im schweizerischen Tomasee, der als Quelle des Rheins gilt. Der Chemnitzer will Anfang Juli im niederländischen Hoek van Holland ankommen - 1.232 Kilometer in 24 Tagen, acht bis zehn Stunden schwimmen pro Tag. Das wäre Rekord.

In Bonn wohnt Heß' Schwester Martha, die am Dienstag mit Essen auf ihren Bruder wartete - denn Heß hat seit dem Start bereits acht Kilogramm abgenommen. "Komplett irre. Ich meine, ich wohne jetzt schon seit drei Jahren in Bonn und laufe oft am Rhein lang, aber ich hätte nicht gedacht, dass mein Bruder hier mal durchschwimmt", sagte seine Schwester dem WDR.

Viele Hindernisse zu überwinden

In der vergangenen Woche musste der 34-jährige Heß einen Rückschlag hinnehmen. Hinter Straßburg litt Heß an einem Magen-Darm-Effekt und musste zwei Tage pausieren. Zudem erlitt ein Begleitboot einen Schaden. "Wir waren drauf und dran, die Tour abzubrechen", sagte Heß mit Blick auf den Schaden am Motorboot.

Damit all die Vorbereitungen und das Training nicht umsonst waren und weil auf die Schnelle kein Charterboot zu bekommen gewesen sei, habe er flugs ein gebrauchtes Boot gekauft.

Auch die Strömung habe ihn auf einem längeren Abschnitt des Flusses im Stich gelassen, erzählte Heß. Grund seien Schleusen gewesen. "Dann muss man sich jeden Kilometer zu 100 Prozent selbst aus der Schulter erarbeiten." Dabei habe er nicht nur 8 bis 10 Stunden am Tag, sondern bis zu 12 Stunden schwimmen müssen, um sein Soll zu schaffen.

Gefährlicher Schiffsverkehr

Dass die Tour auch wegen des regen Schiffsverkehrs nicht ungefährlich ist, habe er immer wieder erfahren, berichtete Heß. Gerade der Sog der Schiffe dürfe nicht unterschätzt werden. "Da wird einem ganz anders." Wenn es brenzlig zu werden drohe, dann lege er einen Stopp am Ufer ein oder gehe an Bord seines Bootes - auch bei besonders gefährlichen Flussabschnitten.

Die Strömung, Strudel und Schiffe sind lebensgefährlich. Auch deshalb musste er sein Projekt unter strikten Auflagen genehmigen lassen. Experten warnen Nachahmer: Schwimmen im Rhein sei nicht nur lebensgefährlich, sondern in vielen Bereichen auch verboten.

Menschen winken Heß zu

Der promovierte Wirtschaftsingenieur berichtete von etlichen interessanten Begegnungen bei seiner Tour. "Viele Menschen winken uns von Brücken und Schleusen zu." Eine Familie habe mit Keksen und Salzstangen am Ufer auf ihn gewartet.

Heß ist nicht er Erste, der den Rhein der Länge nach bezwingen will - mit nur 24 Tagen will er dies aber in so kurzer Zeit schaffen wie noch keiner vor ihm.

Auch im Dienste der Wissenschaft

Seine Aktion stellt er zudem in den Dienst der Forschung und arbeitet dazu mit Wissenschaftlern der sächsischen Hochschulen in Leipzig, Chemnitz und Mittweida sowie der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg zusammen. So sammelt er Wasserproben, die Erkenntnisse über den Zustand des Rheins liefern sollen.

"Viele versuchen es immer darauf zu reduzieren, die eigenen körperlichen Grenzen austesten. Aber das ist es überhaupt nicht, wir haben vier Forschungsinstitute dabei", sagte Heß dem WDR. "Es ist so ein bisschen der romantische Gedanke, das menschliche Wissen ein bisschen weiter zu bringen. Man war jetzt zwei Jahre im Homeoffice eingesperrt durch Corona, man hat wieder Lust wieder rauszugehen.“

Vor fünf Jahren ist Heß bereits den deutschen Teil der Elbe abwärts geschwommen: 620 Kilometer in zwölf Tagen.