Skeleton Olympiasiegerin Hannah Neise und Tischtennis-Europameister Dang Qiu

WDR-Sport NRW-Sportlerwahl 2022 - Neise und Qiu knapp vorn

Stand: 10.12.2022 21:07 Uhr

Seit mehr als zehn Jahren werden Sportlerinnen und Sportler aus Nordrhein-Westfalen, die sich in besonderer Weise hervorgetan haben, mit den FELIX-Awards ausgezeichnet. Sportliche Höhepunkte gab es in diesem Jahr reichlich: Olympischen Winterspiele in Peking, European Championships in München oder die Basketball-EM.

Gleich fünf Athletinnen und Athleten des OSP Westfalen nahmen beispielsweise eine Medaille von den Olympischen Winterspielen in Peking mit nach Hause. Darunter Überraschungs-Olympiasiegerin Hannah Neise aus dem Hochsauerland, die nun zur Sportlerin des Jahres gewählt wurde.

Mit der Verleihung der FELIX Awards würdigen das Land Nordrhein-Westfalen, der Landessportbund NRW und die Sportstiftung NRW sowohl den Spitzensport als auch herausragende Persönlichkeiten. 

Die FELIX Awards ehren nicht nur bekannte erfolgreiche Siegerinnen und Sieger. In der Kategorie Newcomerin/Newcomer sind noch weniger bekannte Namen zu finden.

Die Sieger 2022:

Sportlerin des Jahres: Hannah Neise

Sie war eine Sensation bei den Olympischen Winterspielen in Peking: Hannah Neise. Die 22-Jährige aus Arnsberg im Sauerland gewann als absolute Außenseiterin die Goldmedaille im Skeleton. Gleich bei ihrem Debüt setzte sie sich die Krone auf. Und das, ohne vorher jemals auf einem Weltcup-Podest gestanden zu haben.

Eher zufällig begann sie mit Skeleton: Sie hätte "keine Lust auf eine Englisch-Stunde gehabt" und ist zur Sichtung gegangen. Mit gerade einmal 14 Jahren belegte die Athletin des BSC Winterberg bei ihrer ersten DM einen respektablen 14. Platz.

Mit 15 kam dann das erste große Event: Olympische Jugendspiele. Hinter der Britin Asleigh Fay Pittaway gewann sie Silber. Nach ihrem Olympiasieg schaffte sie in der gerade begonnenen Saison einen weiteren richtungsweisenden Erfolg: In Whistler/Kanada gewann sie endlich auch ihr erstes Weltcup-Rennen.

NRW-Sportlerin des Jahres
Name Punkte Prozent
Hannah Neise 11510 35%
Konstanze Klosterhalfen 8168 25%
Jule Hake 6426 20%
Julia Krajewski 3735 11%
Mieke Kröger 2784 9%

Sportler des Jahres: Dang Qiu

Erstmals nominiert und gleich ganz vorn: Dang Qiu war für die NRW-Sportfans der beste Einzelsportler aus der Region in 2022. Eine logische Entscheidung, denn Qius Aufstieg in den letzten Monaten verlief beinahe kometenhaft. An Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll vorbei katapultierte er sich an die deutsche Einzel-Spitze, und holte bei der EM in München in diesem Jahr völlig überraschend den Einzeltitel.

Für Qiu, der aus einer Tischtennis-Familie stammt, begann alles schon in der Kindheit, Unter der Ägide seiner Eltern, die beide chinesische Nationalspieler waren und heute eine Tischtennis-Akademie in Nürtingen betreiben, entwickelte er sich rasch. Schon 2010 gewann er bei der Schüler-Europameisterschaft Bronze im Einzel. Der Weg ging langsam, aber stetig bergauf.

2021 wurde er von Borussia Düsseldorf verpflichtet, holte mit Nina Mittelham den EM-Titel im Mixed und konnte mit dem deutschen Team bei den Mannschafts-Europameisterschaften trotz des Fehlens von Boll und Ovtcharov Gold gewinnen. 2022 wurde er mit Düsseldorf Deutscher Mannschaftsmeister und bei den European Championships in München bei seiner ersten EM-Teilnahme im Einzel Europameister.

Sportler des Jahres
Name Punkte Prozent
Dang Qiu 9810 30%
Max Rendschmidt 9488 29%
Nico Pickert 6165 19%
Nelvie Tiafack 3755 12%
Bo Kanda Lita Baehre 3405 10%

Newcomer/in des Jahres: Nina Holt

Die Schwimmerin aus Erkelenz stand in der Kategorie Newcomerin zur Wahl. Die 19-Jährige stellte in diesem Jahr einen Weltrekord im Rettungsschwimmen auf und gewann vier Goldmedaillen bei den World Games.

Schwimmerin Nina Holt (r) mit Medallie

Schwimmerin Holt (r.) - Goldmedaillen in Serie

Bei den Deutschen Meisterschaften im Rettungsschwimmen stellte Holt im März einen neuen Weltrekord in der Disziplin "100 Meter kombinierte Rettungsübung" auf. Im Juli gewann sie bei den World Games - den Olympischen Spielen für nicht-olympische Sportarten - vier Goldmedaillen und stellte auch dort mit der Staffel einen neuen Weltrekord auf.

Zuletzt glänzte Holt auch im Oktober bei den Rettungssport-Weltmeisterschaften. Im italienischen Riccione gewann sie sechs Medaillen, schwamm über die "50 Meter Retten Puppe" einen neuen Europarekord und unterbot ihren eigenen Weltrekord bei der kombinierten Rettungsübung, den sie im März aufgestellt hatte, um über eine Sekunde.

Newcomer/-in des Jahres
Name Punkte Prozent
Nina Holt 7944 24%
Lisa Nolte 7169 22%
Chelsea Lynn Roussiekan 6184 19%
Alvar Adler 5934 18%
Frieda Echterhoff 5392 17%

Mannschaft des Jahres: Laura Nolte / Deborah Levi

Es ist eine einzige Erfolgsstory: Als die damals 19 Jahre junge Bobpilotin Laura Nolte 2018 eine Anschieberin für ihren Zweierbob suchte, ging der Blick in Richtung Leichtathletik-Lager.

Bobfahrerinnen Deborah Levi (links) und Laura Nolte (rechts)

Bobfahrerinnen Deborah Levi (links) und Laura Nolte (rechts)

Und dort tauchte im Sprinter-Team plötzlich Deborah Levi auf. Die junge Hessin (damals 21) war unzufrieden mit ihrer Entwicklung auf der Tartanbahn und konnte sich einen Wechsel in den Eiskanal vorstellen. Es lief dann wie geschmiert: Die beiden beschnupperten sich, freundeten sich an und wurden zu einem enorm erfolgreichen Bob-Duo.

In der vorolympischen Saison 2021 gewann das Duo Nolte/Levi Gold bei der Junioren-WM und der Europameisterschaft sowie Bronze bei der WM. Die absolute Krönung folgte dann in diesem Jahr bei den Winterspielen mit Gold.

Mannschaft des Jahres
Name Punkte Prozent
Laura Nolte/Deborah Levi 8832 27%
Cinja Tillmann/Svenja Müller 8792 27%
Deutsche Kanumannschaft 6603 20%
Mark Lamsfuß/Isabel Lohau 4889 15%
Matthias Sommer/Christoph Hafer 3507 11%

Felix Para Sportler/-in des Jahres: Annika Zeyen

Als in der kanadischen Kleinstadt Baie-Comeau Mitte August die Weltmeisterschaft im Para Radsport zu Ende gegangen war, hatte das deutsche Team mächtig Grund zum Jubel. Es hatte satte acht Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen gesammelt.

NRW-Para-Sportlerin des Jahres: Annika Zeyen.

Annika Zeyen.

Gleich zwei Mal Gold holte Handbikerin Annika Zeyen, sowohl im Zeitfahren als auch im Straßenrennen. Im Straßenrennen war es ihr bereits dritter Titel in Folge.

Zeyen ist sozusagen ein Multitalent. Bevor die gebürtige Bonnerin ihren Fokus auf Paracycling legte, war sie bereits als Rollstuhlbasketballerin erfolgreich. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte sie 382 Einsätze, stand in zwölf Endspielen und gewann im Jahr 2012 die Goldmedaille bei den Paralympics in London.

Para-Sportler des Jahres
Name Punkte Prozent
Annika Zeyen 11949 37%
Taliso Engel 6433 20%
Maurice Wetekam 5779 18%
Markus Rehm 4648 14%
Johannes Floors 3814 12%

Fußball-Felix: Yann Sommer

Wenn's ganz mies für Borussia Mönchengladbach läuft, verliert der Bundesligist noch in diesem Winter seinen vielleicht wichtigsten Spieler: Torhüter Yann Sommer liebäugelt mit einem Wechsel auf die englische Insel. Manchester United soll starkes Interesse angemeldet haben.

Yann Sommer, Torwart von Borussia Mönchengladbach.

Yann Sommer.

Bis dahin gilt aber: Der Publikumsliebling hat mal wieder ein tolles Jahr am Niederrhein hinter sich. Mit seinen überragenden Leistungen sicherte der Schweizer Nationalkeeper der Borussia so manchen Punkt und Sieg, zudem überzeugt er als Sympathieträger.

Sommer ist ein aufgeschlossener, liberaler Typ, der bei der Fangemeinde hervorragend ankommt. Borussia kann es sich eigentlich nicht leisten, diesen Mann zu verlieren.

Fußball-Felix
Name Punkte Prozent
Yann Sommer 8816 27%
Simon Terodde 8707 27%
Marvin Schwäbe 7648 23%
Florian Wirtz 3776 12%
Youssoufa Moukoko 3676 11%

Trainer/-in des Jahres: Jörg Roßkopf

Schon als Spieler zeigte Jörg Roßkopf großartige Leistungen und gewann unter anderem 1989 Gold mit Steffen Fetzner im Doppel bei der Tischtennis-WM in Dortmund. Als Bundestrainer, zu dem er 2009 ernannt wurde, ist der 53-Jährige mindestens genauso erfolgreich.

Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf mit Dang Qiu.

Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf mit Dang Qiu.

Bei den Europameisterschaften gewannen die Deutschen unter seiner Betreuung zahlreiche Titel. Mit dem Team holte Roßkopf bei den Olympischen 2021 die Silbermedaille, 2012 und 2016 jeweils Bronze. 2012, 2014 und 2018 wurde die deutsche Mannschaft jeweils Vizeweltmeister - und dieses Kunststück gelang dem Team 2022 bei der WM in China erneut.

"Dieses Silber glänzt wie Gold", sagte Roßkopf nach dem 0:3 im Finale gegen den Gastgeber. Es war ein großer Erfolg, mit der Außenseiter-Besetzung Dang Qiu, Benedikt Duda und Kay Stumper bis ins Endspiel vorgestoßen zu sein. In Deutschland hat Roßkopf geschafft, was kaum jemand in den vergangenen Jahren für möglich hielt: Eine Mannschaft aufzubauen, die auch ohne den Rekord-Europameister Timo Boll und den Olympia-Dritten Dimitrij Ovtcharov zur Weltspitze gehört.